{"id":822,"date":"1983-11-18T15:28:36","date_gmt":"1983-11-18T13:28:36","guid":{"rendered":"https:\/\/friebeismus.delphin-consult.eu\/?p=822"},"modified":"2020-11-04T09:29:16","modified_gmt":"2020-11-04T08:29:16","slug":"artikel-ein-update-in-der-elektroindustrie-die-neuen-leitlinien-des-zvei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/artikel-ein-update-in-der-elektroindustrie-die-neuen-leitlinien-des-zvei\/","title":{"rendered":"Artikel: Ein Update in der Elektroindustrie &#8211; die neuen Leitlinien des ZVEI"},"content":{"rendered":"\n<p>Neue Entwicklungen in der Forschungsfinanzierung und -f\u00f6rderung im Technologiesektor veranlassen auch im Jahr 1983 den Zentralverband der Elektrotechnischen Industrie (ZVEI) neue Leitlinien zum Thema Forschungspolitik auszuarbeiten. Damaliger&nbsp;<em>Markt &amp; Technik<\/em> Redakteur Eduard Heilmayr stellt diese vor, geht auf die wichtige Aufgabenteilung zwischen Staat und Wirtschaft ein und nennt die&nbsp;Kriterien der ZVEI f\u00fcr eine nachhaltige Forschungs- und Entwicklungsf\u00f6rderung.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u00bbDie in letzter Zeit unternommenen Bem\u00fchungen um die Verbesserung der Forschungsf\u00e4higkeit der Unternehmen werden von der Elektroindustrie begr\u00fc\u00dft\u00ab, so der Zentralverband der Elektrotechnischen Industrie. Der ZVEI trete f\u00fcr die notwendige Konzentration der Forschungsprojekte ein und spricht sich f\u00fcr eine angemessene Relation zwischen den verschiedenen Ma\u00dfnahmen der direkten und indirekten Forschungsf\u00f6rderung aus. In diesem Sinne hat der ZVEI k\u00fcrzlich ein Kooperationsgespr\u00e4ch mit dem Bundesforschungsminister gef\u00fchrt. Auf der Grundlage dieses Gespr\u00e4chs hat das Pr\u00e4sidium des Verbandes soeben die nachfolgenden neuen Leitlinien des ZVEI zum Thema Forschungspolitik verabschiedet.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter den deutschen Industriezweigen weist die Elektroindustrie die h\u00f6chste Forschungsintensit\u00e4t auf. Zurzeit erreichen die j\u00e4hrlichen Forschungsaufwendungen einen Betrag von rund acht Milliarden Mark. Auch im internationalen Vergleich ist die Forschungsintensit\u00e4t der deutschen Elektroindustrie hoch. Elektronische Technologien, insbesondere Mikroelektronik sowie Kommunikations- und Informationstechniken, r\u00fccken immer mehr in den Mittelpunkt der elektrotechnischen Industrie und damit in das Forschungs- und Entwicklungsinteresse der Unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den Ergebnissen, die im Zuge der elektroindustriellen Forschung und Entwicklung (FuE) erzielt werden, gehen produktive Wirkungen auf die gesamte deutsche Volkswirtschaft und auf die Entwicklung in anderen L\u00e4ndern aus. Damit tr\u00e4gt die Elektroindustrie wesentlich dazu bei, den technisch-wirtschaftlichen Fortschritt in arbeitsplatzschaffendes Wachstum umzusetzen, Rohstoffe und Prim\u00e4renergie sparsamer zu nutzen, die Vielfalt der Kommunikationsm\u00f6glichkeiten zu erh\u00f6hen und die Arbeitsbedingungen produktiv zu verbessern. Grunds\u00e4tze der Forschungspolitik sind nach den Vorstellungen des ZVEI:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der volkswirtschaftliche Zweck und das \u00f6ffentliche Interesse der staatlichen Forschungsf\u00f6rderung liegt darin, innovationsf\u00f6rdernde, produktivit\u00e4tssteigernde und umweltsch\u00fctzende Forschungsergebnisse fr\u00fcher zu erzielen, als sie bei rein privatwirtschaftlicher Forschungst\u00e4tigkeit zu erwarten w\u00e4ren.<\/li><li>Zwischen der Forschungst\u00e4tigkeit der Unternehmen und der des Staates sollte auf der Basis klarer Zielsetzungen eine zielgerichtete Arbeitsteilung bestehen. Staatliche Forschungseinrichtungen sollten sich im Wesentlichen auf Grundlagenforschung und diejenigen Aufgaben konzentrieren, f\u00fcr die sie besser geeignet sind als private Forschungsstellen. Forschung mit dem Ziel der Produktentwicklung und der Verfahrensoptimierung ist Aufgabe der Unternehmen.<\/li><li>In der Realit\u00e4t sind beide Gebiete nicht exakt voneinander zu trennen. Durch engen Kontakt zwischen Staat und Wirtschaft sollten die Ma\u00dfnahmen zur Forschungsf\u00f6rderung so angelegt werden, dass die Kooperation zwischen staatlichen und privaten Forschungseinrichtungen verbessert und die Umsetzung der erzielten Forschungsergebnisse erleichtert wird.<\/li><li>Die Elektroindustrie unterst\u00fctzt die Grundlagenforschung leistenden Stellen im universit\u00e4ren Bereich in ihrem Bestreben, die Einheit der Forschung und Lehre zu wahren.<\/li><li>Die staatliche F\u00f6rderung industrieller Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sollte sich dementsprechend vor allem konzentrieren auf folgende Ma\u00dfnahmen und Projekte:<br \/>&nbsp;<br \/><ul><li>von denen eine hohe gesamtwirtschaftliche Produktivit\u00e4tssteigerung und eine St\u00e4rkung der internationalen Wettbewerbsposition deutscher Unternehmen erwartet wird<\/li><li>die im Vorgriff auf die zu erwartende technisch-wissenschaftliche Entwicklung realisiert werden sollen, weil von ihnen eine innovatorische Breitenwirkung \u00fcber eine rasche Diffusion der gewonnenen Erkenntnisse erwartet wird<\/li><li>die zur Entwicklung von Produkten und Verfahren f\u00fchren, an deren fr\u00fchzeitiger Entwicklung ein \u00f6ffentliches Interesse besteht (zum Beispiel aus Gr\u00fcnden des Umweltschutzes), f\u00fcr die es jedoch kurz- und mittelfristig noch keinen Markt gibt oder deren Markt erst durch noch in der Planung befindliche Festlegungen bestimmt wird<\/li><li>die dazu dienen, Wettbewerbsverzerrungen auf dem Gebiet der FuE abzubauen (Beispiel: Kompensation direkte und indirekter FuE-Subventionen ausl\u00e4ndischer Konkurrenz)<\/li><li>die zum Abbau struktureller Nachteile der kleinen und mittleren Unternehmen auf dem Forschungs- und Entwicklungssektor f\u00fchren<\/li><li>die zur Verbesserung der technologischen Voraussetzungen staatlicher Daseinsvorsorge und Zukunftssicherung in den Bereichen der Infrastruktur und der Verteidigung beitragen<\/li><\/ul><\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kriterien der Forschungs- und Entwicklungsf\u00f6rderung<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die deutsche Elektroindustrie begr\u00fc\u00dft die in letzter Zeit unternommenen Bem\u00fchungen um die Verbesserung der Forschungsf\u00e4higkeit der Unternehmen und um eine angemessene Relation zwischen den verschiedenen Ma\u00dfnahmen der direkten und indirekten Forschungsf\u00f6rderung. Dies ist von besonderer Bedeutung f\u00fcr die kleinen und mittleren Unternehmen, die einem starken Forschungs- und Innovationswettbewerb ausgesetzt sind und die aufgrund ihrer Gr\u00f6\u00dfe und Struktur nur selten an direkt gef\u00f6rderten Projekten teilnehmen k\u00f6nnen: Dieser Firmenkreis partizipiert allerdings vielf\u00e4ltig auch von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen, die in gro\u00dfen Unternehmen und in Forschungsinstituten erzielt werden. Entwicklungsdynamik und zunehmende Produktdifferenzierung bieten in der Elektroindustrie besonders gute Chancen zu selbst\u00e4ndigen Entwicklungen in Unternehmen sehr verschiedener Gr\u00f6\u00dfenordnungen. Dabei liegen die Chancen der kleineren und mittleren Unternehmen besonders auf Spezialgebieten, auf denen sie nicht selten eine f\u00fchrende Position einnehmen.<\/li><li>Die verst\u00e4rkte indirekte und indirekt-spezifische Forschungsf\u00f6rderung sollte nicht nur zu Lasten der direkten Forschungsf\u00f6rderung im industriellen Bereich, sondern auch als Ergebnis einer Konzentration der Projektf\u00f6rderung sowie eines Priorit\u00e4tenwechsels im gesamten staatlichen Haushalt herbeigef\u00fchrt werden. Die indirekt-spezifische F\u00f6rderung ist dabei unter der\u00b7 Voraussetzung ausreichender Planungszeitr\u00e4ume ein geeignetes weiteres Instrument f\u00fcr genau umrissene F\u00f6rderbereiche, \u00fcber die zwischen Staat und Wirtschaft Einvernehmen erzielt werden sollte. Zu begr\u00fc\u00dfen ist, dass dabei auf die Begrenzung nach Unternehmensgr\u00f6\u00dfe verzichtet wird und die mit der Abwicklung verbundenen Regularien vereinfacht werden. Im gleichen Sinne sollte auf eine Reduzierung des Verwaltungsaufwandes einschlie\u00dflich der Projektbegleitung bei direkt gef\u00f6rderten Vorhaben hingewirkt werden.<\/li><li>Soweit staatliche Forschungseinrichtungen Vorhaben durchf\u00fchren, die nicht der Grundlagenforschung zuzurechnen sind, sollte dies soweit wie m\u00f6glich in Kooperation mit der Industrie geschehen. Dies ist dann mit geringstm\u00f6glichem Verwaltungsaufwand zu erreichen, wenn solche Vorhaben vorzugsweise im Rahmen der externen Vertragsforschung oder anderer Formen der FuE Kooperation abgewickelt werden.<\/li><li>Die Forderung, Wettbewerbsverzerrungen im Vergleich zu anderen Industriel\u00e4ndern auf dem FuE-Gebiet zu kompensieren, steht nicht im Widerspruch zu den f\u00fcr einzelne Gebiete sinnvollen Bestrebungen nach internationaler Arbeitsteilung und Schwerpunktbildung. Eine weltweit operierende Volkswirtschaft braucht eine breite interdisziplin\u00e4r verankerte FuE-Basis im eigenen Land, um der zunehmenden Komplexit\u00e4t und Integration der Forschungsgebiete entsprechen zu k\u00f6nnen. Ein j\u00fcngste Erkenntnisse einschlie\u00dfendes Gesamtwissen ist als Fundament f\u00fcr die Weiterentwicklung sowie f\u00fcr die Anerkennung als internationaler Partner entscheidend. Ein R\u00fcckstand bei Basistechnologien l\u00e4sst sich in der Regel nicht durch internationale FuE-Kooperation ausgleichen, da die jeweils f\u00fchrenden Unternehmen ihr Wissen selbst nutzen wollen. R\u00fcckst\u00e4ndige Partner laufen Gefahr sich mit Zulieferungen aus der vorangegangenen Generation von Erzeugnissen begn\u00fcgen zu m\u00fcssen und damit weiter in R\u00fcckstand zu geraten.<\/li><li>Die EG-Institutionen sollten sich auf solche Projekte konzentrieren, die entweder in Umfang und Kosten \u00fcber die M\u00f6glichkeiten der einzelnen EG-L\u00e4nder hinausgehen oder deren Ziel einen besonders gesamteurop\u00e4ischen Integrationseffekt verspricht. Im Rahmen der EG-Forschungs- und Technologiepolitik sollten die deutschen Interessen in enger Kooperation~ von Staat und Wirtschaft vertreten werden. Dies gilt auch f\u00fcr alle Bereiche der internationalen Forschungspolitik und damit zusammenh\u00e4ngender Gebiete wie Know-how-Transfer, Patentschutz und Standardisierung.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pdfjsblock-pdfjs-embed pdfjs-wrapper\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/01\/1983_11_18_MT46S30f_he-Artikel_Forschungs-Leitlinien-des-ZVEI.pdf\">1983_11_18_M&amp;T46S30f_he-Artikel_Forschungs-Leitlinien-des-ZVEI<\/a><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/01\/1983_11_18_MT46S30f_he-Artikel_Forschungs-Leitlinien-des-ZVEI.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neue Entwicklungen in der Forschungsfinanzierung und -f\u00f6rderung im Technologiesektor veranlassen auch im Jahr 1983 den Zentralverband der Elektrotechnischen Industrie (ZVEI) neue Leitlinien zum Thema Forschungspolitik auszuarbeiten. 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