{"id":341,"date":"1980-11-30T05:32:17","date_gmt":"1980-11-30T03:32:17","guid":{"rendered":"https:\/\/friebeismus.delphin-consult.eu\/?p=341"},"modified":"2020-11-04T11:13:20","modified_gmt":"2020-11-04T10:13:20","slug":"interview-elektronik-im-maschinenbau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/interview-elektronik-im-maschinenbau\/","title":{"rendered":"Interview: Elektronik im Maschinenbau"},"content":{"rendered":"\n<p>Neu-Ulm, November 1980 (Elektronikanzeiger) &#8211; Mikroelektronik im Maschinenbau &#8211; unter dlesem Motto stand die Tagung im November in Neu-Ulm, die Ingenieuren aus dem Maschinenbau und der Automobilindustrie&nbsp;Begriffe, Strategien und Chancen des Einsatzesder Mikroelektronik in diesen Bereichen n\u00e4herbringen sollte.Wie die M\u00f6glichkeiten der Mikroelektronik bisher genutzt&nbsp;werden, geht aus dem folgenden Gespr\u00e4ch hervor, das unser M\u00fcnchener Redakteur mit Klaus P. Friebe, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer&nbsp;des VDI-Technologiezentrums in Berlin, f\u00fchrte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><em>Herr Friebe, Sie sind Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des VDITechnologiezentrums&nbsp;mit Sitz in Berlin, das gr\u00f6\u00dftenteils&nbsp;von BMFT und zum kleineren Teil vom&nbsp;VDI finanziert wird. Eine Aufgabe, die man sich gestellt hat ist. kleineren und mittleren Firmen den&nbsp;Einstieg in die Mikroelektronik zu erleichtern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist richtig, aber diese Aufgabenstellung ist nur ein Teilbereich unserer Arbeit. Neben der&nbsp;Einf\u00fchrung der Mikroelektronik in kleineren und mittleren Unternehmen befassen wir uns mit den physikalischen Technologien, hier kommen vorwiegend die gro\u00dfen Unternehmen zum Zuge, weil in diesen Bereichen doch die Forschungskapazit\u00e4ten notwendig sind, die kleinen und mittleren Betrieben nicht in diesem Ma\u00dfe zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nun, ich m\u00f6chte meinen, da\u00df kleinen und mittelgro\u00dfen Firmen im all&nbsp;gemeinen nicht die&nbsp;finanziellen M\u00f6glichkeiten zur Verf\u00fcgung stehen, sich neue Technologien in eigener Regie zuzulegen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das stimmt nicht ganz. Es gibt eine ganze Reihe von mittelst\u00e4ndischen Unternehmen, die finanziell in der Lage sind, gerade neue Technologien einzuf\u00fchren und ich glaube, da\u00df diese Unternehmen im Wettbewerb gut dastehen. Es ist nicht so, da\u00df die Gro\u00dfen die Technologien machen, das stimmt nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Es ist doch wohl auch eine Frage der Finanzierbarkeit, wie neue Technologien angewendet und eingesetzt werden k\u00f6nnen. Es kann nicht jede Firma aus eigener Kapitaldecke gro\u00dfe Investitionen t\u00e4tigen, wie sie doch bei den Technologien, die hier zur Debatte stehen, n\u00f6tig sind. Es ist die Unterst\u00fctzung einer Bank oder eines sonstigen Institutes notwendig.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, es ist schon eine Kapitalfrage, aber diese Frage l\u00f6st sich, wenn man fr\u00fchzeitig in eine neue Technologie einsteigt. Dann sind die Einstiegskosten erheblich geringer. Unser Problem ist ja nicht das Kapital in erster Linie, sondern der Zeitpunkt des Einstiegs in eine neue Technologie, das ist wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der richtige Zeitpunkt, das ist das Stichwort zur \u00dcberleitung zum Maschinenbau. Ist der Einstieg in&nbsp;der breiten Anwendung&nbsp;der Mikroelektronik im&nbsp;Maschinenbau noch&nbsp;rechtzeitig erfolgt oder&nbsp;fast schon versp\u00e4tet?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Einige deutsche Unternehmen haben schon fr\u00fchzeitig versucht, die Mikroelektronik zu nutzen, aber ich glaube, mit dem heutigen Nutzungsgrad ist es soeben m\u00f6glich, im Wettbewerb zu bestehen. F\u00fcr den Wettbewerb von morgen allerdings mu\u00df die Nutzung der Mikroelektronik erheblich intensiviert werden, wenn wir ,,\u00fcberleben&#8220; wollen. In einer gewissen Hinsicht sehe ich dabei nicht so optimistisch in die Zukunft, weil uns einfach das Menschenpotential fehlt. Der Wille ist da, auch das Kapital ist kein Problem. Es fehlt uns einfach auf ganzen Breite ad\u00e4quates Personal, das die Mikroelektronik in diesen klassischen Bereich Maschinenbau hineintragen kann. Es fehlen uns Maschinenbauer, die die Mikroelektronik verstehen, das ist das Problem.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Soweit ich das \u00fcbersehe, haben klassisch ausgebildete Maschinenbauer gerade den Einstieg in die Elektrik, zum Teil vielleicht in die Elektronik geschafft und m\u00fcssen sich nun auf einen gro\u00dfen Sprung in die Mikroelektronik vorbereiten. Das beinhaltet allerdings, da\u00df man nicht mehr hardwarem\u00e4\u00dfig wie bei der Zusammenstellung eines Schaltplanes vorzugehen hat, sondern Probleml\u00f6sungen auf Softwareebene anzubieten hat. Hat das ein Maschinenbauer zu k\u00f6nnen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Also, ich versuche das immer so darzustellen, da\u00df die Maschinenbauer in relativ geringem Ma\u00dfe dazu erzogen wurden, abstrakt logisch zu denken. Die Mikroelektronik verlangt eine sehr abstrakte Logik, eine Denkweise, die dem klassischen Maschinenbauer von seinem Verst\u00e4ndnis der Technologie her fremd ist. Er ist mehr ein visuell-logischer Denker, er kann sich immer auf visuell erfa\u00dfbare Gebilde wie Konstruktionen oder Strukturen zur\u00fcckziehen und hier nun versagen seine Hilfsmittel, seine Trainingsstrukturen. ja seine ganze Arbeitslebenszielsetzung ist hier gef\u00e4hrdet, weil er von einer ganz anderen Warte ausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das ist richtig. Elektronik oder auch Mikroelektronik l\u00e4\u00dft sich nicht in die Hand nehmen, die Abl\u00e4ufe im Innern eines Computers sind nicht transparent w\u00e4hrenddessen die Konstruktion einer Br\u00fccke beispielsweise einem entsprechend geschulten Mann sehr leicht f\u00e4llt, denn er verf\u00fcgt \u00fcber das \u201eFeeling&#8220; und die Erfahrung, an die Stellen Verstrebungen anzubringen, die zur Versteigung der Konstruktion notwendig sind. Diese Schritte auf die Softwareebene zu verlagern, das ist die Problematik.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Verst\u00e4ndigung zwischen diesen zwei Bereichen und auch die Geschwindigkeit der Ver\u00e4nderung, das ist das Problem. Meiner Ansicht nach ist die Mechanik oder die Feinmechanik darum so in Bedr\u00e4ngnis geraten, weil die Ver\u00e4nderungsrate in der Mikroelektronik wesentlich rapider vonstatten geht, auch der zeitliche Index des Wissensverfalls ist erheblich h\u00f6her. Weil es eine junge Technologie ist, \u00fcberschlagen sich die Erkenntnisse. Jemand, der die Mikroprozessoren kannte und mit den heutigen vergleicht, meint in einer anderen Welt zu leben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Diese Ausage ist wohl schon richtig, aber f\u00fcr die Anwendung als solche d\u00fcrfte die Evolution, die der Mikroprozessor erf\u00e4hrt, nicht so ma\u00dfgebend sein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist doch wesentlich, weil es heute durch die Kombination von Zentraleinheit oder&nbsp;Prozessor mit Speichern m\u00f6glich ist, erheblich mehr Funktionen in Maschine&nbsp;hineinzupacken, und damit wird der effektive Arbeitsaufwand minimiert. Ich kann Funktionen, die ein Werkzeugmacher heute hat, einfach in die Maschine \u201ehineinpacken&#8220;. Man kann erheblich genauer arbeiten und auch \u00dcberwachungsroutinen in die Maschine integrieren, in der Kombination mit anderen Technologien wie der Laser-Technologie ergeben sich neue M\u00f6glichkeiten. Das Problem ist, da\u00df diese M\u00f6glichkeiten nicht erfa\u00dft werden, man will immer noch substituieren und sucht nicht nach neuen Produktl\u00f6sungen. Wie kann ich die Mikroelektronik f\u00fcr meine Aufgabe einsetzen, das ist die Hauptfrage und nicht die, wie ich um die Mikroelektronik eine Aufgabe l\u00f6sen kann. Das ist eine f\u00fcr deutsche Ingenieure typische Denkrichtung.<\/p>\n\n\n\n<p><em>H\u00e4ngt das nicht, ich m\u00f6chte es mal so formulieren, zum Teil von einer gewissen Existenzangst ab, da\u00df also ihre berufliche Existenz durch die Mikroelektronik oder durch moderne Technologien allgemein, mit denen man sich wahrscheinlich nicht mehr so ganz anfreunden kann, als gef\u00e4hrdet erscheint? Kommt der verz\u00f6gerte Einsatz der Mikroelektronik nicht von der Basis?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich, das ist doch ganz menschlich. Wenn Sie es gewohnt sind, mit einem geringen Energieaufwand jahrelang etwas zu l\u00f6sen, und auf einmal m\u00fcssen Sie einen h\u00f6heren Energieaufwand treiben, um das etwas anders zu l\u00f6sen, dann sp\u00fcren Sie das als einen Eingriff in Ihre pers\u00f6nlichen Strukturen. Aber das hilft uns ja nichts, wir m\u00fcssen diese Schwelle \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Andere wenden Mikroelektronik auch in Maschinen an, die Amerikaner oder Japaner beispielsweise. Die Deutschen sind aber, soweit ich unterrichtet bin, auch auf diesem Wege, zumindest in den gro\u00dfen Unternehmen, trotz der Hemmnisse, die die Mikroelektronik umgeben, umschrieben mit dem Wort \u201eJobkiller&#8220;, ein Ruf, der in der letztenFrage bzw. Antwort auch ein wenig anklang.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sollten uns von dem Wort \u201eJobkiller&#8220; l\u00f6sen. Ich glaube, die Mikroelektronik vernichtet, und das mu\u00df man auch sagen, eindeutig Arbeitspl\u00e4tze, das ist keine Frage. Sie schafft in dem gleichen Ma\u00dfe auch wieder Arbeitspl\u00e4tze, blo\u00df andere, mit h\u00f6heren Qualifikationsanspr\u00fcchen Es<b> <\/b>n\u00fctzt uns heute nichts, einen Dreher auszubilden, wir m\u00fcssen Leute ausbilden, die mit diesen neuen Medien umgehen k\u00f6nnen. Toleranzberechnungen per Hand auszuf\u00fchren ist heute \u00f6konomisch nicht mehr tragbar. Hier sehe ich das Problem, das unser Ausbildungssystem im Grunde veraltet ist. Welcher Ingenieur bei uns ist es gewohnt, sich nach Arbeitsschlu\u00df weiterzubilden. Es gibt eine ganze Reihe von Institutionen und Ausbildungsprogranmen. Aus der ganzen Struktur der Ausbildung her f\u00fchlt sich der Ingenieur bisher zu etwas H\u00f6herem, berufen und sich nicht mehr zur Weirerbildung verpflichtet. Das geht heute so nicht mehr, der Wissensverfall verl\u00e4uft rapide, da\u00df ein dauerendes Umlernen notwendig ist.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Das ist sicherlich alles richtig, aber es ist auch eine menschliche Eigenschaft, sich zun\u00e4chst an das zu klammern, was man hat, auch als Ausbildungsgrad und damit zurecht zu kommen, so lange es eben m\u00f6glich ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dann darf man ab auch nicht weinen oder protestieren, wenn man von der Zeit \u00fcberrollt wird. Wir machen schon seit 1975 Propaganda f\u00fcr die Mikroelektronik, seit der Zeit haben wir Tagungen veranstaltet. Seit unserer ersten Tagung hat sich bis heute der Diskussionsstand nicht ver\u00e4ndert, das Wissen in der klassischen Form ist sogar noch niveaum\u00e4\u00dfig tiefer gesetzt worden. Im Jahr 1975 hat man auf ner h\u00f6heren Ebene diskutiert, da\u00df mu\u00df man sich einmal \u00fcberlegen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Fortsetzung dieses Interviews erscheint in elektroanzeiger Nr. 3.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pdfjsblock-pdfjs-embed pdfjs-wrapper\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2015\/01\/1980-01_Elektronikanzeiger_Interview-kpf_Mikroelektronik-im-Maschinenbau.pdf\">1980-01_Elektronikanzeiger_Interview-kpf_Mikroelektronik im Maschinenbau<\/a><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2015\/01\/1980-01_Elektronikanzeiger_Interview-kpf_Mikroelektronik-im-Maschinenbau.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neu-Ulm, November 1980 (Elektronikanzeiger) &#8211; Mikroelektronik im Maschinenbau &#8211; unter dlesem Motto stand die Tagung im November in Neu-Ulm, die Ingenieuren aus dem Maschinenbau und der Automobilindustrie&nbsp;Begriffe, Strategien und Chancen des Einsatzesder Mikroelektronik in diesen Bereichen n\u00e4herbringen sollte.Wie die M\u00f6glichkeiten der Mikroelektronik bisher genutzt&nbsp;werden, geht aus dem folgenden Gespr\u00e4ch hervor, das unser M\u00fcnchener Redakteur mit &#8230; <a title=\"Interview: Elektronik im Maschinenbau\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/interview-elektronik-im-maschinenbau\/\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber Interview: Elektronik im Maschinenbau\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,5,11,12,13,40,41,44,58,70,71],"tags":[257,287,430,435],"class_list":["post-341","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kpf-biografie","category-kpf-ereignisse","category-kpf-themen","category-technik","category-wirtschaft","category-technologietransformation","category-veroeffentlichungen","category-veroeffentlichungen-zu-kpf","category-industrieanzeiger","category-bewertung-content","category-guter-content","tag-jobkiller","tag-maschinenbau","tag-weiterbildung","tag-wissensverfall","post-type-artikel","post-type-interview"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=341"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2210,"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/341\/revisions\/2210"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}