{"id":135,"date":"1976-12-01T14:06:25","date_gmt":"1976-12-01T12:06:25","guid":{"rendered":"https:\/\/friebeismus.delphin-consult.eu\/?p=135"},"modified":"2020-11-04T11:18:25","modified_gmt":"2020-11-04T10:18:25","slug":"artikel-der-strukturelle-wandel-in-industrie-und-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/artikel-der-strukturelle-wandel-in-industrie-und-gesellschaft\/","title":{"rendered":"Artikel: Der strukturelle Wandel in Industrie und Gesellschaft"},"content":{"rendered":"\n<p>M\u00fcnchen, 01.12.1976 (kpf, Siemens-Publikation) &#8211; In Industriestaaten bilden Wissenschaft,&nbsp;Technik, Wirtschaft, Gesellschaft und&nbsp;Staat ein kompliziertes Wirkungsgef\u00fcge,&nbsp;das einem st\u00e4ndigen Wandel unterliegt.&nbsp;Bei der Betrachtung der Ursachen dieses&nbsp;Wandels m\u00fcssen nicht nur weltweite politische&nbsp;und soziale Ver\u00e4nderungen einbezogen&nbsp;werden: immer mehr gewinnen die&nbsp;Einfl\u00fcsse neuer Technologien und Techniken&nbsp;an Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Einerseits ist ein st\u00e4ndiger Wandel von&nbsp;Wissenschaft und Technik in Abh\u00e4ngigkeit&nbsp;von den Verh\u00e4ltnissen in Wirtschaft,&nbsp;Gesellschaft und Staat zu beobachten: ein&nbsp;Beispiel daf\u00fcr ist das Setzen von Priorit\u00e4ten&nbsp;durch den Staat bei der Nutzung der&nbsp;Kernenergie zur Sicherung einer ausreichenden&nbsp;Energieversorgung der Bundesrepublik&nbsp;Deutschland. Andererseits wandelnsich auch Wirtschaft, Gesellschaft&nbsp;und Staat in Abh\u00e4ngigkeit von den Fortschritten&nbsp;in Wissenschaft und Technik. So&nbsp;f\u00fchrten etwa die Entwicklungen auf dem&nbsp;Automobilsektor nicht nur zu einer h\u00f6heren&nbsp;Mobilit\u00e4t des einzelnen, sondern auch zu&nbsp;einer umfangreichen Gesetzgebung mit&nbsp;allen Konsequenzen f\u00fcr Staat und Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Im folgenden wird versucht, einige ausgew\u00e4hlte&nbsp;Probleme des sehr komplexen und&nbsp;weitreichenden Einflusses der Elektronik,&nbsp;besonders der Halbleitertechnologie, auf&nbsp;Wirtschaft, Gesellschaft und Staat exemplarisch&nbsp;nachzuzeichnen und darzustellen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Dynamik der technischen Entwicklung<\/h2>\n\n\n\n<p>Betrachtet sei zun\u00e4chst ganz allgemein der Einflu\u00df von Wissenschaft und Technik auf den Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Philosoph und Soziologe Arnold Gehlen hat am trefflichsten den Zusammenhang zwischen der organischen Mittellosigkeit des Menschen und seiner F.rfindungs- Intelligenz dargestellt. Er boschreibi. \u00bbwie der Mensch in jeder nat\u00fcrlichen urw\u00fcchsigen Umwelt aus Mangel an spezialisierten Organen und Instinkten lebensunf\u00e4hig ist und wie er folglich durch intelligentes Ver\u00e4ndern der beliebig vorgefundenen Naturumst\u00e4nde die Bedingungen seines physischen \u00dcberlebens erst herstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte dieser Herstellung ist die Geschichte der Technik mit all ihren wirtschaftlich- sozialen und politischen Folgen. Mit Gehlen kann sie als Organentlusiuni;. Organer.saiz oder Organ\u00fcherhictung durch die Mittel der Technik dargestellt werden. Dieser Proze\u00df des Entlastens. des Ersetzen \u00ab und des \u00dcberbictens der organischen F\u00e4higkeiten des Menschen vollzieht sich gewisserma\u00dfen als technische Substitution von <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>organischen Fertigkeiten,<br \/>z.B. durch Erfindung und Gebrauch von Werkzeug;<\/li><li>organischer Energie,<br \/>z.B. durch Nutzung nat\u00fcrlicher Energien, wie Wind, Wasser, fossile Energietr\u00e4ger usw.;<\/li><li>organischer Intelligenz<br \/>durch apparative Intelligenz z.B. durch Nutzung der Elektronik bei Informationsspeicherung und -Verarbeitung.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Das Entlasten. Ersetzen und \u00dcberbieten der organischen F\u00e4higkeiten des Menschen durch technische Substitute hat mit dem Einsatz der Mikroelektronik seinen H\u00f6hepunkt erreicht: Organische Intelligenz wird durch apparative Intelligenz substituiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Struktur und Verlauf dieses universalen Prozesses in diesem Beitrag nur kurz gestreift werden k\u00f6nnen, sei zun\u00e4chst nur festgehalten, da\u00df die kreative Erfindung von Techniken, ihre intelligente Nutzung und praktische Weiterentwicklung gewisserma\u00dfen zur Natur des Menschen neh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Strukturen der technischen Entwicklung<\/h2>\n\n\n\n<p>Bei der Struktur der technischen Entwicklung kann man zwei Tendenzen unterscheiden. Eine wurzelt in der Ebene der Erzeuger Wissenschaft und Wirtschaft als Technologieanbieter . die andere in der Ebene der Verbraucher von Konsumund Investitionsg\u00fctern. Von ihr wiederum wird die Dynamik der technischen Entwicklung wesentlich bestimmt, die gekennzeichnet ist durch Produktivit\u00e4tsfortschritte. die der Wettbewerb erzwingt und die durch technische und organisatorische Rationalisierung gesichert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sog, der von der Verwendungsseite auf die technisch-technologische Entwicklung ausgeht, wird im wesentlichen hervorgerufen durch W\u00fcnsche nach Erh\u00f6hung des Nutzungskomforts. \u201eDer Substitutionsprozess von Kraft durch Energie und Intelligenz, der die bisherige technische Entwicklung weitgehend bestimmt hat setzt sich in Zukunft fort mit dem Ersetzen biologischer Intelligenz durch apparative Intelligenz Dadurch er\u00f6ffnen sich f\u00fcr die weitere Entwicklung der Technik v\u00f6llig neue M\u00f6glichkeiten\u201c ((Bildbeschriftung)) Verfeinerung der technischen Teilfunktionen sowie Steigerung der Qualit\u00e4t der Produkte, und dies bei gleichzeitiger relativer Preissenkung bzw. erh\u00f6hter Produktivit\u00e4t und damit anwachsender Breitennutzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Blick auf die wirtschaftlichen und sozialen Kolgen des Minsutz.es der Elektronik (einschlie\u00dflich Software und Brainware) m\u00f6chte ich zwei technologie- und Wirtschaft sgeschichtliehe Phasen unterscheiden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li><em>Phase 1<\/em><br \/>Technologie: Anwendung z.B. von Mechanik. Elektrizit\u00e4t und Chemie (Apparate. Verfahren. Werkstoffe usw.)<br \/>Wirtschaft: Quantitativ-extensives Wachstum (immer mehr G\u00fcter f\u00fcr immer gr\u00f6\u00dfere Nutzerk reise)<\/li><li><em>Phase 2<\/em><br \/>Technologie: Anwendung der apparativen Intelligenz (Mikroprozessoren. Speicher. Steuerungseinheiten. Software)<br \/>Wirtschaft: Qualitativ-intensives Wachstum {G\u00fcter mit integrierten Funktionen zur Substitution \\on bisher nicht integrierten G\u00fctern)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>In dieser zweiten Phase, der Phase der Entlastung des Menschen von physischen und einfachen psychischen Funktionen. werden zugleich seine geistigen F\u00e4higkeiten (Kreativit\u00e4t. Lernf\u00e4higkeit. Flexibilit\u00e4t) h\u00f6her beansprucht. Langfristig werden es diese Leistungen (Brainware) sein, die seine weitere Entwicklung bestimmen, und nicht wie bisher das von vielen geachtete Ged\u00e4chtnis als Speicherkapazit\u00e4t des Menschen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Innovationsexplosion und Adaptionszwang<\/h2>\n\n\n\n<p>In der Phase der Nutzung der apparativen Intelligenz, werden neue Verlaufsmuster der technologischen, technischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung auftreten. Sie werden Staat. Wirtschaft und Gesellschaft mit ganz neuen Problemen in unvorhergesehenem Umfang konfrontieren. Beim Betrachten dieser Entwicklung sind vor allem Innovationsschub und Adaptionszwang zu unterscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Innovationsschub<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Einsatz der apparativen Intelligenz f\u00fchrt zu verst\u00e4rkter Integration der bisherigen technischen Teilfunktionen in Ger\u00e4ten. Apparaten und Systemen. <\/p>\n\n\n\n<p>Integrationsm\u00f6glichkeiten wurden durch die Mikroelektronik geschaffen. z.B. in den Bereichen der Wahrnehmung (Me\u00dftechnik), der \u00dcbertragung (Nachrichtentechnik) und der Informationsverarbeitung (Datentechnik).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Aufnehmen dieser Innovationsm\u00f6glichkeiten in den Anwendungsbereichen (z.B. Maschinenbau, Elektrotechnik. Dienstleistungssektor, Konsumg\u00fcterbereich) erfordert erh\u00f6hten Einsatz technologischen Wissens und technischen K\u00f6nnens, neue Formen der Erschlie\u00dfung von Finanzquellen zur Finanzierung betrieblicher Umstellungen, neue Arten der Kooperation und Kommunikation zwischen unterschiedlichen Bereichen (z.B. Produktentwicklung und Wissenschalt. Vorlieferanten und Nutzern) und produziert eine F\u00fclle neuer Sekund\u00e4r [&#8230;] diesen Sektoren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Adaptionszwang<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die technische Integration all dieser Innovationen wiederum verlangt verst\u00e4rktes Systemdenken und System-Management. Wegen der Reichweile der Folgewirkun- gen der Mikroelektronik ergeben sich Anpassungszw\u00e4nge, die beantwortet werden m\u00fcssen durch<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>verst\u00e4rkte Technologieplanung im Verbund von Staat, Wissenschaft und Wirtschaft,<\/li><li>erh\u00f6hte Vermittlung technologischen Wissens durch die Medien, Presse, Rundfunk, Fernsehen und ver\u00e4nderte Ausbildungsmethoden und -inhalte (lebenslanges Lernen. Umschulen usw.),<\/li><li>neue Techniken des Innovations-Managements zur Unterst\u00fctzung der Anpassungsprozesse in Branchen und Betrieben,<\/li><li>erh\u00f6hte Mobilit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t der sozialen Kontaktaufnahme und Kontaktpflege,<\/li><li>erh\u00f6hte Eigenverantwortlichkeit bei der Produktentwicklung (Technologienutzung) und Produktanwendung (Mi\u00dfbrauch).<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Voraussetzungen f\u00fcr ein erfolgreiches Bew\u00e4ltigen dieser neuen Phase der Industrialisierung sind ein ver\u00e4ndertes, systemonentiertes Bewu\u00dftsein, das politische Durchsetzen eines Innovationsverbundes (z.B. effektiveres Koppeln der Hochschulen mit der Industrie), der alle betroffenen gesellschaftlichen Gruppen einbezieht, und eine erh\u00f6hte Flexibilit\u00e4t aller sozialen Strukturen (sowohl im privaten als auch im \u00f6ffentlichen Bereich).<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Entwicklung tendiert auf das, was Karl-Reimund Popper die offene Gesellschaft nennt: eine Gesellschaft autonomer, also entscheidungswilliger, kreativer, flexibler und lernbegieriger Individuen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wechselwirkung von Innovationsschub und Anpassungszwang ist in Form einer Innovationsspirale dargestellt. In dieser Darstellung wird die Beschleunigung des Innovationsprozesses verdeutlicht. Hatte der Mensch in der Vergangenheit Zeit sich an neue Technologien anzupassen, so verk\u00fcrzt sie sich in der Gegenwart zunehmend. An der Entwicklung der Halbleitertechnologie ist dies deutlich zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Abl\u00f6sung der R\u00f6hren durch Transistoren und integrierte Schaltkreise waren rund 20 Jahre n\u00f6tig. Um 1970 kamen die ersten Mikroprozessoren auf den Markt. Heute ist die Entwicklung auf diesem Gebiet bereits so weit, da\u00df es zu Substitutionsprozessen durch neue Typen kommt (man spricht von der dritten Generation), bevor die vorhergehenden Systeme in Produkten praktisch voll angewendet werden. Eine k\u00fcnstliche Verlangsamung dieses Prozesses w\u00fcrde schwerwiegende wirtschaftliche und soziale Folgen haben. Sie wird auch nur dann eintreten, wenn die Grenzen der menschlichen Erfassungs- und Anpassungskapazit\u00e4t erreicht sind. Darum ist es notwendig, die Anpassungsf\u00e4higkeiten weiterzubilden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Technologische Entwicklung und wirtschaftlicher Strukturwandel<\/h2>\n\n\n\n<p>Mit den bisherigen punktuell herausgegriffenen Kriterien sollen die tiefgreifenden, durch die Elektronik hervorgerufenen Ver\u00e4nderungen aufgezeigt werden. Das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese Umstrukturierung in allen Bereichen ist in Zukunft von gro\u00dfer Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Branchenstruktur<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Durch Elektronik werden bestehende Branchenstrukturen einem gravierenden, teehnologiebedingten Wandel unterworfen. Vor allem die fortschreitende Substitution von Mechanik, besonders durch die Mikroelektronik, macht es notwendig, bei der Betrachtung und Unterst\u00fctzung des davon ausgel\u00f6sten Strukturwandels technologieoncntiert und weniger hranchc\u00bb- orientiert zu denken und zu handeln In der Innovationskonkurrenz entscheidet h\u00e4ufig die schnellste und effizienteste Beherrschung und konsequente Nutzung (Produktion und Markteinf\u00fchrung) neuer Technologien. Halbleiterhersieller haben technologisch die M\u00f6glichkeiten der Vorw\u00e4rtsintegration. Darunter versteht man in einer arbeitsteiligen lnduslriestruklur das Ausweiten der Fertigungstiefe in Richtung Endprodukt, also f\u00fcr die Bauelementeindustrie das Vorantreiben ihrer Aktivit\u00e4ten in den Bereich der Ger\u00e4teindustrie im Extremfall bis hin zum Endger\u00e4t und dessen Vermarktung. Wobei Kapitalausstattung. Finanzicrungsm\u00f6glichkeit. Massenproduktion. Erschlie\u00dfen neuer M\u00e4rkte und Nutzung neuer Vertriebssysteme die Voraussetzung schaffen. tief in herk\u00f6mmliche Branchen einzudringen. Als Beispiel k\u00f6nnte hier die Entwicklung auf dem Tischrechner-. Uhren-. Radio- und Daten\u00fcbertragungsbereich herangezogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorw\u00e4rtsintegration ist nur dann erfolgreich, wenn neben den technologiebedingten Produktvorleilen eine systematische Marktforschung und -erschlic\u00dfung betrieben wird. Ohne genaue Marktkenntnisse ist jede Vorw\u00e4rtsintegration mit erheblichen finanziellen Risiken verbunden. Entscheidendes Problem bei der Vorw\u00e4rtsintegration ist die Marktkenntnis, die ihrerseits prim\u00e4r bei den traditionellen Produzenten vorhanden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Alternative zur Vorw\u00e4rtsintegration bietet sich eine systematische Veiwertung neuer Technologien durch die traditionellen Produzenten an. Diese Alternative erscheint langfristig effizienter, wie folgendes Beispiel verdeutlicht:<\/p>\n\n\n\n<p>Einige amerikanische Halbleiterhersteller erzielten mit der Einf\u00fchrung der LEDUhr (lichtemittierende Diode) kurzfristige Marktvorteile trotz eindeutiger Nachteile dieser Uhr, wie hoher Energiebedarf und Zeitangabe nur auf Knopfdruck (Zweihanduhr). Deutsche Uhrenhersteller folgten diesem Produkttrend nicht. Aufgrund ihrer langj\u00e4hrigen Marktkenntnisse orientierten sie sich an langfristigen Markterfordernissen, denen sie mit einer systematischen Nutzung neuer Technologien zu entsprechen trachten, also mit der LCD-Uhr (Fl\u00fcssigkristallanzeige) mit geringerem Energiebedarf und st\u00e4ndig sichtbarer Anzeige.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann davon ausgehen, da\u00df der Einsatz der Halbleitertechnologie nicht nur die Uhrenindustrie grundlegend ver\u00e4ndern wird, sondern bereits viele Wirtschaftsbereiche bis tief in den Dienstleistungssektor erfa\u00dft. Allerdings sind die Auswirkungen in manchen Bereichen noch nicht voll erkannt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Berufs- und Betriebsstrukturen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Berufs- und Betriebsstrukturen unterliegen einem tiefgreifenden, technologiebedingten Wandel, denn die beschleunigte Technologieerzeugung. -Vermittlung und -nutzung schaffen betriebliche und berufliche Anpassungszw\u00e4nge neuer Art:<\/p>\n\n\n\n<p>Die Berufsinhalte ver\u00e4ndern sich mehrfach w\u00e4hrend eines normalen Berufslebens.<\/p>\n\n\n\n<p>Einerseits werden traditionelle Berufe, wie der des Uhrmachers, f\u00fcr die Produktion bedeutungslos, andererseits ver\u00e4ndern sich die Berufsinhalte gravierend. z.B. die des technischen Zeichners, des Konstrukteurs und des Entwicklungsingenieurs.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den im Beruf stehenden Menschen bedeutet dies, da\u00df er verst\u00e4rkt Eigenschaften wie Flexibilit\u00e4t. Kreativit\u00e4t und Lernf\u00e4higkeit entwickeln und sich auf eine optimale Nutzung der apparativen Intelligenz einstellen mu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Betriebsstrukturen m\u00fcssen den technologiebedingten \u00c4nderungen der Berufsinhalte mit besonderen Anpassungsleistungen folgen. An die Stelle vertikaler Organisation werden mehr horizontale Koo\u00bb-.crationsformen mit starker Delegation von Verantwortung treten bei gleichzeitig st\u00e4rkerer Finanzkontrolle. Ursache dieses betrieblichen Strukturwandels sind M\u00f6glichkeiten dezentraler Informationsverarbeitung. Diese M\u00f6glichkeiten werden durch neue Formen apparativer Intelligenz geschaffen, d.h. durch die Fortschritte auf dem Gebiet der Mikroelektronik.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Nutzung der neuen technologischen M\u00f6glichkeiten macht neue \u00fcberbetriebliche Kooperationsformen notwendig:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>zur Erschlie\u00dfung neuer Finanzquellen und technologischen Know-hows,<\/li><li>zur B\u00fcndelung des Nachfragepotentials, um Mengen f\u00fcr notwendige Vorprodukte zu erreichen, die z.B. die rationelle Produktion integrierter Bausteine erst erm\u00f6glichen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Neue Kooperationsformen sind auch notwendig zwischen wissenschaftlichen: technologischen und wirtschaftlichen Wissenstr\u00e4gern, um neues Anwendungswissen marktgerecht aufzuarbeiten. Dabei m\u00fcssen sich die Wissenschaftler an den Bed\u00fcrfnissen des Marktes st\u00e4rker orientieren und ihr Wissen transferieren (z.B. Einrichtung von Me\u00dfpl\u00e4tzen f\u00fcr Mikroprozessoren an den Forschungsinstituten, um den Umgang mit diesen neuen Bausleinen f\u00fcr die Anwender zu erleichtern).<\/p>\n\n\n\n<p>Nur neue institutionelle Strukturen und angemessene Managementtechniken k\u00f6nnen den Erfolg der Vermittlung technologischen Wissens und technischen K\u00f6nnens sicherstellen. Ohne diese Vorkehrungen w\u00fcrden sich betr\u00e4chtliche Fehlinvestitionen und strukturelle Fehlentwicklungen ergeben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Technologische Entwicklung und gesellschaftlicher Wandel<\/h2>\n\n\n\n<p>Die technische Nutzung der Ergebnisse der wissenschaftlichen und technologischen Forschung hat bereits zu weitreichenden wirtschaftlichen und sozialen Wandlungsprozessen gef\u00fchrt, die durch die Halbleitenechnologie eine neue Qualit\u00e4t erreicht haben. Da die Mikroprozessoren niedrige organische Intelligenzleistungcn substituieren, sind sie in nahezu allen Arbeits- und Lebensbereichen verwendbar. Dementsprechend gravierend werden die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgewirkungen ihres Einsatzes sein. Die Dynamik dieses Prozesses erfordert betr\u00e4chtliche Anpassungsleistungen auf der politischen Steuerungsebene und auf der wirtschaftlich-gesellschaftlichen Ablaufebene.<\/p>\n\n\n\n<p>Neue Formen der Forschungs- und Wirtschaftspolitik mit einer best\u00e4ndigen R\u00fcckkopplung zwischen Staat. Wirtschaft (Industrie)- und den gesellschaftlichen Gruppen sind erforderlich. Diese Wechselwirkungen k\u00f6nnen angesichts der Geschwindigkeit dieses Prozesses nur von Managern beherrscht werden, die durch pers\u00f6nliche Erfahrungen in geeigneten Positionen sowohl im Staat als auch in der Wirtschaft entsprechend vorbereitet sind. Erh\u00f6hte Mobilit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t, gekoppelt mit neuen Kommunikations- und Umgangsformen (Ethos der Sachlichkeit), sind die Voraussetzungen einer effizienten, technologieorientierten Strukturpolitik (sektoral und regional). Die Programme der Technologief\u00f6rderung bedingen eine Risikoentlastung der Unternehmen, die Produkte mit sehr hohem Innovationsgrad herstellen, bei gleichzeitiger Erhaltung des Marktmechanismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund des neuen Innovationsschubs m\u00fcssen nicht nur neue Betriebs-, sondern auch neue Ausbildungsformen entwickelt werden. Es hat sich gezetgt. da\u00df gemessen am jeweiligen Stand der Technologie, selbst die Ausbilder im Durchschnitt nur noch \u00fcber 25% des aktuellen Wissens auf dem jeweiligen Spezialgebiet verf\u00fcgen. Dem kann, wie ebenfalls empirische Untersuchungen zur Technologievermittlung und zum Innovationsverhalten gezeigt haben, am besten begegnet werden durch effizienteste Wissensvermittlung in informellen Kontakten und \u00fcber Personaltransfer. Dementsprechend wird eine zu geringe Mobilit\u00e4t und Flexibilit\u00e4t vermutlich zu einer Zunahme der psychosozialen Konflikte f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die gesellschaftlichen Folgen der technologischen Entwicklung kann an dieser Stelle im einzelnen nicht eingegangen werden. Der technologiebedingte Strukturwandel wird wegen des aus ihm resultierenden und auch gesellschaftlich notwendigen Fortschritts nicht aufzuhalten sein. Aufgabe des Managements dieses Anpassungsprozesses ist es. den Wandel zu steuern, um m\u00f6gliche negative volkswirtschaftliche und soziale Folgen zu vermeiden<\/p>\n\n\n\n<p><b><i>\u2014<\/i><\/b><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pdfjsblock-pdfjs-embed pdfjs-wrapper\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2014\/09\/1976-12_Siemens-Beitraege-aus-Forschung-Technik-Wirtschaft-Gesellschaft_kpf-Artikel-S9ff_Der-strukturelle-Wandel-in-Industrie-und-Gesellschaft.pdf\">1976-12_Siemens-Beitr\u00e4ge-aus-Forschung-Technik-Wirtschaft-Gesellschaft_kpf-Artikel-S9ff_Der-strukturelle-Wandel-in-Industrie-und-Gesellschaft<\/a><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2014\/09\/1976-12_Siemens-Beitraege-aus-Forschung-Technik-Wirtschaft-Gesellschaft_kpf-Artikel-S9ff_Der-strukturelle-Wandel-in-Industrie-und-Gesellschaft.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen, 01.12.1976 (kpf, Siemens-Publikation) &#8211; In Industriestaaten bilden Wissenschaft,&nbsp;Technik, Wirtschaft, Gesellschaft und&nbsp;Staat ein kompliziertes Wirkungsgef\u00fcge,&nbsp;das einem st\u00e4ndigen Wandel unterliegt.&nbsp;Bei der Betrachtung der Ursachen dieses&nbsp;Wandels m\u00fcssen nicht nur weltweite politische&nbsp;und soziale Ver\u00e4nderungen einbezogen&nbsp;werden: immer mehr gewinnen die&nbsp;Einfl\u00fcsse neuer Technologien und Techniken&nbsp;an Bedeutung.<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,3,7,8,11,12,13,14,15,17,21,34,35,36,41,43,52,70,71],"tags":[103,253,256,266],"class_list":["post-135","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kpf-biografie","category-kpf-stationen","category-kpf-lernerfahrungen","category-kpf-faehigkeiten","category-kpf-themen","category-technik","category-wirtschaft","category-politik","category-gesellschaft","category-kpf-fuehrungstools","category-liquiditaetsmanagement","category-innovationsmanagement","category-kpf-analysenprognosentheorien","category-twg","category-veroeffentlichungen","category-kpf-veroeffentlichungen","category-elektronik-ist-wirklichkeit-siemens-ag","category-bewertung-content","category-guter-content","tag-arnold-gehlen","tag-institut-fuer-systemtechnik-und-innovationsforschung-der-fraunhofer-gesellschaft","tag-isi","tag-karl-reimund-popper"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/135","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=135"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/135\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2217,"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/135\/revisions\/2217"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}