{"id":942,"date":"1984-03-30T11:06:38","date_gmt":"1984-03-30T09:06:38","guid":{"rendered":"https:\/\/friebeismus.delphin-consult.eu\/?p=942"},"modified":"2020-11-04T09:21:59","modified_gmt":"2020-11-04T08:21:59","slug":"artikel-eberhard-faerber-ein-deutscher-management-pioneer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/artikel-eberhard-faerber-ein-deutscher-management-pioneer\/","title":{"rendered":"Artikel: Eberhard F\u00e4rber &#8211; ein deutscher Management-Pioneer"},"content":{"rendered":"\n<p>Eberhard F\u00e4rber gr\u00fcndete 1970 in M\u00fcnchen den Computerhersteller&nbsp;<em>Periphere Computer Systeme<\/em> (PCS) und blieb dort bis 1988 als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. F\u00e4rber war zweifelsohne eine treibende&nbsp;Figur f\u00fcr die Entwicklung&nbsp;des&nbsp;Venture-Capital&nbsp;Ansatzes in der BRD&nbsp;der&nbsp;80er Jahre. Er n\u00fctzte auch seine Erfahrungswerte&nbsp;aus den USA&nbsp;f\u00fcr die Kapitalisierung seiner erfolgreichen unternehmerischen Aktivit\u00e4ten in der BRD und der USA.&nbsp;Damaliger <em>Markt &amp; Technik<\/em> Redakteur Eduard Heilmayr sprach 1984 mit F\u00e4rber, einer interessanten und erfolgreichen Unternehmerpers\u00f6nlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Mit 7,5 Millionen Mark, das entspricht 25,1 Prozent, beteiligte sich am M\u00fcnchner Computerhersteller Periphere Computer Systeme (PCS) die Harald Quandt Verm\u00f6gensverwaltung in Bad Homburg. Das Stammkapital der PCS wurde dazu von 1,7 auf 11,2 Millionen Mark erh\u00f6ht. \u00bbDie Wende vom reinen Systemhaus zum Datenverarbeitungshersteller kann damit endg\u00fcltig vollzogen werden\u00ab, erkl\u00e4rte Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Mitgr\u00fcnder der PCS Eberhard F\u00e4rber. Mit F\u00e4rber, der sich seit fast zwei Jahren intensiv um die Venture-Capital-Szene in Deutschland bem\u00fcht und durch die Mitbegr\u00fcndung der Cadmus Inc. (Boston) auch praktische US-Erfahrungen auf diesem Gebiet aufzuweisen hat, sprach Markt &amp; Technik.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Umsatzzuwachs von 33 Prozent auf 30,5 Millionen Mark erzielt im abgelaufenen Gesch\u00e4ftsjahr 1983 die PCS Periphere Computer Systeme GmbH. Die Grundlage f\u00fcr den Erfolg legte PCS laut Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Eberhard F\u00e4rber mit der Entwicklung des Unix-Rechners Cadmus 9000 Anfang 1982. Das auf dem 16-\/ 32-Bit-Mikroprozessor 68010 von Motorola beruhende Rechnersystem war urspr\u00fcnglich eine risikoreiche Entscheidung, betont F\u00e4rber: \u00bbDamals war es noch sehr umstritten, ob sich das Betriebssystem Unix wirklich als Standard durchsetzen w\u00fcrde.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Jedoch der Einsatz scheint sich gelohnt zu haben: \u00bbDas leistungsf\u00e4hige Gesamtsystem hat uns an die Spitze der Unix-Maschinen gebracht\u00ab, betont F\u00e4rber. Ausgehend von der positiven Marktaufnahme entschlossen sich die PCS-Leute zum Aufbau eines internationalen Vertriebssystems. Durch den anlaufenden Unix-Boom in den USA habe man deshalb schon Mitte 1982 erste Versuche gewagt, \u00fcber einen Distributor nach USA zu kommen. F\u00e4rber machte die Erfahrung, \u00bbdass ein deutsches Produkt in High-Tech-Bereichen in den USA ohne richtige Verkaufsunterst\u00fctzung kaum Akzeptanz aufweisen kann.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Schl\u00fcsselerlebnis bez\u00fcglich Venture-Capital scheint f\u00fcr F\u00e4rber eine zehnt\u00e4gige Reise durch die USA im Herbst 1982 gewesen zu sein. \u00bbIn diesen Tagen habe ich gelernt, wie amerikanische Firmen mit Hilfe von Venture-Capital aggressiv an den Markt treten. Schon w\u00e4hrend der Reise habe ich Pl\u00e4ne geschmiedet, wie wir mit unserem Produkt den amerikanischen Markt selbst angehen k\u00f6nnten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Notwendig dabei sei, dem deutschen Produkt einen amerikanischen Anstrich zu verleihen. In der N\u00e4he von Boston wurde deshalb auf der Basis der M\u00fcnchner Entwicklung die Firma Cadmus Inc. mit einem Startkapital von 3,5 Millionen Dollar gegr\u00fcndet. \u00bbMit einem hervorragenden Management unter F\u00fchrung von Bill Southworth gelang es uns, ab April &#8217;83 innerhalb von drei Monaten 3,5 Millionen Dollar f\u00fcr eine Firma aufzutreiben, die nichts anderes hatte als einen Business-Plan und eine Entwicklung aus Deutschland.\u00ab Schon nach sechs Monaten war die amerikanische Firma auf 70 Mitarbeiter angewachsen und hatte so beeindruckende Erfolge, dass sich im Januar &#8217;84 weitere Venture-Capital-Gesellschaften unter F\u00fchrung der City Bank mit zus\u00e4tzlich 8,5 Millionen Dollar beteiligten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/01\/1984_03_30_Bild01.jpg\" data-lbwps-width=\"265\" data-lbwps-height=\"393\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/01\/1984_03_30_Bild01-202x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-943\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/01\/1984_03_30_Bild01.jpg\"    alt=\"1984_03_30_Bild01\"  width=\"265\" height=\"393\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/01\/1984_03_30_Bild01.jpg 265w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/01\/1984_03_30_Bild01-202x300.jpg 202w\" sizes=\"auto, (max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>F\u00e4rber unterstreicht noch einmal die Dimension dieses Venture-Capital- Investments: \u00bbDie 12 Millionen Dollar entsprechen etwa 33 Millionen Mark. Geht man davon aus, dass diese 33 Millionen Mark f\u00fcr ungef\u00e4hr 65 Prozent des Unternehmenswertes stehen, wurde der Firma de facto ein Unternehmenswert von 50 Millionen Mark unterstellt. Dies f\u00fcr ein Unternehmen, das ein halbes Jahr alt ist, nur einen vernachl\u00e4ssigbar geringen Umsatz im ersten halben Jahr aufweisen konnte, und keinerlei Gewinn erzielte.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen eines Lizenz- und Kooperationsvertrages mit PCS beliefert Cadmus Inc. den nordamerikanischen Markt und rechnet im Jahre &#8217;84 mit einem Umsatz von 45 Millionen Mark.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur gleichen Zeit begab sich F\u00e4rber auch auf die Kapitalsuche f\u00fcr die deutsche PCS GmbH. Ziel sei dabei gewesen, ein weiterhin \u00fcberdurchschnittliches Wachstum finanzieren zu k\u00f6nnen. F\u00e4rber kam zu dem Ergebnis, dass es im Fr\u00fchjahr &#8217;83 als einzige Venture-Capital-Gesellschaft die Deutsche Wagnisfinanzierungs-Gesellschaft (WFG) gab.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gespr\u00e4che mit der WFG und ab Herbst 1983 mit der Techno Venture f\u00fchrten jedoch zu keinem Ergebnis: \u00bbWenn man amerikanische Verh\u00e4ltnisse betrachtet, so spielen dort Vergangenheitsgewinn oder Umsatz praktisch keine Rolle. Das einzige was z\u00e4hlt, sind die Erwartungen f\u00fcr die Zukunft. Von dieser Denkweise ist man in Deutschland aber noch sehr weit weg.\u00ab In Deutschland gehen, so F\u00e4rber, die Zukunftserwartungen in viel zu geringem Ma\u00dfe in die Bewertung von Unternehmen ein. \u00bbIch habe die Erfahrung gemacht, dass man hier bestenfalls eine Unternehmensbewertung in der Gr\u00f6\u00dfenordnung des Umsatzes bekommt. In USA kommt jedoch das F\u00fcnffache oder Zehnfache des Umsatzes h\u00e4ufig genug vor.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Erschwerend f\u00fcr die Verhandlungen mit deutschen Venture-Capital-Gesellschaften kam noch die von den Investoren sich selbst auferlegte Grenze des Investitionskapitals von 3 bis 4 Millionen Mark f\u00fcr eine Beteiligung hinzu. F\u00e4rber versuchte seinen Gespr\u00e4chspartnern klarzumachen, dass es aufgrund seiner US-Erfahrung keinen Sinn hat, \u00bb&#8217;unterkapitalisiert&#8216; in dieses Rennen zu gehen\u00ab. Mehr oder weniger durch Zufall stie\u00df F\u00e4rber dann auf einen dritten Gespr\u00e4chspartner, \u00bbder mit der klassischen Venture-Capital-Szene \u00fcberhaupt nichts zu tun hatte\u00ab, n\u00e4mlich der Harald-Quandt-Verm\u00f6gensverwaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Darauffolgende Gespr\u00e4che mit allen drei potentiellen Investoren verliefen laut F\u00e4rber \u00bbsehr z\u00e4h, nicht aus b\u00f6sem Willen, sondern aus mangelndem Training auf allen Seiten\u00ab. \u00bb Wir haben im Grunde genommen ein Jahr f\u00fcr Verhandlungen gebraucht, w\u00e4hrend es in USA innerhalb von drei Monaten ablief, obwohl die Voraussetzungen sehr \u00e4hnlich waren.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung zugunsten der Quandt-Gruppe fiel, nachdem alle drei Verhandlungspartner sehr gute Angebote in vergleichbarer Gr\u00f6\u00dfenordnung gemacht hatten, aufgrund eines weiteren Problems. Die WFG und die Techno Venture konnten die Zielgr\u00f6\u00dfe von 7 oder 7,5 Millionen Mark nur erreichen \u00fcber ein Co-Venturing \u00bbinteressanterweise mit englischen Venture-Capital-Gesellschaften. Dadurch tauchten weitere Fragen auf, wie etwa die Ber\u00fccksichtigung unterschiedlicher Rechts- und Steuersysteme, die sich aus Zeitgr\u00fcnden nicht mehr kl\u00e4ren lie\u00dfen\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus seinen Erfahrungen kommentiert F\u00e4rber: \u00bb Wir sind noch meilenweit von der amerikanischen Venture-Capital-Szene entfernt. Viele Infrastrukturvoraussetzungen fehlen, sei es das Gewusst-wie bei der Bewertung der Unternehmen, bei der Vertragsgestaltung oder bei der Managementberatung.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Die PCS peilt f\u00fcr 1984 einen Umsatz von 50 Millionen Mark an, davon zirka 30 Prozent im Ausland. \u00dcber eine eventuelle B\u00f6rseneinf\u00fchrung gebe es, so F\u00e4rber, noch keine konkreten Pl\u00e4ne.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pdfjsblock-pdfjs-embed pdfjs-wrapper\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/01\/1984_03_30_MT13S36_he-Artikel_VC-Beteiligung-an-PCS-Faerber.pdf\">1984_03_30_M&amp;T13S36_he-Artikel_VC-Beteiligung-an-PCS-F\u00e4rber<\/a><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/01\/1984_03_30_MT13S36_he-Artikel_VC-Beteiligung-an-PCS-Faerber.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eberhard F\u00e4rber gr\u00fcndete 1970 in M\u00fcnchen den Computerhersteller&nbsp;Periphere Computer Systeme (PCS) und blieb dort bis 1988 als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. F\u00e4rber war zweifelsohne eine treibende&nbsp;Figur f\u00fcr die Entwicklung&nbsp;des&nbsp;Venture-Capital&nbsp;Ansatzes in der BRD&nbsp;der&nbsp;80er Jahre. 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