{"id":782,"date":"1983-11-04T11:28:46","date_gmt":"1983-11-04T09:28:46","guid":{"rendered":"https:\/\/friebeismus.delphin-consult.eu\/?p=782"},"modified":"2020-11-04T09:37:56","modified_gmt":"2020-11-04T08:37:56","slug":"artikel-das-erfinderzentrum-norddeutschland-lernt-laufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/artikel-das-erfinderzentrum-norddeutschland-lernt-laufen\/","title":{"rendered":"Artikel: Das Erfinderzentrum Norddeutschland lernt laufen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das&nbsp;Erfinderzentrum Norddeutschland&nbsp;(EZN) z\u00e4hlt heute hierzulande zu den renommiertesten&nbsp;und einflussreichsten F\u00f6rdergesellschaften. Der&nbsp;Kryptographiechip (EC-Karte) oder das&nbsp;Sandstreuger\u00e4t, das ICE-Z\u00fcge bei 300 km\/h zum Bremsen bringt, sind nur zwei h\u00f6chst erfolgreiche Beispiele die vom EZN gef\u00f6rdert wurden. Im Gespr\u00e4ch mit&nbsp;dem damaligen Leiter Lothar Schaar, beschreibt Eduard Heilmayr, seiner Zeit&nbsp;<em>Markt &amp;&nbsp;Technik<\/em> Redakteur, die ersten Jahre des 1981 gegr\u00fcndeten EZN, die gesetzten Ziele, die Finanzierung der Gesellschaft und&nbsp;die Bewertungsma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr Erfindungen. Au\u00dferdem lernt der Leser wie komplex der Weg von der Idee bis zur Marktreife sein kann und wie das EZN die Erfinder auf diesen oft steinigen Weg unterst\u00fctzte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbErfindungen erfolgreich zu verwerten wird immer schwieriger \u2014 gegen den Konkurrenzdruck von Gro\u00dfunternehmen mit riesigen Entwicklungsabteilungen und die immer gr\u00f6\u00dfer werdende Informationsnot. Die Vielzahl staatlicher F\u00f6rderprogramme, Probleme bei der Beschaffung von Informationen und Risikokapital sowie b\u00fcrokratische Hemmnisse haben schon so manchen findigen Kopf verzweifeln lassen. Hier braucht der Erfinder Hilfe.\u00ab (Zitat aus einer Informationsbrosch\u00fcre des Erfinderzentrum Norddeutschland, kurz EZN.) Was ist das Erfinderzentrum? Welche konkrete Hilfestellung kann es einem \u00bbfindigen Kopf\u00ab bieten und welche Voraussetzungen muss ein Erfinder mitbringen um in den Genuss einer m\u00f6glichen Hilfsleistung zu kommen? Markt &amp; Technik sprach mit dem Leiter des Erfinderzentrums Norddeutschland Lothar Schaar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Rahmen des Technologieprogramms Niedersachsen und seit dem 1. Juni 1983 mit Beteiligung des Landes Schleswig-Holsteins ist es die Aufgabe des Erfinderzentrum Norddeutschlands, Erfindern aus den Bereichen der Wissenschaft, der Wirtschaft und privaten Erfindern hilfreich zur Seite zu stehen\u00ab, umschreibt Lothar Schaar die globalen Zielgruppen des EZN. Erste Voraussetzung f\u00fcr eine Unterst\u00fctzung des EZN sei jedoch der \u00bbErfinder als Person\u00ab mit definierter Erfindung. Dies bedeutet, dass Unternehmen nicht vom EZN beraten, betreut oder finanziell unterst\u00fctzt werden. \u00bbWohl aber Arbeitnehmer mit freigegebenen Erfindungen, Unternehmer mit kleinen Betrieben, Einzelerfinder, Inhaber von Handwerksbetrieben oder Wissenschaftler an Hochschulen\u00ab, definiert Schaar m\u00f6gliche F\u00f6rderungsberichtigte noch einmal genauer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welche M\u00f6glichkeiten stehen dem EZN zur Erf\u00fcllung der gesteckten Ziele und Aufgaben zur Verf\u00fcgung? Zur Beantwortung dieser Frage beginnt Schaar bei der Gr\u00fcndung: \u00bbWir haben 1981 mit vier Mitarbeitern angefangen, von denen zwei wissenschaftliche Aufgaben erf\u00fcllten. In der Zwischenzeit sind wir acht Leute. Und Anfang n\u00e4chsten Jahres werden wir voraussichtlich zehn bis zw\u00f6lf Mitarbeiter aufweisen, die ein solches Erfinderzentrum als Mindestpersonalbestand auch braucht.\u00ab Jeder wissenschaftliche Mitarbeiter betreue dabei vorrangig diejenigen speziellen Schwerpunkte, wie beispielsweise die Mechanik, Elektrotechnik, Elektronik oder Medizintechnik, f\u00fcr die er aufgrund seiner Ausbildung und vorausgegangenen beruflichen Erfahrungen auch besonders qualifiziert sei, erkl\u00e4rt Schaar nicht ohne Stolz. Trotzdem k\u00f6nne es nat\u00fcrlich vorkommen, dass zur Beurteilung einer eingereichten Erfindung das \u00bbInhouse-Know-how\u00ab des EZN nicht ausreicht, gibt Schaar unumwunden zu. F\u00fcr solche F\u00e4lle habe man in der Zwischenzeit eine Reihe von externen Experten gefunden, die auf offene Fragen sehr detaillierte und kompetente Antworten geben k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Finanziert wird das EZN ausschlie\u00dflich durch die beiden Wirtschaftsministerien der L\u00e4nder Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Die Frauenhofer-Gesellschaft ist damit beauftragt worden, das Erfinderzentrum aufzubauen und zu betreiben. Zwar werde die Frauenhofer-Gesellschaft aus Bundes und L\u00e4ndermittel finanziert, wobei zirka 60 Prozent die Gesellschaft selbst verdient und nur etwa 40 Prozent aus Zuschussmittel aufgebracht werden m\u00fcssen, von denen wiederum 90 Prozent vom Bund stammen, erkl\u00e4rt Schaar die etwas komplizierten Zusammenh\u00e4nge, aber das Erfinderzentrum Norddeutschland werde nicht \u00bbaus diesem Topf finanziert\u00ab. \u00bbDie FhG bekommt s\u00e4mtliche f\u00fcr uns aufgewendeten Mittel aus dem nieders\u00e4chsischen und schleswig-holsteinschen Haushalt erstattet. Ganz im Gegenteil\u00ab, f\u00fchrt Schaar weiter aus, \u00bbf\u00fcr uns betreffende Verwaltungsaufgaben wird die FhG zus\u00e4tzlich honoriert.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Grund f\u00fcr die etwas verwirrende Konstruktion sieht Schaar in der \u00bbklugen Einsch\u00e4tzung der landeseigenen Inkompetenz in der Zeit vor 1981 auf diesem Gebiet\u00ab. Es habe bis Ende der 70er Jahre keine nennenswerte Erfinderf\u00f6rderung dieser stark regional bezogenen Art in Deutschland gegeben. Die meiste Erfahrung auf diesem Sektor hat nach Schaars Meinung die Frauenhofer-Ge- sellschaft. \u00bbDeshalb ist die FhG beauftragt worden, die Grundkonzeption f\u00fcr das Erfinderzentrum zu entwickeln.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Finanzausstattung betr\u00e4gt f\u00fcr die Projektlaufzeit, die k\u00fcrzlich von Frau Birgit Breul, Niedersachsens Minister f\u00fcr Wirtschaft und Verkehr, bis Ende 1986 in Aussicht gestellt worden ist, 6,5 Millionen Mark, beschreibt Schaar seinen finanziellen Spielraum. \u00bbDies mag als Gesamtf\u00f6rdervolumen vielleicht etwas knapp erscheinen, besonders wenn man noch unseren Haushalt von etwa 750000 Mark abzieht, aber dem ist nicht so.\u00ab Schaar erkl\u00e4rt den Grund: \u00bbZur Durchsetzung von Erfindungen, deren Substanz in ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt einm\u00fcnden, brauchen wir beispielsweise zur Funktionsdarstellung, zum Bau eines Prototyps, nicht unbedingt unsere eigenen F\u00f6rdermittel einsetzen. Hier greift auf Empfehlung des EZN die Projektf\u00f6rderung der L\u00e4nder Niedersachsen und Schleswig-Holstein, sodass die 6,5 Millionen nicht alle uns zur Verf\u00fcgung stehenden Mittel umfassen.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das EZN unterst\u00fctze mit den vorhandenen Mitteln den gesamten Problemkomplex einer Erfindung: \u00bbVon der ersten Formulierung bis hin zur Verwertung\u00ab, das sei der umfassende Wirkungskreis des EZN, erkl\u00e4rt Schaar. So werden beispielsweise im Einzelfall bis zu 50.000 Mark, \u00bbund wenn notwendig auch mehr\u00ab, allein f\u00fcr die Schutzrechtsicherung einer Erfindung ausgegeben. \u00bbDas sind nat\u00fcrlich internationale Schutzrechtbem\u00fchungen, die Kosten f\u00fcr eine nationale Anmeldung liegen in der Regel zwischen 3.000 und 5.000 Mark\u00ab. Schaar weiter: \u00bbDaf\u00fcr haben wir im Haushalt j\u00e4hrlich etwa eine Viertel Million vorgesehen\u00ab. F\u00fcr die Funktionsdarstellung einer Erfindung, beispielsweise durch den Bau eines Modells, oder f\u00fcr die Fertigung eines Prototypen stehen im EZN-Haushalt \u00bbmehrere Hunderttausend Mark zur Verf\u00fcgung\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Erfinderzentrum Norddeutschland f\u00f6rdert Erfindungen aus allen technischen Bereichen. Dabei sollen vorrangig nieders\u00e4chsische oder schleswig-holsteinische Erfinderinteressen vertreten werden. Der \u00bbGef\u00f6rderte\u00ab sollte seinen Sitz in einem der beiden L\u00e4nder haben. \u00bbWobei wir nicht streng an diesen Grenzen Halt machen\u00ab, so Schaar, \u00bbwenn au\u00dferhalb Niedersachsens oder Schleswig- Holsteins eine Erfindung auftaucht, die f\u00fcr beide L\u00e4nder interessant sein k\u00f6nnte, so werden wir mit angemessenen Mitteln auch diese Erfindung f\u00f6rdern. Denn es ist f\u00fcr uns genauso interessant, innovative Technologien in die beiden L\u00e4nder hineinzubekommen, wie die eigenen Ideen hier zu verwerten.\u00ab Was nat\u00fcrlich nicht geht\u00ab, verdeutlicht Schaar, \u00bbist, dass das norddeutsche Erfinderzentrum beispielsweise einen bayerischen Erfinder f\u00f6rdert, der in Baden-W\u00fcrttemberg verwertet.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hilfe des Erfinderzentrums kann in Anspruch genommen werden, wenn die technische Anwendbarkeit sicher, die Neuheit und die wirtschaftliche Bedeutung der Neuentwicklung wahrscheinlich sind. Voraussetzung: Ohne finanzielle und technische Hilfe des EZN ist eine erfolgreiche Verwertung nicht zu erwarten. Das hei\u00dft so Schaar, \u00bbder Erfinder kann seine Idee nicht mit eigenen finanziellen Mitteln realisieren\u00ab. \u00bbWenn man aber bedenkt, dass eine Verwertung einer Erfindung mittlerer G\u00fcte zwischen 200.000 Mark und 400.000 Mark kostet, dann kann man sich vorstellen, dass an dieser Forderung kaum jemand scheitert.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/01\/1983_11_04_Bild01.jpg\" data-lbwps-width=\"736\" data-lbwps-height=\"641\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/01\/1983_11_04_Bild01-300x261.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-793\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/01\/1983_11_04_Bild01.jpg\"    alt=\"1983_11_04_Bild01\"  width=\"736\" height=\"641\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/01\/1983_11_04_Bild01.jpg 736w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/01\/1983_11_04_Bild01-300x261.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 736px) 100vw, 736px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer formlosen schriftlichen Eingabe sollte der Erfinder seine Idee konkretisieren. Er sollte darstellen, was er als neue Idee f\u00fcr sich beansprucht, welchen Stand der Technik er kennt und wo technisch-wirtschaftliche Vorteile bei der Anwendung seiner Erfindung liegen. \u00bbWenn das Projekt interessant erscheint, folgt als n\u00e4chster Schritt immer ein Gespr\u00e4ch mit dem Erfinder\u00ab, so Schaar. In diesem Gespr\u00e4ch werden die ersten Grundz\u00fcge einer Verwertungsstrategie erarbeitet. Hierbei werde auch die Zustimmung vom Erfinder \u00fcber die gemeinsame Vorgehensweise eingeholt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbBei der Bewertung eines eingehenden Projektes gehen wir systematisch nach Priorit\u00e4ten vor.\u00ab Unter diesem Gesichtspunkt wendet das EZN vier Bewertungsschritte in folgender Reihenfolge an: 1. Verst\u00f6\u00dft die Erfindung gegen physikalische Grundgesetze? 2. L\u00e4sst sich die physikalisch richtige Idee mit ingenieurm\u00e4\u00dfigen Mittel realisieren? 3. \u00dcberpr\u00fcfung der Neuheit, aber nicht im patentrechtlichem Sinne, sondern nach dem Kriterium, ist die Erfindung neu genug, damit sie auf dem Markt Anreize bietet 4. Analyse der Wirtschaftlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00bbWenn all diese Kriterien er f\u00fcllt werden, physikalisch einwandfrei, technisch darstellbar, mit hoher Wahrscheinlichkeit neu und wirtschaftlich, dann f\u00f6rdern wir\u00ab, erl\u00e4utert Schaar, \u00bbmit ausreichend finanziellem Aufwand und viel Zeit f\u00fcr Beratungs- und Betreuungsstunden\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Beratung und Betreuung sind bis zum F\u00f6rderbeginn f\u00fcr den Erfinder kostenlos. Erst dann soll er etwa 25 Prozent der Schutzrechtskosten tragen, \u00bbund bei der Funktionsdarstellung soll er den Betrag beisteuern, den er ohne Beeintr\u00e4chtigung seiner wirtschaftlichen Situation verkraften kann\u00ab. Hier habe man, so Schaar, auch gen\u00fcgend Spielr\u00e4ume, die nicht von b\u00fcrokratischen Vorschriften eingeengt werden. Aber eine finanzielle Beteiligung des Erfinders sei notwendig, damit, wie Schaar aus fr\u00fcheren Erfahrungen wei\u00df, kein Missbrauch mit den F\u00f6rdergeldern getrieben werden k\u00f6nne. \u00bbWir haben gelernt, wenn wir schon mit den Erfindern zusammen ein Team bilden \u2014 und anders geht es nicht \u2014 dann m\u00fcssen Rechte und Pflichten angemessen verteilt werden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bisher nahm das EZN etwa 2000 Anfragen entgegen. Davon waren zirka 1250 hinreichend konkret, zieht Schaar Bilanz. \u00bbAus dem privaten Bereich kommen etwa 70 Prozent der Erfindungen, 25 Prozent aus dem Bereich von Unternehmen und die Wissenschaft beteiligt sich mit steigender Tendenz mit 5 Prozent\u00ab, vermerkt Schaar. Von den 1250 zur Bearbeitung gelangten Antr\u00e4gen stammen 440 aus der Mechanik (65 Prozent), aus der Elektrotechnik 72 Erfindungen (10 Prozent), aus den Bereichen Medizin, Biologie, Chemie und Landwirtschaft stammt noch einmal die gleiche Anzahl und hinzu kommen noch einmal 133 sonstige Erfindungen, sodass diese Erfindungen insgesamt noch einmal 25 Prozent ausmachen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von den aufgelisteten Erfindungen weisen laut Schaar 16 eine \u00bbfundamentale Substanz auf, \u2014 also etwa 1,3 Prozent\u00ab. Weitere 20, oder 1,6 Prozent, werden durch die Finanzierung der Schutzrechte gef\u00f6rdert. Zus\u00e4tzlich werden im EZN noch 50 Projekte betreut, aber derzeit noch nicht nennenswert finanziell unterst\u00fctzt. \u00bbDie 16 herausragenden Erfindungen kommen von 12 Erfindern, acht aus dem Bereich der selbst\u00e4ndigen Unternehmer, zwei aus der Wissenschaft und zwei aus dem privaten Bereich\u00ab, berichtet Schaar weiter. An den 20 Schutzrechtf\u00f6rderungen seien 10 Unternehmer, 5 Wissenschaftler und 5 Privatleute beteiligt. Schaar: \u00bbEs hat sich gezeigt, dass der gr\u00f6\u00dfte Anteil der interessantesten Erfindungen bisher aus der mittelst\u00e4ndischen Industrie kommt.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein guter Erfinder weist nach Schaars Erfahrungen folgende drei Eigenschaften auf: 1. Die Begabung, kreativ zu arbeiten und selbstkritisch zu denken 2. die Kenntnis von wirtschaftlich-technischen Problemen und 3. die Ausbildung, um diese Probleme l\u00f6sen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Eigenschaften k\u00f6nnten im handwerklichen oder wissenschaftlichen Bereich liegen, \u00bbaber ohne diese drei Bedingungen kommen einfach keine guten Erfindungen zustande\u00ab, meint Schaar. \u00bbDie relativ gering erscheinende Ausbeute bei den privaten Erfindungen liegt nicht etwa daran, dass diese Leute nicht enorm kreativ sind, sondern daran, dass sie nur selten mit technisch-wirtschaftlichen Problemen industrieller Art konfrontiert werden.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den zeitlichen Ablauf zur Durchsetzung einer Erfindung gliedert Schaar in vier Phasen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Schutzrechtphase,<\/li><li>Funktionsdarstellungsphase,<\/li><li>Akquisitionsphase,<\/li><li>Realisierungsphase.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In jeder dieser Phasen treten, nach Schaars Erfahrung, unterschiedlich gewichtet, fachliche und finanzielle Probleme auf. In der Schutzrechtphase, so Schaar genauer, werfe die fachliche Behandlung keinerlei Probleme auf, denn hier g\u00e4be es gen\u00fcgend kompetente Patentanw\u00e4lte. Die finanzielle Frage spiele hier auch keine erhebliche Rolle, denn gemessen an anderen Kosten seien die Aufwendungen hier relativ gering.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Finanziell sehr problematisch hingegen ist laut Schaar die Funktionsdarstellungsphase. \u00bbHier m\u00fcssen selbst bei relativ einfachen Dingen 100.000 Mark oder mehr aufgebracht werden.\u00ab Auch fachlich treten hier sehr h\u00e4ufig gro\u00dfe Schwierigkeiten auf, denn bei der Funktionsdarstellung gelte es auf der Basis konstruktiv fundierten Grundlagen, beispielsweise auch einen Kaufmann oder Juristen von der Erfindung zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Akquisition, also der Suche und dem Anbieten der Erfindung an interessierte Personen oder Unternehmen, spielen nach Schaars Aussage finanzielle Probleme keine gro\u00dfe Rolle. Fachlich werden aber hier h\u00e4ufig Fehler gemacht, zum Beispiel, \u00bbdass die Erfindungen einem Au\u00dfenstehenden angeboten werden, bevor sie in angemessener Form gesch\u00fctzt sind\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim letzten Punkt, der Realisierungsphase, k\u00f6nnen fachlich schwerwiegende Fehler gemacht werden. Schaar nennt ein Beispiel: \u00bbBei den Lizenzvertr\u00e4gen, die etwa mit Industrieunternehmen abgeschlossen werden, gibt es kaum Erfinder, die das Vertragsrecht so beherrschen, dass sie nicht benachteiligt werden k\u00f6nnten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier k\u00f6nne man den juristischen Abteilungen der Industrieunternehmen eigentlich keinen Vorwurf machen, denn sie m\u00fcssen die Interessen ihres Unternehmens vertreten und nicht die des Erfinders, so Schaar. Ebenfalls sei das finanzielle Risiko in der Realisierungsphase erheblich. \u00bbMuss n\u00e4mlich ein eigenes Vertriebssystem erst aufgebaut werden, werden die Kosten und der Zeitaufwand daf\u00fcr von dem h\u00e4ufig nur technisch-kreativ t\u00e4tigen Erfinder meist falsch oder \u00fcberhaupt nicht eingesch\u00e4tzt.\u00ab Schaar: \u00bbDeshalb betrachte ich die Realisierungsphase genau wie die Phase der Funktionsdarstellung von der fachlichen und finanziellen Seite her als sehr problematisch. Hier werden zum Teil Ma\u00dfnahmen ergriffen, die existenzgef\u00e4hrdend sind.\u00ab<\/p>\n\n\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/01\/1983_11_04_MT44S20ff_he-Artikel_Erfinderzentrum-Norddeutschland.pdf\">1983_11_04_M&amp;T44S20ff_he-Artikel_Erfinderzentrum-Norddeutschland<\/a><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/01\/1983_11_04_MT44S20ff_he-Artikel_Erfinderzentrum-Norddeutschland.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das&nbsp;Erfinderzentrum Norddeutschland&nbsp;(EZN) z\u00e4hlt heute hierzulande zu den renommiertesten&nbsp;und einflussreichsten F\u00f6rdergesellschaften. 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