{"id":639,"date":"1982-11-19T12:33:53","date_gmt":"1982-11-19T10:33:53","guid":{"rendered":"https:\/\/friebeismus.delphin-consult.eu\/?p=639"},"modified":"2020-11-04T09:52:07","modified_gmt":"2020-11-04T08:52:07","slug":"artikel-wer-keine-reiche-oma-hat-herausforderungen-in-der-technologiefinanzierung-der-fruehen-80er-jahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/artikel-wer-keine-reiche-oma-hat-herausforderungen-in-der-technologiefinanzierung-der-fruehen-80er-jahre\/","title":{"rendered":"Artikel: Wer keine reiche Oma hat&#8230; &#8211; Herausforderungen in der Technologiefinanzierung der fr\u00fchen 80er Jahre"},"content":{"rendered":"\n<p>Eduard Heilmayr beschreibt die T\u00fccken der Wachstumsfinanzierung&nbsp;f\u00fcr mittelst\u00e4ndische und Kleinunternehmer in den fr\u00fchen 80er Jahren. Warum verweigern Banken oft Kredite und verhindern dadurch Innovation? Bieten&nbsp;Eigenkapitalfinanzierungsmodelle oder staatliche F\u00f6rderungsprogramm Alternativen? Ein spannender und informativer Artikel \u00fcber die Herausforderungen der damaligen Technologiefinanzierung.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>M\u00fcnchen (he) &#8211; \u00bbWer keine reiche Oma hat und trotzdem sein Gesch\u00e4ft betreiben will, muss das Geld, das er zu Wachstumsfinanzierung braucht, erst verdienen\u00ab, so stellt sich f\u00fcr Michael Iloff die Situation der Kleinunternehmer dar.&#8220; Wenn er das nicht machen will oder kann, bleiben dem Unternehmer drei M\u00f6glichkeiten: zur Bank zu gehen und Kredite aufzunehmen, ein passendes staatliches F\u00f6rderprogramm zu finden oder aber auf dem privaten Markt sich Risikokapital zu besorgen. Mit welchen T\u00fccken er rechnen muss und welche Fehler er machen kann, beschreibt der Artikel im Rahmen der Berichterstattung \u00fcber das Markt &amp; Technik-Forum zum Thema Technologiefinanzierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man ein Produkt fertig entwickelt hat, dann glaubt man, die gr\u00f6\u00dften Probleme sind gel\u00f6st. Das ist nicht so. Gerade f\u00fcr uns Techniker ist es schwierig, die Fertigung und den Vertrieb aufzubauen\u00ab, so beschrieb Karl-Hans Sch\u00f6nweitz (GS-Electronic) die Ausgangsposition vieler Klein- und mittelst\u00e4ndischer Unternehmer. F\u00fcr den Aufbau von Fertigung und Vertrieb ist im wesentlichen Geld erforderlich. Der erste Weg des Unternehmers f\u00fchrt dabei zu den Banken. Die Erfahrungen, die Unternehmer auf diesem Gebiet machen mussten, bezeichneten die am Forum teilnehmenden Unternehmer generell als schlecht. \u00bbWir haben versucht, Bankkredite zu bekommen, und es ist uns auch gelungen, aber doch nur mit sehr gro\u00dfen Schwierigkeiten\u00ab, berichtet Sch\u00f6nweitz. Seiner Ansicht nach wurde der Bankkredit nicht aufgrund des entwickelten Produktes erteilt, sondern nur die pers\u00f6nliche Leistungsf\u00e4higkeit seiner Person und die seines Teilhabers als Bewertungsma\u00dfstab der Bank f\u00fcr einen Kredit herangezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass dieser Bewertungsma\u00dfstab speziell bei neugegr\u00fcndeten Unternehmen h\u00e4ufig zu abseitigen Kreditbescheiden f\u00fchrt, musste Gerhard Blanke am eigenen Leib erfahren. Trotz Gesch\u00e4ftsplan, Marktstudien vergleichbarer Produkte in den USA und privaten Beteiligungen stellte Blanke seine Gespr\u00e4che mit zirka f\u00fcnf Banken \u00fcber weitere Finanzierungsmittel letztendlich ein: \u00bbWir kamen in einer gewissen Verhandlungsphase immer in eine Situation, wo die andere Seite sagte, die amerikanischen Marktstudien m\u00f6gen zwar stimmen, aber wir k\u00f6nnen die Chancen f\u00fcr das Produkt am europ\u00e4ischen Markt insgesamt nicht einsch\u00e4tzen.\u00ab Jetzt, nach einem halben Jahr, sei die Zeit f\u00fcr die Einf\u00fchrung dieses Produktes wahrscheinlich schon vorbei, weil die Amerikaner ihrerseits damit auf den europ\u00e4ischen Markt dr\u00e4ngen, so Blanke.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr R\u00fcdiger Hahn (SPL Software Product) ist das Kriterium der Schnelligkeit im innovativen Technikbereich ein wesentlicher Gesichtspunkt. Seine Firma wollte ein Produkt einf\u00fchren, das ein Halbleiter sein sollte. Zum Aufbau einer Halbleiterfertigung sei aber erhebliches Kapital notwendig. Hahn sprach von mindestens vier Millionen Mark, das praktisch sofort zur Verf\u00fcgung stehen m\u00fcsste. \u00bbIch muss ein Produkt in unserer Branche innerhalb eines halben Jahres auf den Markt bringen und so kosteng\u00fcnstig fertigen k\u00f6nnen, dass es auch eine Chance hat, einen Markt zu gewinnen\u00ab, analysierte Hahn seine Situation. Ihm sei es aber nicht gelungen, \u00fcber eine Bank an Risikokapital heranzukommen. Er habe auch keine M\u00f6glichkeit gefunden, Privatgelder hierf\u00fcr vermittelt zu bekommen. Auch Klaus P. Friebe (VDI-Technologiezentrum) hielt sich mit Vorw\u00fcrfen an die Finanziers nicht zur\u00fcck: \u00bbDas Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Markt und die Marktentwicklung, f\u00fcr die Risiken im Vertrieb und f\u00fcr die Chancen eines Produktes sind in der Finanzwelt bei uns unterentwickelt.\u00ab Dies tr\u00e4fe nach Friebes Meinung besonders f\u00fcr den Mikroelektronik-Bereich zu: \u00bbMit was wir es hier zu tun haben ist ein Ph\u00e4nomen der Schnelllebigkeit, der Nichtbeurteilbarkeit von M\u00e4rkten, von Vertriebssystemen und Produkten.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dementsprechend schwierig ist die richtige Einsch\u00e4tzung eines Produktes f\u00fcr die Bank. Max Pohl (West LB) scheut sich auch nicht, unumwunden zuzugeben, dass h\u00f6herer Sachverstand beim Bankpartner unumg\u00e4nglich ist. Aber auch die Finanziers \u00fcbten massive Kritik an den Unternehmern. \u00bbWas ich schon alles an Finanzierungen gesehen habe, da standen mir die Haare zu Berge\u00ab, berichtete Pohl aus der Praxis. Zun\u00e4chst sei festgehalten, dass eine Finanzierung entweder einen Kredit oder Eigenkapital in Form von Beteiligungen verlangt, legte Pohl noch einmal die Voraussetzungen fest. Erst dann, wenn ein Unternehmen Rentabilit\u00e4t als ausreichend sicher darstellen kann, l\u00e4sst sich mit Krediten arbeiten. Voraussetzung f\u00fcr Finanziers und Unternehmer gleicherma\u00dfen, betonte Pohl weiter, sei es doch, dass Gewinne erzielt werden. Bei der Vergabe von Krediten m\u00fcsse die Bank pr\u00fcfen, ob der Kreditnehmer in der Lage ist, einerseits die Kreditbelastungen zu finanzieren und andererseits den Kredit fristgerecht zur\u00fcckzuzahlen. So betrachtet herrschte Einigung der Forumsteilnehmer darin, dass unter diesen Voraussetzungen Kredite selten ein geeignetes Finanzierungsmittel f\u00fcr die Wachstumsfinanzierung darstellen. Was bleibt, ist die Eigenkapitalfinanzierung durch Beteiligungsgesellschaften. Hier m\u00fcsste nach Meinung von Dr. Alfred Prommer (Prommer Consultants) der Unternehmer erkennen, dass er den Finanzier bei der Eigenkapitalfinanzierung als Partner braucht, und zwar nicht als Gespenst oder als Loch, das sich irgendwann die Firma unter den Nagel rei\u00dfen m\u00f6chte\u00ab. Karl-Heinz Fanselow (WFG) erg\u00e4nzt: \u00bbEs braucht den anlagenbereiten Finanzier mit unternehmerischem Sachverstand und es braucht auf der Unternehmerseite Partner, die den Gesellschafter in Freud und Leid akzeptieren.\u00ab Dies ist keineswegs eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. \u00bbDer Unternehmer hat eine Schwellenangst\u00ab, so Pohl. \u00bbEr glaubt, dass der Kapitalgeber, der sich an seiner Firma beteiligt, ihn beeinflusst, ihn beherrscht, ihn nicht mehr selbstst\u00e4ndig entscheiden l\u00e4sst.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Vertrauensmangel scheint nicht nur zwischen Unternehmen und Kapitalgebern vorzuherrschen. Auch die Beschaffungspolitik des Staates und der Industrie zeugt nicht von gro\u00dfem Vertrauen in die Leistungsf\u00e4higkeit kleiner und mittelst\u00e4ndischer Betriebe. \u00bbDie Angst des Auftraggebers, insbesondere \u00f6ffentlicher Auftraggeber, ist die, dass die Firma, von der man die Produkte bezieht, in den kommenden Jahren Pleite geht\u00ab, teilt Eberhard F\u00e4rber seine Erfahrungen mit. Hier ansetzend habe F\u00e4rber versucht, mit dem Aufbau einer sogenannten Projekt-Garantie Gemeinschaft systematisch Vertrauen f\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen zu schaffen. \u00bbEs entstand ein rundes Konzept\u00ab, berichtete F\u00e4rber weiter, \u00bbdas auch mit dem BMFT und dem Wirtschaftsministerium besprochen wurde.\u00ab Diese Bem\u00fchungen seien aber letztendlich aus folgenden Gr\u00fcnden gescheitert: \u00bbDas Forschungsministerium f\u00fchlte sich nicht zust\u00e4ndig. Wir gingen zum Wirtschaftsministerium, das sich ebenfalls f\u00fcr nicht zust\u00e4ndig erkl\u00e4rte, weil Wirtschaftsf\u00f6rderung Sache der L\u00e4nder ist.\u00ab Seine Reise durch die Bundesrepublik, so F\u00e4rber weiter, f\u00fchrte ebenfalls zu keinem Ergebnis. Da die Bundesl\u00e4nder v\u00f6llig verschiedene Instrumente zur Wirtschaftsf\u00f6rderung anbieten (Bayern f\u00f6rdert beispielsweise den Handel aber nicht die Industrie, Baden-W\u00fcrttemberg Handel und Industrie), die Garantiegemeinschaftsmitglieder aber in s\u00e4mtlichen Bundesl\u00e4ndern angesiedelt waren, sei das Projekt mangels Kompetenz gescheitert.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00bbWir haben diesem Problem schon Aufmerksamkeit gewidmet\u00ab, best\u00e4tigte indirekt Dr. H. Gr\u00fcnau die Vorw\u00fcrfe F\u00e4rbers. Man habe im Ruhrgebiet ein Beratungsmodell f\u00fcr Kommunen laufen. Sie sollen unter dem Stichwort innovative Beschaffung im Energie- und Entsorgungsbereich verbesserte und neue Technologien einsetzen. \u00bbH\u00e4ufig werden leider zu kurzatmige Rechnungen \u00fcber die Wirtschaftlichkeit neuer Techniken angestellt\u00ab, meinte auch Gr\u00fcnau. \u00bbWir werden weiter\u00fcberlegen, inwieweit staatliche Beschaffungspolitik auf solche Dinge st\u00e4rker ausgerichtet und verbessert werden k\u00f6nnte.\u00ab Es sei aber nicht zu verschweigen, dass es hier enorme Schwierigkeiten gibt. So werden beispielsweise bei der \u00f6ffentlichen Sicherheit oder im Verteidigungsressort andere Priorit\u00e4ten gesetzt, erkl\u00e4rte Gr\u00fcnau weiter. \u00bbEs wird sehr schwierig sein, hier auch den Sachverstand reinzubringen. Wir m\u00fcssen aber sicherlich mehr Aufgeschlossenheit erreichen, damit durch \u00f6ffentliche Auftr\u00e4ge der Start f\u00fcr neue Firmen leichter gemacht wird. \u00ab<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pdfjsblock-pdfjs-embed pdfjs-wrapper\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2016\/12\/1982_11_19_MT46S06f_he-Artikel_VC-Forum-Finanzierung-Mikroelektronik.pdf\">1982_11_19_M&amp;T46S06f_he-Artikel_VC-Forum-Finanzierung-Mikroelektronik<\/a><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2016\/12\/1982_11_19_MT46S06f_he-Artikel_VC-Forum-Finanzierung-Mikroelektronik.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eduard Heilmayr beschreibt die T\u00fccken der Wachstumsfinanzierung&nbsp;f\u00fcr mittelst\u00e4ndische und Kleinunternehmer in den fr\u00fchen 80er Jahren. 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