{"id":1199,"date":"2017-02-28T13:15:55","date_gmt":"2017-02-28T11:15:55","guid":{"rendered":"https:\/\/friebeismus.delphin-consult.eu\/?p=1199"},"modified":"2020-11-04T08:45:19","modified_gmt":"2020-11-04T07:45:19","slug":"bericht-der-einfluss-der-technologie-die-technologiestiftung-schleswig-holstein-berichtet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/bericht-der-einfluss-der-technologie-die-technologiestiftung-schleswig-holstein-berichtet\/","title":{"rendered":"Bericht: Der Einfluss der Technologie &#8211; Eine Analyse, Prognose und Strategieentwicklung der Technologiestiftung Schleswig-Holstein"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Beitrag enth\u00e4lt den Originalbericht \u201eDie Technologiestiftung Schleswig-Holstein (TSH) als strategischer Akteur im Wandel\u201c, ver\u00f6ffentlicht im Jahr 2000. Wenn Sie den Bericht lesen, verstehen Sie den Diskurs um Technik und seine (wechselseitige) Einflusskraft auf Politik, Fortschritt oder Gesellschaft nicht nur besser, Sie durchdringen das Thema. Wie hat sich der Technikbegriff im Laufe der Geschichte entwickelt? Wie beeinflussen sich Technik und Gesellschaft bzw. Globalisierung? Mit welchen Strategien begegnet die TSH neuen Herausforderungen, welche Arbeitsschwerpunkte werden gesetzt? Was k\u00f6nnen Akteure aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft tun, damit Technologie die L\u00f6sung der Probleme ist und nicht umgekehrt? Der Bericht hat bis heute nicht an Aktualit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft; die Sprache des Texts ist wissenschaftlich, aber falls Sie die M\u00fche auf sich nehmen, werden Sie es nicht bereuen, der&nbsp;Erkenntnisgewinn ist gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Technologietransformation<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Technologiestiftung Schleswig-Holstein als strategischer Akteur im Wandel<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Vorbemerkung<\/h2>\n\n\n\n<p>In den Diskursen um den Standort Deutschland und die Zukunft moderner Industriegesellschaften ist die Forderung nach einer schnellen Umsetzung technischer Erfindungen in marktf\u00e4hige Produkte immer wieder zu h\u00f6ren. Dabei besteht insgesamt \u00fcber das Wesen und die Steuerbarkeit von Innovationsprozessen ebenso wenig Einigkeit wie \u00fcber die Ausgestaltung und das Methodenspektrum einer Innovations- und Technologie-Transfer-Struktur.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Entwicklung und Realisierung entsprechender Mechanismen macht sich deutlich negativ bemerkbar, dass eine modische Abgrenzung von Technik in Teilen der Gesellschaft noch immer als schick gilt. Dabei ist dies oft keine Technikverweigerung: man nutzt die Technologie \u00fcberall, will aber nicht zu ihr stehen. Diese Art der Technikdistanz erschwert eine gesellschaftlich verantwortliche Gestaltung von Innovationsstrukturen. Die folgende Betrachtung will verdeutlichen, in welchem Kontext heute technologische Innovationen zu verstehen sind und welche Anforderungen dies an Institutionen stellt, die &#8211; wie die Technologiestiftung Schleswig-Holstein &#8211; als Prozessgestalter eine bedeutende Funktion im Rahmen regionaler Technologiepolitik einnehmen, um auch in einem sich rasch wandelnden Umfeld innovativ t\u00e4tig zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Als die Technologiestiftung Schleswig-Holstein vor neun Jahren ins Leben gerufen wurde, wagte wohl kaum jemand eine Prognose, ob die Einrichtung die in sie gesetzten Erwartungen w\u00fcrde erf\u00fcllen k\u00f6nnen angesichts des betr\u00e4chtlichen Gestaltungsbedarfs, den die technologischen Innovationen uns in Wirtschaft und Gesellschaft aufgeben. Schnell hat die \u00bbTSH\u00ab, wie sie von vielen bald genannt wurde, jedoch an technologischen Fragen interessierte aktiviert, zusammengef\u00fchrt oder in neue Netzwerke eingef\u00fchrt. Ohne Zweifel hat sie in betr\u00e4chtlichem Ausma\u00df dazu beigetragen, in Schleswig-Holstein Strukturver\u00e4nderungen herbeizuf\u00fchren, z.B. an den Hochschulen, die durch die technologische Entwicklung auf die Tagesordnung gesetzt worden waren. Hilfreich war dabei auch die Vielzahl qualifizierter Projektantr\u00e4ge, die die Hochschulen des Landes eingebracht haben. Genauso bedeutsam war aber auch das vielf\u00e4ltige Bem\u00fchen, eine technologie-orientierte Kultur im Lande zu f\u00f6rdern. Auch in diese langfristig wirksam werdenden Aktivit\u00e4ten, zu denen die Dialoge und die Technologiefolgenabsch\u00e4tzung geh\u00f6ren, hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein betr\u00e4chtliche Mittel investiert. Mit Hilfe der Technologiestiftung Schleswig-Holstein konnten nicht nur viele Millionen DM zus\u00e4tzlicher Mittel f\u00fcr Schleswig-Holstein bei der EU und dem Bund akquiriert werden, sondern durch die Aktivit\u00e4ten der Technologiestiftung Schleswig-Holstein wurden auch die Hochschulen und besonders die Fachhochschulen auf den Weg gebracht, als Dienstleister f\u00fcr die regionale Wirtschaft zu fungieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen &#8211; das ist wohl ohne \u00dcbertreibung festzuhalten &#8211; ist die Technologiestiftung Schleswig-Holstein weit \u00fcber das Land hinaus ein interessanter Kooperationspartner im Bereich der Technologietransformation geworden, also in jenem Aufgabenfeld, welches weniger einzelne Technologietransferwege unterst\u00fctzt als vielmehr den technologisch induzierten Wandlungsprozess komplexer \u00f6konomischer und gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse durch ein breites Methodenspektrum in neue, zukunftsf\u00e4hige Strukturen zu \u00fcberf\u00fchren versucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei wird in den Ausf\u00fchrungen deutlich werden, dass der Transformationsansatz der Technologiestiftung Schleswig-Holstein jenseits der Verk\u00fcrzung der Innovationsdimension auf die einzelwirtschaftliche Perspektive liegt. Stattdessen werden die sozialen Dimensionen des Innovationsprozesses und die aus ihm resultierenden kulturellen Zw\u00e4nge hervorgehoben werden. Dieser umfassende Zugriff auf einen komplexen gesellschaftlichen Mechanismus unterscheidet die Technologietransformation vom Technologietransfer. In ihm findet sich ein umfassenderes, ein strategischeres Verst\u00e4ndnis von Ver\u00e4nderung und Innovation. Technologietransformation integriert Ans\u00e4tze von Technology-Foresight, Technologiefolgenabsch\u00e4tzung und die Gestaltung von (regionalen) Technologiestrukturen durch Einbettung in einen kulturellen Kontext, der durch seine Offenheit gegen\u00fcber neuen Technologien den Rahmen schafft, in dem die verschiedenen Str\u00e4nge des Technologietransfers stattfinden. Insofern ist eine Technologie-Transformation der Rahmen, in dem sich die konkreten Technologietransfers abspielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im neunten Jahr ihrer Existenz kann die Technologiestiftung Schleswig-Holstein auf eine F\u00fclle von Projekten zur\u00fcckblicken, die der Strukturierung von Technologiefeldern, dem Ersp\u00fcren innovativer Technologien oder der F\u00f6rderung konkreter technologischer Kooperationsvorhaben dienten. So vielf\u00e4ltig wie die bearbeiteten Themen, so zahlreich sind die Kooperationspartner, mit denen die Einrichtung in diesem Zeitraum an der Entwicklung und Realisierung innovativer Technologien zusammenarbeitete &#8211; und nicht selten wurden dabei auch Kooperationen von Akteuren angesto\u00dfen, die sich bis dahin unbekannt waren oder aus anderen Gr\u00fcnden nicht zueinander gefunden hatten. Mit ihren Publikationen und Aktivit\u00e4ten hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein schlie\u00dflich unz\u00e4hligen Menschen in Schleswig-Holstein und dar\u00fcber hinaus Kenntnis von ihrer Arbeit und neuen technologischen Entwicklungen gegeben &#8211; auch wenn diesen, wie z.B. im Rahmen der Initiative Informationsgesellschaft, dabei nicht immer bewusst war, wer Initiator, Koordinator oder Finanzier entsprechender Aktivit\u00e4ten war. Nicht selten stand die Technologiestiftung Schleswig-Holstein dabei als aktive Promoterin der Aktivit\u00e4ten im Hintergrund.<\/p>\n\n\n\n<p>Die folgende Darstellung kann die Breite, Tiefe und Vielfalt der langj\u00e4hrigen T\u00e4tigkeit der Technologiestiftung Schleswig-Holstein selbstverst\u00e4ndlich nicht ann\u00e4hernd vollst\u00e4ndig abbilden; schon gar nicht ist an eine qualitativ umfangreiche Evaluation der Stiftungst\u00e4tigkeit zu denken. Vielmehr geht es darum, das der T\u00e4tigkeit der Technologiestiftung Schleswig-Holstein zugrundeliegende Verst\u00e4ndnis technologisch-gesellschaftlicher Wechselwirkungen zu verdeutlichen, einige Aktivit\u00e4tslinien der Einrichtung zusammenzufassen, Arbeitsschwerpunkte darzustellen und dadurch ein St\u00fcck schleswig-holsteinischer Technologiepolitik und Technikgeschichte festzuhalten. Nicht als chronologisches Nacherz\u00e4hlen, sondern als Versuch, typischen und grundlegenden Merkmalen in den Aktivit\u00e4ten der Technologiestiftung Schleswig-Holstein nachzusp\u00fcren und diese f\u00fcr Au\u00dfenstehende transparent zu machen. Schlie\u00dflich geht es auch um die zukunftsorientierte Anpassung der Struktur und der Arbeitsschwerpunkte der Technologiestiftung Schleswig-Holstein &#8211; denn die Ver\u00e4nderungen, die in allen Bereichen des gesellschaftlichen und des wirtschaftlichen Lebens um sich greifen, k\u00f6nnen auch die Ans\u00e4tze der technologie-orientierten Strukturgestaltung und der Technologietransferma\u00dfnahmen nicht unbeeinflusst lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die folgende Darstellung erinnert zun\u00e4chst an den Entstehungskontext der Technologiestiftung Schleswig-Holstein, denn die Realisierung eines solch innovativen technologiepolitischen Instruments war nicht so selbstverst\u00e4ndlich, wie ihre breit akzeptierte Arbeit heute vermuten lassen k\u00f6nnte. Die zwischenzeitlich eingetretenen Erfolge der Arbeit der Technologiestiftung Schleswig-Holstein sind so auch das Ergebnis einer weitsichtigen politischen Entscheidung und Ausdruck mutigen Zupackens in einem Moment, der die Realisierung eines innovativen Ansatzes m\u00f6glich gemacht hat. Die strikte parteipolitisch neutrale Handlungsweise der Technologiestiftung Schleswig-Holstein hat sich dabei bis heute als ein wichtiger Erfolgsfaktor behauptet.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Technologieakteuren, aber auch anderen Interessierten versucht die folgende Darstellung eine Vorstellung vom Werden und Wirken der Technologiestiftung Schleswig-Holstein zu geben, indem sie<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>die Entstehung und den neuartigen Ansatz der Technologietransformation vor dem Hintergrund eines zukunftsorientierten Innovationsverst\u00e4ndnisses verdeutlichen,<\/li><li>die zentralen Eckpunkte der Technologietransformation mit der Bezugsgr\u00f6\u00dfe Region verkn\u00fcpfen,<\/li><li>die Technologiestiftung Schleswig-Holstein in ihrer Rolle als strategief\u00e4higem regionalen Akteur skizziert und einen \u00dcberblick \u00fcber einige der Technologiefelder gibt, in denen die Technologiestiftung ma\u00dfgeblich an der Gestaltung der Technologielandschaft Schleswig-Holstein mitgewirkt hat,<\/li><li>die Breite und Vielfalt der durch die Technologiestiftung verwendeten Methoden umrei\u00dft und am Beispiel der in einen europ\u00e4ischen Kontext eingebundenen Initiative Informationsgesellschaft die wirksame Verkn\u00fcpfung \u00bbharter\u00ab und \u00bbweicher\u00ab Ans\u00e4tze demonstriert,<\/li><li>schlie\u00dflich auf der Grundlage der bisherigen Erfahrungen einige \u00dcberlegungen f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Arbeit der Technologiestiftung formuliert.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Wenn die folgenden Seiten einen Beitrag zur Fortsetzung einer innovativen Transformationskultur des Wandels in Schleswig-Holstein leisten, so ist dies auch eine Anerkennung der Arbeit, die das Team der Technologiestiftung Schleswig-Holstein im vergangenen Jahrzehnt geleistet hat, um die Einrichtung zu einem wirklichen Aktivposten in der Technologiepolitik des Landes Schleswig-Holstein zu machen. Meinen Dank und die Erinnerung an eine konstruktive Zusammenarbeit verbinde ich mit der Hoffnung, dass auch zuk\u00fcnftig in Schleswig-Holstein eine wettbewerbsf\u00e4hige, sozial und \u00f6kologisch nachhaltige Technologiegestaltung hohe Priorit\u00e4t hat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Die Herausforderung<\/h2>\n\n\n\n<p>In einer von Globalisierung und zunehmender \u00f6konomischer Konkurrenz gepr\u00e4gten Welt gilt der Innovation die besondere Aufmerksamkeit von Akteuren in Wissenschaft und Wirtschaft, im technologischen Feld und in der Politik. Die Innovation soll Abhilfe schaffen, wenn es um die Zukunftsf\u00e4higkeit von Industrien und Arbeitspl\u00e4tzen, wirtschaftliches Wohlergehen im globalen Wettbewerb oder um die nachhaltige Bew\u00e4ltigung \u00f6kologischer Risiken geht. Mit dem Ruf nach einer Beschleunigung der Innovationsprozesse und dem Abbau von Hemmnissen verbinden sich Ma\u00dfnahmen, um die Produkte der Innovation breit zu f\u00f6rdern und f\u00fcr sie neue M\u00e4rkte zu finden. Tats\u00e4chlich h\u00e4ngt die Wirksamkeit entsprechender Aktivit\u00e4ten jedoch ma\u00dfgeblich von der F\u00e4higkeit der Gesellschaft zur technologischen Foresight, der Kenntnis der aktuellen Entwicklungen und einem problemad\u00e4quaten Innovationsverst\u00e4ndnis ab. In der sozial- und technikgeschichtlichen R\u00fcckschau spiegelt sich dies in der Kumulation von Beherrschbarkeit wider: von der Beherrschung der Kraft (Renaissance) \u00fcber die Beherrschung der Energie (Aufkl\u00e4rung) bis hin zur Beherrschung der Intelligenz, die uns in der Postmoderne als multi-optionale Gesellschaft entgegentritt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zur Entwicklung des Technikverst\u00e4ndnisses<\/h3>\n\n\n\n<p>Technische Innovationen waren schon immer ein Quell wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung sowie kultureller Ver\u00e4nderungen. Weil sie in vormodernen Gesellschaften meist unbeabsichtigt entstanden, sind von den Neuerungen der damaligen Zeit keine Erfindernamen \u00fcberliefert. Es handelt sich hierbei um eine eher anonyme Technikgeschichte. Lange wurden Innovationen zudem durch religi\u00f6se Regeln und die Traditionen der Z\u00fcnfte begrenzt. Handwerksordnungen im christlichen Mittelalter sollten beispielsweise die Einf\u00fchrung neuer Werkzeuge und Techniken verhindern; in manchen St\u00e4dten gab es gar Versuche, Innovationen f\u00f6rmlich zu verbieten. So untersagte der Rat der Stadt N\u00fcrnberg im Jahre 1403 die weitere Herstellung eines Apparates zum Drahtziehen und lie\u00df die lnnovatoren schw\u00f6ren, die Maschinen abzubrechen und daran nicht weiter zu forschen.<\/p>\n\n\n\n<p>In anderen F\u00e4llen galten Erfindungen und \u00dcberlegungen, die \u00fcber den vorgegebenen Rahmen hinausgingen, als \u00bbdes Teufels Werk\u00ab. Neuerer wurden nicht selten verbrannt oder verbannt. Wenn sich Reste dieser Technik-Skepsis in Deutschland bis in unsere Tage wiederfinden, so verdeutlicht dies die gro\u00dfe Bedeutung, die der Frage von Kultur und Werten auch in diesem Bereich heute noch zukommt. Auch wenn dies nicht immer ausreichend wahrgenommen wird: die technologische Entwicklung hinterl\u00e4sst seit jeher tiefe Spuren in unseren Kulturen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit dem 17. Jahrhundert brachen in Europa die kulturellen Vorbehalte gegen technische Neuerungen. Diese Neuorientierung korrespondiert mit sozio-strukturellen Ver\u00e4nderungen wie dem R\u00fcckgang der Macht der Z\u00fcnfte, der Durchsetzung kapitalistischer Produktions- und Konkurrenzverh\u00e4ltnisse sowie mit der Ausdifferenzierung der Forschung und ihrer Institutionalisierung in Akademien, technischen Schulen und Laboratorien. Das gesellschaftlich wirksam werdende Ergebnis ist die Legitimit\u00e4t des Neuen; technische Entwicklungen werden in einem bis dahin kaum bekannten Ausma\u00df gesellschaftlich anerkannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit r\u00fccken bei der Betrachtung kultureller Wertungen die Handlungsfreiheiten in den Mittelpunkt der Betrachtung, so dass man sich nun damit besch\u00e4ftigt, wie bereits etablierte Techniken durch funktional gleichwertige oder \u00fcberlegene andere Techniken ersetzt werden k\u00f6nnen. Solch innovatorisches Handeln wird zugleich durch die Gew\u00e4hrung individueller Freiheitsrechte (Gewerbe- und Berufsfreiheit, Forschungsfreiheit etc.) sozial zunehmend aufgewertet.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Renaissance findet man das Aufkommen des Ingenieurwesens, bei dem die Erweiterung und Ver\u00e4nderung von Wissen gr\u00f6\u00dferes Gewicht erh\u00e4lt als die Bewahrung von Regeln. So unterscheiden sich das klassische Handwerk und die Ingenieurst\u00e4tigkeit vor allem dadurch, dass der Zugang des Handwerks zun\u00e4chst \u00fcber das Material stattfand, die Ingenieurst\u00e4tigkeiten sich dagegen vor allem durch die Beherrschung von Verfahren auszeichnen. Mit der Entdeckung dessen, was technisch m\u00f6glich ist, schiebt sich in der technischen Literatur gegen\u00fcber dem Realisierungsprozess die Darstellung des konstruktiven Entwurfs in den Vordergrund.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dieser Betonung des M\u00f6glichen, des N\u00fctzlichen und des Neuen sowie des damit verbundenen Prozesses der Fortschreibung mit offenem Ausgang, welche statt der Bewahrung bestehender Regeln durch die qualifizierte Anwendung geschulten Wissens in den Mittelpunkt der Betrachtung r\u00fcckt, verbindet sich die Ber\u00fchmtheit von Forschern wie Leonardo und Machiavelli. Sie werden als Ingenieur bzw. Techniker der Macht bekannt, obwohl beide das Bedeutsamste ihrer Erkenntnisse nur auf dem Papier formulieren. Denn: Die soziale Anerkennung wurde der Beschleunigung, der Differenz zum Gewohnten gezollt, dem potenziellen, nicht dem bereits realisierten Nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Errichtung von Forschungseinrichtungen und der sie tragenden Forschungs- und Fortschrittsphilosophie wird im 17. Jahrhundert der Konflikt zwischen Innovation und Tradition institutionalisiert. Diese Institutionen der Technik bilden nun ihren eigenen sozialen und kulturellen Kontext aus, der sich an einem Technikverst\u00e4ndnis orientiert, in dem erforschbare Kausalit\u00e4ten im Zentrum stehen. Damit r\u00fcckt in den Mittelpunkt des Forschungsprozesses der fr\u00fchen Neuzeit das Experiment und mit ihm das Nachvollziehen von Vorg\u00e4ngen in der Natur. Das Experiment, in dem Wissen und K\u00f6nnen eine Einheit bilden, orientiert auf objektive Ursachenerkenntnis und auf eine erfolgskontrollierte Herstellungspraxis zugleich.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl die Gesetze der Mechanik oder einer anderen Naturwissenschaft vor dem 19. Jahrhundert nur begrenzt zur Entwicklung neuer Technologien beigetragen haben, war es bis ins 20. Jahrhundert eine verbreitete \u00dcberzeugung, dass Technik Aneignung der Natur und angewandte Naturwissenschaft ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich findet in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts &#8211; im Kontext der Gr\u00fcndung technischer Universit\u00e4ten sowie der Institutionalisierung der industrieorientierten und der staatlichen Forschung angesichts der Modernisierungsprozesse des Kapitalismus &#8211; eine neuerliche Abstraktion des Technikbegriffs statt, in der die Technologie zu einer selbst\u00e4ndigen Wissenschaft mit einem eigenen Regelkanon wird, deren Aufgabe es nun ist, Technik zu produzieren. Die technologische Entwicklung wird auch institutionell eingebunden in die Rationalit\u00e4t \u00f6konomischer und politischer Planung, mit dem Ergebnis, dass sowohl die Industrie als auch der Staat von Technologien und deren Entwicklung abh\u00e4ngig werden. Als ein Motor dieser Entwicklung wirkt das Milit\u00e4r mit seinen Anforderungen an die Waffenentwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p>So erweitert sich Schritt f\u00fcr Schritt das Technikverst\u00e4ndnis zum Systemverst\u00e4ndnis, d.h. nun steht die systemische Vernetzung von Techniken im Vordergrund bzw. Vernetzungen (etwa in Gestalt des Flie\u00dfbandes) selbst werden als Technik begriffen. Mit diesem Bedeutungszuwachs von Systemen, Verkn\u00fcpfungen und Kommunikationen tritt der soziale Aspekt der Erzeugung, Entwicklung und Nutzung von Technologien in den Vordergrund. Die Regeln, nach denen solche Systeme funktionieren, sind soziale Regeln, und eine Vielzahl von Ans\u00e4tzen versucht seither die entsprechenden Prozesse zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Technik und Innovation heute<\/h3>\n\n\n\n<p>Die modernen Gesellschaften haben den Innovationen auf allen Gebieten weitgehend freien Lauf gelassen. Sie werden heute absichtlich herbeigef\u00fchrt, um neue Produkte, Projekte und Verfahren hervorzubringen. Die Innovationsthematik wird jedoch oft auf ein reines Mengen-, Geschwindigkeits- oder Einstellungsproblem verk\u00fcrzt. Entsprechend werden die Ma\u00dfnahmenkataloge von Forderungen nach finanziellen Mehrausgaben, nach steuerlicher Beg\u00fcnstigung f\u00fcr Forschungs- und Entwicklungsaktivit\u00e4ten sowie der Verk\u00fcrzung der Genehmigungszeiten beherrscht. Die Notwendigkeit des Ausbaus des Technologietransfers wird ebenso betont wie die F\u00f6rderung der Innovationsbereitschaft und der Abbau von Vorbehalten gegen\u00fcber technischen Innovationen. Insgesamt gelten Produktinnovationen als berechenbar, w\u00e4hrend die Prozessinnovationen weitgehend unkalkulierbar bleiben. Daher erfordert die gro\u00dfe Vielfalt von Prozessinnovationen bei deren Entwicklung betr\u00e4chtlichen Mitteleinsatz.<\/p>\n\n\n\n<p>In den gesellschaftlichen Diskursen um Technologien und Innovationen finden sich meist drei Gegen\u00fcberstellungen. Die Setzung \u201eTechnik versus Gesellschaft&#8220; arbeitet mit der Unterscheidung von Technik und Gesellschaft, so als ob Technik au\u00dferhalb gesellschaftlicher Prozesse st\u00fcnde, d.h. m\u00f6glicherweise anderen Gesetzlichkeiten unterworfen sei. Die Gegen\u00fcberstellung \u201eTechnik versus Natur&#8220; formuliert einen Gegensatz zwischen der Technik als etwas in spezifischem Sinne Gesellschaftliches, also Gemachtes und einer au\u00dferhalb des menschlichen Agierens liegenden und eigenen Gesetzen gehorchenden Natur. Schlie\u00dflich fokussiert die Setzung \u201eTechnik versus Kultur&#8220; vorzugsweise auf \u00bbau\u00dfertechnische\u00ab Funktionen und Bedeutungen von Technik. Technik steht dabei f\u00fcr das Instrumentelle und Rationale &#8211; Kultur hingegen f\u00fcr das Kommunikative und Sinnorientierte. Dies gelte insbesondere in Deutschland aufgrund der Traditionen humanistischen Denkens.<\/p>\n\n\n\n<p>Weite Verbreitung fand lange eine allgemeine Geltung beanspruchender Technikdeterminismus, der in technischen Neuerungen die zentrale Ursache gesellschaftlicher Ver\u00e4nderungen sieht und der auf die klassische Definition von Ogburn aus den 20er Jahren zur\u00fcckgeht. Der eigentliche Motor sozialen Wandels liege in immer neuen \u00bbEntdeckungen und Erfindungen\u00ab bzw. gem\u00e4\u00df einer modernen Begrifflichkeit \u00bbim Erkenntnisfortschritt der Naturwissenschaften und seiner Umsetzung in technische Innovationen. Hiervon gehen Ver\u00e4nderungsimpulse und Anpassungszw\u00e4nge aus, die &#8211; wenngleich &#8230; mit verschiedenem Tempo bzw. verschiedener Verz\u00f6gerung &#8211; alle gesellschaftlichen Lebensbereiche erfassen. Sozialer Wandel ist nichts anderes als die in Reaktion hierauf sich vollziehenden Ver\u00e4nderungen gesellschaftlicher Strukturen\u00ab, Sozialphilosophen wie Arnold Gehlen verbanden mit den geistigen und moralischen Umbr\u00fcchen, welche der Umsturz der materiellen Produktionsweise mit sich bringt, \u00bbKrisen des \u00dcbergangs\u00ab, allzumal der einzelne Mensch zunehmend vor der Aufgabe stehe, sich an \u00fcberm\u00e4chtige Verh\u00e4ltnisse anzupassen, deren innere Struktur und Herkunft ihm intransparent scheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit ihren Arbeiten zur Technikfolgenabsch\u00e4tzung, zu Wirkungsanalysen technischer Innovationen, \u00fcber die sozialen Konsequenzen des technischen Fortschritts oder zur Technikgenese hat die sozialwissenschaftliche Technikforschung h\u00e4ufig entweder auf \u00bbsoziale Folgen der Verwendung von Technik\u00ab oder auf die \u00bbsozialen Voraussetzungen der Erzeugung von Technik\u00ab abgehoben. Die Hartn\u00e4ckigkeit, mit der sich die Sicht einer \u00fcberm\u00e4chtigen Technik wie auch der Eindruck eines gradlinigen Prozesses fortw\u00e4hrenden Fortschritts hat behaupten k\u00f6nnen, bedarf der Erkl\u00e4rung. Dieser Prozess ist m\u00f6glicherweise darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass die Entdeckung und Behebung von Fehlerhaftigkeit nur durch Steigerung ihrer selbst, d.h. also durch \u00bbbessere\u00ab Theorie und Techniken erfolgen kann. Auf diese Weise wird notwendig ein Bild schrittweiser Verbesserung und M\u00e4ngelbeseitigung erzeugt, das zu einer triumphalen H\u00f6herbewertung des menschlichen Geistes verkl\u00e4rt, pragmatisch als kontinuierliche Entwicklung gedeutet wird. Diesem Umgang folgend landet \u00bbalte\u00ab, d.h. \u00fcberholte Technik, im Museum, wird also nicht mehr wie gewohnt verwendet und stattdessen der historischen Betrachtung \u00fcbergeben. \u00bbFalsche\u00ab Technik, d.h. nicht realisierte Technik, wird in Kuriosit\u00e4tensammlungen abgeschoben, also aus jeder systematischen Reflexion \u00fcberhaupt herausgenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Annahme einer kontinuierlichen Entwicklung verbirgt sich auch hinter der Vorstellung, die Technik habe eine \u00bbdeterminierende\u00ab Kraft, ihr gegen\u00fcber seien soziale Strukturen \u00bbweich\u00ab und \u00bbmachtlos\u00ab. Dabei ist es gerade die gesellschaftliche Einbettung von Technikentwicklern, die Technologie kontrollierbar macht. Technische Innovationen bed\u00fcrfen der gesellschaftlichen Reflexion. Diese ist kompetenter und zielf\u00fchrender zu gestalten, wenn eine Gesellschaft durch eine grunds\u00e4tzliche Offenheit gegen\u00fcber innovativen Technologien gekennzeichnet ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig erkenntnisgewinnend und hilfreich ist es daher, Antworten nach den Gr\u00fcnden der Ausbreitung von Technik in der Technik selbst zu suchen. So ist etwa die Technik der drahtlosen Telegraphie zwar eine Voraussetzung, aber nicht die Ursache f\u00fcr deren Ausweitung zu einem System weltweiter elektronischer Kommunikation. Und schlie\u00dflich gibt es auch keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der technischen Ausstattung eines Betriebes und der damit verbundenen Form der Arbeitsorganisation. Diese kann &#8211; wie Studien zur internationalen Automobilindustrie gezeigt haben &#8211; sehr unterschiedlich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Technikgeneseforschung hat verdeutlicht, dass Technikentwicklung selektiv von statten geht, d.h. von den verschiedenen denkbaren technischen Entwicklungslinien setzen sich nur wenige tats\u00e4chlich am Markt und in der Gesellschaft durch. Welche dies jeweils sind, ist nicht allein, vielleicht sogar nicht einmal wesentlich, von der Qualit\u00e4t der technischen Entwicklung abh\u00e4ngig, sondern mindestens ebenso sehr von sozialen Strukturen, wirtschaftlichen Konstellationen und in einem weiten Sinne von politischen Machtverh\u00e4ltnissen. Von den darin agierenden Interessengruppen wurde\/wird die exklusive Verf\u00fcgung \u00fcber Technik andersherum jedoch auch als bewusst und gezielt einsetzbarer Machtfaktor im Wettbewerb der Standorte (fr\u00fcher: der Systeme) verstanden. Vor einer Untersch\u00e4tzung dieses Faktors und einem naiven Umgang mit dieser Konstellation kann nur gewarnt werden. Die zugrundeliegende Erkenntnis hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein in der Anlage und Durchf\u00fchrung ihrer Aktivit\u00e4ten stets zu ber\u00fccksichtigen versucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn sich heute die Entwicklung und Durchsetzung neuer Technologien in einem zusehends dynamisierten Bedingungsgef\u00fcge abspielen, das durch Dezentralisierung und vertikale Desintegration, die Aufl\u00f6sung starrer und klar abgrenzbarer Betriebs- und Unternehmensgrenzen sowie den Bedeutungsr\u00fcckgang traditioneller Institutionen charakterisiert ist, so wird erneut deutlich, dass die Verortung k\u00fcnftiger Innovationsprozesse die Organisation materieller wie nicht-materieller Komponenten ber\u00fccksichtigen muss. Dabei ist nicht nur von Bedeutung, dass der Faktor \u00bbMaterial\u00ab in den Technik- und Ingenieurwissenschaften wieder einen zentralen Platz einnimmt und der Zusammenhang von Produkt- und Verfahrensinnovationen enger wird; zugleich l\u00f6sen simultane Innovationen mehr und mehr die sequentielle Vorgehensweise ab. Innovationen erhalten dadurch zunehmend \u00bbsystemischen\u00ab Charakter.<\/p>\n\n\n\n<p>Technik und Gesellschaft entwickeln sich gemeinsam: Mit den luK-Technologien hat die Innovation ihr Wesen ge\u00e4ndert. Sie ist ephemer (jede Nutzung h\u00e4lt nur ein paar Jahre an), cham\u00e4leonhaft (ohne anfangs einen pr\u00e4zisen Auftrag zu erf\u00fcllen, passt sie sich fast jeder gesellschaftlichen Nachfrage an), diffus, aber allgegenw\u00e4rtig (t\u00e4glich genutzte Apparate und Dienste greifen immer st\u00e4rker auf \u00bbChips\u00ab, Telekommunikation, synthetische Bilder usw. zur\u00fcck). Diese komplexe Gemengelage und Heterogenit\u00e4t der Anforderungen ist f\u00fcr die Technologiestiftung Schleswig-Holstein in den Jahren ihres Bestehens zu einem zentralen Orientierungspunkt der von ihr initiierten Diskussionen und Ma\u00dfnahmen geworden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Technik und Innovation als soziale Dynamik<\/h3>\n\n\n\n<p>In der ingenieurwissenschaftlichen Perspektive werden unter Technik alle Verfahren, Maschinen und Anlagen gefasst, die auf der Grundlage empirisch erprobter Regelm\u00e4\u00dfigkeiten oder wissenschaftlicher Disziplinen funktionieren, um die physikalische und biologische Welt zu ver\u00e4ndern. Da Technik zunehmend besser in die soziale Welt eingepasst werden muss, je weiter sie sich ausdehnt und je komplizierter und st\u00f6rungsanf\u00e4lliger sie wird, haben auch die Ingenieure im Verlaufe des 20. Jahrhunderts damit begonnen, das Soziale St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck unter ihrer Perspektive zu behandeln. Zun\u00e4chst fand dies im Taylorismus seinen Ausdruck, sp\u00e4ter in der Ergonomie und den modernen Arbeitswissenschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Technikfolgenabsch\u00e4tzung wird versucht, die (messbaren) Auswirkungen der Technik auf Wirtschaft und Gesellschaft darzustellen. Dies f\u00fchrt zu gewissen Ergebnissen, die verdeutlichen, dass sich mit der Ver\u00e4nderung der Verkehrstechnik wesentlich auch die Sozialstruktur \u00e4ndert, weil eine Verdichtung der sozialen Beziehungen eintritt, die bei geringer Verkehrsdichte nicht zu finden ist. Als Gemeingut gilt inzwischen auch, dass von der Technik bestimmte Einfl\u00fcsse auf das Berufs- und Qualifizierungssystem ausgehen. Die von der Technologiestiftung Schleswig-Holstein durchgef\u00fchrten Projekte zur Transformation der Lern-\/Lehrstrukturen und -inhalte gehen von dieser \u00dcberlegung aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Technikfolgenabsch\u00e4tzung hat sich lange weitgehend auf solche zeitlich nachg\u00e4ngigen Prozesse der gesellschaftlichen Verwendung von Technologien konzentriert; diese selbst wurden aber in der Regel forschungspragmatisch abgegrenzt und nicht weiter auf ihr Zustandekommen analysiert. Diesem Aspekt wandte sich die Technikgeneseforschung zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entwicklung und Anwendung von Technologien unterliegen nicht nur einer Eigenlogik technischer Rationalit\u00e4t und Effizienz oder von Wirtschaftlichkeitskriterien. Innovationen sind immer auch Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen und Problemlagen (z.B. \u00f6kologische Krisenverl\u00e4ufe, demokratietheoretische Fragestellungen), Reaktionen auf soziale Zw\u00e4nge oder Mittel zur Verfolgung wirtschaftlicher Interessen. Erfindergeist, Innovationsmentalit\u00e4t und Wettbewerbssituation f\u00fchren dazu, dass oft mehrere, auf dieselbe Problemlage oder Herausforderung gerichtete Innovationsprozesse parallel stattfinden. So l\u00e4sst sich festhalten, dass technologische Entwicklung nicht oder nur selten das Werk einzelner Erfinder ist. Vielmehr setzt die erfolgreiche Innovation eine gro\u00dfe Bandbreite von Versuchen voraus; damit setzt technologische Entwicklung &#8211; getrieben durch gesellschaftlich empfundenen Mangel und eine Vielzahl von Zw\u00e4ngen &#8211; Variation und systematische Selektion voraus. Diesen Ansatz hat die F\u00f6rderaktivit\u00e4ten der Technologiestiftung Schleswig-Holstein von Beginn an durchzogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Identifikation von Faktoren, die f\u00fcr die Selektion technischer Alternativen bzw. f\u00fcr die Produktion entsprechenden technischen Wissens bestimmend sind, sind es nicht nur die Interessen der beteiligten Akteure, die als Interpretationsfolie und Erkl\u00e4rungshintergrund heranzuziehen sind, um zu verstehen, warum es zur Realisierung bestimmter \u00bbtechnischer Projekte\u00ab und zur Nichtrealisierung anderer kommt. Dabei treten durch Technik gegebene M\u00f6glichkeiten, kulturelle Orientierungen, politische Stile und Machtinteressen in eine komplexe Wechselwirkung, in der die spezifische Ausformung von und soziale Verf\u00fcgung \u00fcber (neue) Techniken gepr\u00e4gt wird. So hat historisch die Verwendung der Gabel bei der Nahrungsaufnahme, bei der ja durchaus auf dieses technische Hilfsmittel verzichtet werden kann, nicht nur den Aspekt einer Effektivierung eines zweckrationalen Handelns, sondern zus\u00e4tzlich auch &#8211; in Gestalt der Distanzierung und Stilisierung im Sinne des Prozesses der Zivilisation &#8211; zu einem Formwandel des Sozialverhaltens und der Durchsetzung ver\u00e4nderter Wertkonstellation gef\u00fchrt. Auch &#8211; um ein Beispiel aus j\u00fcngerer Zeit hinzuzuf\u00fcgen &#8211; in der Innovationsgeschichte der Waschmaschine zeigt sich, dass diese von technischen M\u00f6glichkeiten, sozialen Standards und Wertvorstellungen beeinflusst wurde: In Deutschland wurde seit Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts die historische \u00bbgrosse W\u00e4sche\u00ab &#8211; sichtbare Schwerstarbeit, die als Ertrag Berge glatt gestapelter sauberer W\u00e4sche hervorbrachte, zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, allerdings nicht zugunsten ebenfalls m\u00f6glicher kollektiver bzw. betrieblicher Probleml\u00f6sungen, sondern zugunsten der allt\u00e4glichen privaten Waschmaschinen-W\u00e4sche. Diese wiederum steht inzwischen durchaus symbolisch auch f\u00fcr weithin sozial akzeptierte und gesellschaftlich durchgesetzte Reinlichkeitsstandards, denn mit der chemo-technischen Revolutionierung des W\u00e4sche-Waschens haben sich auch die an das Waschergebnis angelegten Ma\u00dfst\u00e4be ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>So wird ohne Zweifel selektiv gegen\u00fcber Technik verfahren: So wenig alle M\u00f6glichkeiten entdeckt werden, so wenig werden alle entdeckten M\u00f6glichkeiten verwirklicht. Die soziale Dynamik der Technik kommt in einem mehrstufigen Prozess der sozialen Konstruktion von Technik zum Ausdruck, wobei die Akteurskonstellationen, die eine technische Innovation tragen, wie auch die Nutzungsvisionen im Laufe der Entwicklung mehrfach wechseln. So werden in den drei Phasen \u00bbEntstehung\u00ab, \u00bbStabilisierung\u00ab und \u00bbDurchsetzung\u00ab die Technik- und Innovationsprojekte von unterschiedlichen sozialen Netzwerken getragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entstehungsphase einer neuen Technik ist dadurch charakterisiert, dass innovative Akteure durch radikale Abweichungen von etablierten Mustern und Routinen \u00bbNeues\u00ab schaffen. Oft sind es Vision\u00e4re und Au\u00dfenseiter, die abseits professioneller Regeln und ohne Beachtung bestehender Nachfragestrukturen in subkulturellen Nischen eher spielerisch t\u00e4tig als am Markt orientiert sind. In den dort entstehenden sozio-technischen Kernen, die durch Unstrukturiertheit, informelle Kommunikation, geringe Verpflichtungsf\u00e4higkeit der Akteure und wechselnde Teilnehmer gekennzeichnet sind, werden eine oder mehrere Ideen von der Verwendung einer Technologie in einem bestimmten Kontext entworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die folgende Stabilisierungsphase ist nach dem Bastlerstadium die Phase der systematischen Exploration einer neuen Technik. Dabei geh\u00f6rt es f\u00fcr die Technologiestiftung Schleswig-Holstein zu den wichtigen Aufgaben, ein Milieu zu schaffen, welches das vision\u00e4re Projekt \u00fcber eine gewisse \u00bbDurststrecke\u00ab bringt. Gegen\u00fcber einem auf starre und formale Abl\u00e4ufe fixierten Verst\u00e4ndnis dieser Phase hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein auf assoziative, selbstlernende Prozesse der Koordination gesetzt, zu denen notwendig auch Konfliktelemente geh\u00f6ren. Die dabei notwendigen sozialen Netzwerke kommen durch die Koppelung der Aktivit\u00e4ten heterogener Akteure zustande, die trotz unterschiedlicher Orientierungen ein gemeinsames Interesse, z.B. an der Durchf\u00fchrung eines innovativen Technologieprojektes, entwickeln. Beim \u00dcbergang in diese Phase bedarf es strategief\u00e4higer Akteure, d.h. solcher Akteure, die Verhandlungs- und Verpflichtungsf\u00e4higkeit besitzen, in reflektierter Weise Ziele formulieren k\u00f6nnen und bereit und in der Lage sind, Risiken einzugehen. Das hohe Ma\u00df an Unabh\u00e4ngigkeit der Technologiestiftung Schleswig-Holstein hat ihr die \u00dcbernahme dieser Rolle in qualifizierter Weise gestattet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die von der Technologiestiftung Schleswig-Holstein organisierte Suche nach Dialogpartnern und die Vernetzung strategief\u00e4higer Akteure ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegen\u00fcber der Entstehungsphase, die durch informelle, nicht-verpflichtende Kommunikation gepr\u00e4gt ist. Au\u00dferdem wird das Technologieprojekt aus seinem urspr\u00fcnglichen Zusammenhang herausgel\u00f6st. Es treten Akteure aus anderen sozialen Sph\u00e4ren hinzu, so dass es zu einer Rekombination sowohl bez\u00fcglich der technischen wie in sozialer Komponenten kommt. Die in Verhandlungsnetzwerken erforderlichen Abstimmungs- und Kompromisserfordernisse f\u00fchren zur Spezifizierung der Such- und Probleml\u00f6sungsstrategien sowie &#8211; aufgrund der wechselseitigen Legitimierung und der M\u00f6glichkeit zur pr\u00e4ziseren Definition noch fehlender Komponenten &#8211; zur Beschleunigung des Prozesses der Technikerzeugung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die auch mit dem Begriff Diffusion belegte Durchsetzungsphase konzentriert sich auf das Finden, Erschlie\u00dfen oder Schaffen von M\u00e4rkten. Die Durchsetzung einer technischen Innovation zu einer gesellschaftsweit verbreiteten Technik, die von einer eigendynamischen Nachfrage getragen wird und auf ihre urspr\u00fcnglichen Tr\u00e4ger-Netzwerke nicht mehr angewiesen ist, ist ein eigenst\u00e4ndiger Innovationsakt, der wiederum von einem sozialen Netzwerk mit eigenem Profil vollzogen wird. Dabei findet erneut eine Erweiterung des Kreises der Akteure statt, wobei die Nutzerinteressen betont werden. Nun reicht es nicht mehr aus, sich phantasievolle Nutzanwendungen vorzustellen (Entstehungsphase) oder in k\u00fcnstlichen Schutzr\u00e4umen zu erproben (Stabilisierungsphase); vielmehr bedarf es Nutzungsvorstellungen, bei denen in gro\u00dffl\u00e4chigen Pilotanwendungen die Leistungsf\u00e4higkeit der neuen Technologie gezeigt werden kann. Mit der Betonung der Nutzerperspektive entstehen wiederum v\u00f6llig neue Netzwerke. In dieser Phase treten die Aktivit\u00e4ten der Technologiestiftung Schleswig-Holstein wieder deutlich zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn auf politischer Ebene immer wieder die Frage der Produkt- und Prozessinnovationen in einen generellen gesellschaftspolitischen Zusammenhang gestellt und mit der F\u00e4higkeit von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen verkn\u00fcpft wird, neue Techniken und Produkte zu entwickeln und umzusetzen, so hat innovations- und technologiepolitisches Handeln von der Analyse technischer Entwicklungen, d.h. ihrer Genese, Diffusion und Wirkung, zu ber\u00fccksichtigen: Es handelt sich um einen historischen und sozialen Prozess, in dem Handlungsabl\u00e4ufe mit zum Teil divergierenden Handlungsrationalit\u00e4ten verschiedener Akteure in unterschiedlichen Arenen \u00fcber die Zeit anzutreffen sind, wobei die Frage nach Konstellationen von Macht und Herrschaft inbegriffen ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Zunahme der Unsicherheit<\/h3>\n\n\n\n<p>Warum wird der Innovation so gro\u00dfe Bedeutung beigemessen? Neu ist etwas, was es fr\u00fcher nicht gab. Neues bezieht sich auf ein Kontinuum in der Zeit, auf sonst nichts. Mit der Innovation hingegen wird die Kraft des Kreativen assoziiert. Innovation meint aber auch Unvorhersagbarkeit, Zerst\u00f6rung und Konflikte.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits das Feck\u2019sche Gesetz hat daran erinnert, dass die Entdeckung neuer Unbestimmtheiten im Mittel immer gr\u00f6\u00dfer ist als die Konstruktion von abgesicherten, best\u00e4tigten Wissensbest\u00e4nden. In der Systemtheorie (Luhmann) wird diese Kovarianz zwischen Wissen und Unbestimmtheit \u00bbZuwachs an Kontingenz\u00ab genannt. Dieses (\u00bbniemand wei\u00df, wo es langgeht\u00ab) f\u00fchrt angesichts des exponentiellen Zuwachses an Information und Wissen im Zeitalter der Informationsgesellschaft zu einem Wandel des Wandels. Der mit der Dynamik der luK-Technologien verbundene Umgang mit \u00bbUnsicherheit\u00ab erh\u00e4lt als Organisationstatbestand neue produktive Bedeutung. Die neuen Technologien lassen die Vision eines \u00bbone best way\u00ab von Arbeitsteilung und Prozessorganisation als irref\u00fchrend, als eine m\u00f6glicherweise gef\u00e4hrliche Fiktion erscheinen. Denn bisherige, erfahrungsgest\u00fctzte Wahrnehmungen von \u00bbnormalen\u00ab Phasen der Technikeinf\u00fchrung in Organisationen (Einf\u00fchrung, Erprobung, Normalisierung) erweisen sich angesichts der neuen luK-Technologien als unbrauchbar. Stattdessen sind Strategien der \u00bbNutzung von Unsicherheit\u00ab gefordert, in denen Autonomie und Selbststeuerung eine bedeutende Rolle zukommt. Nicht mehr mechanistische Informations- und Wissensakkumulation, sondern das assoziative Erschlie\u00dfen von Problemlagen, Zusammenh\u00e4ngen und Handlungsoptionen sind nun gefordert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es zutrifft, dass komplexe Gesellschaften sich nicht auf eine naturw\u00fcchsige Durchsetzung von Technologien verlassen k\u00f6nnen, so d\u00fcrfen m\u00f6gliche Innovationsakteure sich nicht von einem naiven Bild der Kooperationsbeziehungen leiten lassen, demzufolge die akademische Forschung neues Grundlagenwissen produziert und es \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich ablegt, woraufhin die industrielle Forschung darauf bei der Entwicklung wissensbasierter Produkte wie auf ein kostenloses Gut zur\u00fcckgreift. Demnach best\u00fcnden Koordinationserfordernisse lediglich auf der Ebene der \u00dcbertragung von Informationen aus der akademischen Forschung in die Industrie.<\/p>\n\n\n\n<p>Demgegen\u00fcber muss betont werden, dass weder der Zugang zum Stand der Forschung noch die anwendungsbezogene \u00dcbernahme neuen generischen Wissens einfache Prozesse des Transfers und der Diffusion von Information sind. Denn bereits der Zugang zu neuem wissenschaftlich-technologischen Wissen ist ein voraussetzungsreicher Prozess und nicht einfach die Nutzung eines \u00bb\u00f6ffentlichen Gutes\u00ab als ein \u00bbfreies Gut\u00ab. Dessen Nutzung ist nicht ohne nennenswerte Kosten rezipier- und in der Technikentwicklung verwendbar, sondern es bedarf h\u00e4ufig betr\u00e4chtlicher Forschungskapazit\u00e4ten, um Wissen, das \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemacht worden ist, zu verstehen, zu interpretieren und absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Innovation hat sich also von einem seltenen Ph\u00e4nomen in ein systematisch gesuchtes Ereignis verwandelt. Und doch bleibt ihre Dynamik im Grunde unvorhersehbar und kontingent. Innovation kann gegenw\u00e4rtig nur noch als Prozess ohne Ende und au\u00dfer Kontrolle verstanden werden. Dies macht auch verst\u00e4ndlich, warum die starren staatlichen Systeme mit ihren institutionellen Regelkreisen so gro\u00dfe Probleme haben, Innovationen zu organisieren bzw. mit deren Folgen umzugehen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_011.jpg\" data-lbwps-width=\"1094\" data-lbwps-height=\"700\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_011-300x192.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1205\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_011.jpg\"    alt=\"\"  width=\"1094\" height=\"700\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_011.jpg 1094w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_011-300x192.jpg 300w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_011-1024x655.jpg 1024w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_011-768x491.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1094px) 100vw, 1094px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Auch die traditionell asymmetrische Schieflage, bei der die Betonung auf der technischen Innovation liegt, w\u00e4hrend die soziale als sachlich getrennt und zeitlich verz\u00f6gert angenommen wird, gilt es zugunsten eines Verst\u00e4ndnisses von Komplementarit\u00e4t und Verwobenheit zu \u00fcberwinden. Denn die Einf\u00fchrung einer neuen Technologie ist als organisierter Lernprozess nicht gradlinig, sondern eine unberechenbare Bahnkurve, die durch neue technologische Ideen, wissenschaftliche Theoreme, schlechte Erfahrungen und wechselnde \u00f6ffentliche Sensibilit\u00e4ten und politische Lagen bestimmt ist: ein solcher Zickzackkurs kollektiven Lernens ist vermutlich charakteristisch f\u00fcr jeden gesellschaftlichen Umgang mit neuen Technologien.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts solch tiefgreifender Dynamiken und tiefgehender Unsicherheiten stellt sich die Frage nach ad\u00e4quaten Umgangsweisen f\u00fcr (einzelwirtschaftliche) Innovationen, die auf Bedingungen angewiesen sind, die zum Zeitpunkt der Innovation eben deshalb noch nicht erf\u00fcllt sein k\u00f6nnen, weil es sich um die Hervorbringung von Neuem handelt &#8211; Bedingungen, die im Zuge der Innovation selbst erst entdeckt, hergestellt und erprobt werden m\u00fcssen. Zu den Akteuren und institutionellen Bedingungen, die in dem hier skizzierten Sinne f\u00fcr die Sicherung und den Aufbau von innovativen und zukunftsf\u00e4higen Ressourcen und Potenzialen Sorge tragen k\u00f6nnen, geh\u00f6ren Einrichtungen wie die Technologiestiftung Schleswig-Holstein. Diese wirken jenseits einer Dominanz kurzfristiger Wettbewerbsorientierung und konzentrieren sich (im besten Fall !) auf ein antizipatives gesellschaftliches Innovationsmanagement, in das Aktivit\u00e4ten der Technologie-Foresight, der technischen Gestaltung und der Technologiefolgenabsch\u00e4tzung eingebunden sind. Ein Paradigma einer solch partizipativen Technikgestaltung ist die Einbeziehung potenzieller Nutzerinnen und Betroffener in den Diskurs- und Gestaltungs-Prozess bereits vor der fl\u00e4chendeckenden Verbreitung, so dass sich der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4t von der Generierung des Produkts auf die Gestaltung bzw. Moderation des Prozesses der sozialen Einbettung von Technologien verschiebt. Elemente eines solchen Ansatzes konnten im Rahmen der Initiative Informationsgesellschaft, die die Technologiestiftung Schleswig-Holstein als Teil des europ\u00e4ischen RISI-Projektes (Regional Information Society Initiatives) betreute, verwirklicht werden. Wo Institutionen sich der moderierenden und flankierenden Gestaltung dieser Entwicklung widmen, findet dies nur sehr vermittelt als Technologietransfer statt. Mehr noch dienen sie der Technologietransformation im Sinne eines weiter gefassten und \u00fcber einzelne Technologielinien hinausgreifenden Innovationsverst\u00e4ndnisses. In erster Linie verfolgen sie dabei strategische Gestaltungs- und Strukturaufgaben, die sich daran orientieren, die Zukunft vorwegzunehmen. Dieser Zugang charakterisiert die Konzeption und das Selbstverst\u00e4ndnis der Technologiestiftung Schleswig-Holstein seit ihrer Entstehung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3. Entstehung und Konzeption der Technologiestiftung<\/h2>\n\n\n\n<p>Im europ\u00e4ischen Binnenmarkt wie in der Konkurrenz mit japanischen und nordamerikanischen Unternehmen entscheidet heute ma\u00dfgeblich die Technologiekompetenz \u00fcber die Durchsetzungsf\u00e4higkeit der Unternehmen am Markt. Diese stellt sich allerdings nicht f\u00fcr jedes Unternehmen einfach her, sondern bedarf eines entsprechenden regionalen Wirkungszusammenhangs. Dies gilt umso mehr, als technologische Entwicklungen in vielen F\u00e4llen nicht allein auf die Produktpalette, die Herstellungsverfahren und Vertriebswege von Unternehmen und der regionalen Wirtschaft einwirken, sondern &#8211; wie etwa die Informations- und Kommunikationstechnologien &#8211; auch auf andere gesellschaftliche Bereiche ausstrahlen. Technologiepolitik als zentraler Teil innovativer Industriepolitik bedarf daher einer Einbettung in regionale Strukturen.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Grundlagen- und Vorlaufforschung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die die Wirtschaftsstruktur in Schleswig-Holstein pr\u00e4gen, nur in wenigen Ausnahmef\u00e4llen geleistet werden kann, bedarf es einer regionalen Industrie- und Technologiepolitik, die der Mobilisierung endogener Ressourcen durch den wirkungsvollen Einsatz (knapper) \u00f6ffentlicher Mittel dient und dies mit der bewussten Nutzung und F\u00f6rderung immaterieller Innovations- und Entwicklungsinstrumente, wie beispielsweise Netzwerkbildung oder Know-howTransfer, koppelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Von dieser Orientierung haben sich die technologiepolitischen Akteure auch bei der Errichtung der Technologiestiftung Schleswig\u00b7 Holstein im Jahr 1991 leiten lassen, die aus der Ver\u00e4u\u00dferung der Anteile des Landes Schleswig-Holstein an der Firma Howaldtswerke-Deutsche Werft AG finanziert wurde. Von dem beim Verkauf erzielten Betrag wurden etwa DM 62 Mio. in eine Stiftung \u00f6ffentlichen Rechts mit dem Ziel eingebracht, eine umwelt- und sozialvertr\u00e4gliche F\u00f6rderung technologischer Innovationen in der Region durchzuf\u00fchren und dabei insbesondere beim Aufbau entsprechender Strukturen wirksam zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war keineswegs selbstverst\u00e4ndlich, in einem allgemeinen Klima der Technikdistanz, z.B. gepr\u00e4gt durch die Diskussion um das \u00f6kologische Gef\u00e4hrdungspotenzial der Atomkraft oder \u00fcber die sozialen Folgekosten der Mikroelektronik, die Finanzmittel in eine Institution zu investieren, deren Aufgabe explizit die Technologief\u00f6rderung ist. Der von Legislative und Exekutive hierbei bewiesene politische Mut hat sich in dem weitsichtigen Vorgehen fortgesetzt, die Technologiestiftung Schleswig-Holstein nicht als Kopie entsprechender in anderen Bundesl\u00e4ndern bereits bestehender Einrichtungen zu konzipieren, sondern den Anforderungen des Landes und den neuen Herausforderungen technologischer Entwicklungen entsprechend einen innovativen Ansatz zu w\u00e4hlen. Dessen Credo bestand darin, eine solche Aufgabe mit einem betr\u00e4chtlichen Ausma\u00df an Unabh\u00e4ngigkeit zu versehen, die sich ihrer Verantwortung f\u00fcr regionale Transformationsprozesse bewusst ist. Mit der Entscheidung f\u00fcr diesen in der Bundesrepublik Deutschland einzigartigen Ansatz hat das Landesparlament einen bleibenden Wert f\u00fcr die Region geschaffen. Den ersten konzeptionellen \u00dcberlegungen zur Technologiestiftung Schleswig-Holstein vom Oktober 1990 folgte bereits im Juni 1991 die abschlie\u00dfende Lesung und einstimmige Verabschiedung des \u00bbGesetzes \u00fcber die Errichtung der Technologiestiftung \u00bbSchleswig-Holstein\u00ab durch den Landtag Schleswig-Holsteins. Mit den konstituierenden Sitzungen des Stiftungsrates unter Vorsitz des Staatssekret\u00e4rs im Wirtschaftsministerium, Uwe Thomas, im September 1991 bzw. des Wissenschaftlichen Beirats (Vorsitz: Professor Dr. F\u00f6ll) im Februar 1992, der Wahl Klaus P. Friebes zum Stiftungsdirektor und der Genehmigung des Arbeitsprogramms wurde am 1. Dezember 1991 die Arbeitsf\u00e4higkeit der Technologiestiftung Schleswig-Holstein hergestellt. In der Anlaufphase wurde der Aufbau der Einrichtung, ihr Bekanntmachen bei den regionalen Technologieakteuren und die Akquisition von Projekten zu Schwerpunkten der Stiftungsarbeit erkl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei gilt f\u00fcr die aus den Zinsertr\u00e4gen des Stiftungskapitals finanzierten Projekte und Aktivit\u00e4ten der Technologiestiftung Schleswig-Holstein, dass sie<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>in hohem Ma\u00dfe zukunftsorientiert sind;<\/li><li>eine zeitlich begrenzte F\u00f6rderung erfordern;<\/li><li>dem weiteren Aufbau der Infrastruktur dienen;<\/li><li>eine Innovationsh\u00f6he besitzen, die eine direkte Umsetzung zum Nutzen der Wirtschaft noch nicht m\u00f6glich macht.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Da die Technologiestiftung Schleswig-Holstein keine unmittelbare F\u00f6rderung von Unternehmen vornimmt, konzentrieren sich ihre Projekte auf den Auf- und Ausbau technologischer Infrastrukturen an den Hochschulen des Landes, um diese in die Lage zu versetzen, in innovativen Querschnittstechnologien, wie beispielsweise Neuen Materialien, Mikrotechnologien, Sensorik oder luK-Technologien, anwendungsorientierte Forschung und Dienstleistung erbringen zu k\u00f6nnen und damit die Unternehmen des Landes bei der Entwicklung marktf\u00e4higer Produkte zu unterst\u00fctzen. Solche Transformationsprozesse dienen damit zugleich der Sicherung von Kompetenz und Besch\u00e4ftigung. Sie schaffen neue Formen von Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Technologiestiftung Schleswig-Holstein ist dabei nicht Teil des klassischen Systems des Technologietransfers, sondern ein strukturpolitisches Instrument f\u00fcr die Landesentwicklung. Technologie-Politik hat Querschnittscharakter und steht bez\u00fcglich ihrer Umsetzung in einem engen, infrastrukturellen Zusammenhang mit den Politikbereichen verschiedener Ressorts. Die historisch entstandenen Ressortzust\u00e4ndigkeiten, die keine institutionelle Verkn\u00fcpfung dieser Querschnittspolitik vorsehen, tragen diesem Aspekt im Grunde keine Rechnung. F\u00fcr die Technologiestiftung Schleswig-Holstein ist dieses Querschnittsverst\u00e4ndnis konstitutiv.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einkoppelung von Interessenvertretern der Wirtschaft, von Entscheidungstr\u00e4gern relevanter Ministerien sowie technologischen Know-hows erfolgt \u00fcber den Stiftungsrat bzw. den Wissenschaftlichen Beirat der Technologiestiftung Schleswig-Holstein, der bei Bedarf Arbeitsgruppen bildet. Hieraus ergab sich das Organisationsmodell der Stiftung f\u00fcr die ersten Jahre ihrer T\u00e4tigkeit; es wird jedoch neuen Anforderungen im operativen Bereich angepasst:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-02.jpg\" data-lbwps-width=\"1072\" data-lbwps-height=\"727\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-02-300x203.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1206\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-02.jpg\"    alt=\"\"  width=\"1072\" height=\"727\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-02.jpg 1072w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-02-300x203.jpg 300w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-02-1024x694.jpg 1024w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-02-768x521.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1072px) 100vw, 1072px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Als relevante Vorteile der Basiskonstruktion der Technologiestiftung Schleswig-Holstein haben sich in der Praxis insbesondere folgende Aspekte bew\u00e4hrt:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Die Stiftung vergibt ihre Mittel unabh\u00e4ngig und &#8211; auf der Grundlage des Arbeitsprogramms &#8211; nach eigenem Ermessen. Die neutrale Au\u00dfenwirkung der Technologiestiftung Schleswig-Holstein ist von vielen Projektpartnern hervorgehoben und positiv bewertet worden. In etlichen Projekten war diese Neutralit\u00e4t sogar ein wesentliches Element des Projekterfolgs.<\/li><li>Eine langfristige, gesetzlich begr\u00fcndete Bestandsgarantie erlaubt der Stiftung &#8211; unabh\u00e4ngig von Finanzierungsentscheidungen anderer Ressorts oder Institutionen &#8211; die Definition und Bearbeitung von Technologiefeldern oder Handlungsschwerpunkten. Der Aufbau regionaler technologie-orientierter Infrastruktur und Kompetenz ist damit im Einzelnen nicht durch kurzfristige finanzpolitische Haushaltsentscheidungen oder durch legislaturperiodische Zw\u00e4nge beeintr\u00e4chtigt und kann so den durch die immer k\u00fcrzeren Zyklen der technologischen Entwicklung bedingten Handlungserfordernissen gerecht werden.<\/li><li>Die Einrichtung bewegt sich mit ihrer F\u00f6rderung im Grundsatz im vorwettbewerblichen Raum. Sie steht nicht im Wettbewerb mit privaten Unternehmen, sondern f\u00f6rdert mit ihren Projekten Strukturen, die der Wirtschaft des Landes insgesamt von Nutzen sind.<\/li><li>Als kleine organisatorische Einheit und mit eigenen finanziellen Mitteln ausgestattet besteht die M\u00f6glichkeit einer flexiblen und zeitnahen Reaktion auf die sich immer schneller ver\u00e4ndernden technologischen Entwicklungen. In diesem Sinne ist die Technologiestiftung auch ein Innovationselement in bzw. gegen\u00fcber traditionellen Verwaltungsstrukturen.<\/li><li>Bew\u00e4hrt hat sich auch der Charakter der Technologiestiftung Schleswig-Holstein als Anlaufstelle f\u00fcr Technologiefragen und die, sich daraus ergebende wichtige Koordinationsfunktion, vor allem f\u00fcr nicht immer pr\u00e4zise abgrenz- oder formulierbare Fragestellungen, insbesondere hinsichtlich der durch technologische Innovationen erzwungenen Ver\u00e4nderungen in der Wirtschaft.<\/li><li>Mit einem j\u00e4hrlichen F\u00f6rderungsbudget, das sich in den Vergabemodalit\u00e4ten von den M\u00f6glichkeiten anderer technologief\u00f6rdernder Einrichtungen abhebt, sind &#8211; erg\u00e4nzend zur staatlichen F\u00f6rderung &#8211; Ma\u00dfnahmen und Aktivit\u00e4ten realisierbar, die eine wirksame Gestaltung des technologischen Potenzials und eine Kompetenzerweiterung der technologischen Infrastruktur im Land Schleswig-Holstein bedeuten, und so beispielsweise zu einer besseren Nutzung von F&amp;E-Potenzialen im Lande f\u00fcr die Wirtschaft beitragen.<\/li><li>Insbesondere mit Blick auf die mit der Diffusion neuer Technologien verbundenen Unsicherheiten hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein zur Strukturierung solcher Suchbewegungen beigetragen und damit wichtige inhaltliche und methodische Erkenntnisse f\u00fcr die Gestaltungst\u00e4tigkeit vieler Technologieakteure bereitgestellt.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die \u00fcbergeordnete Aufgabe der Technologiestiftung Schleswig-Holstein ist es, Diskussionen \u00fcber die mit technologischen Innovationen verbundenen komplexen Herausforderungen auszul\u00f6sen und die strategisch-infrastrukturellen Rahmenbedingungen f\u00fcr technologische und gesellschaftliche Entwicklungen positiv zu beeinflussen. Besondere Bedeutung f\u00fcr den langfristigen Erfolg hat dabei der ressort- und technologie\u00fcbergreifende Ansatz in den einzelnen Projekten. Diese Schnittstelle, insbesondere die Verkn\u00fcpfung technologiepolitischer und bildungspolitischer Zielsetzungen im Interesse der Wirtschaft des Landes, war vor der Errichtung der Technologiestiftung Schleswig-Holstein nicht besetzt und differenziert die Einrichtung in Schleswig-Holstein gegen\u00fcber Stiftungen in anderen Bundesl\u00e4ndern mit \u00e4hnlichen Aufgaben im Bereich der Technologief\u00f6rderung. Entsprechend der Aufmerksamkeit, die der F\u00f6rderung eines technologieorientierten Kulturverst\u00e4ndnisses und eines kulturorientierten Technikverst\u00e4ndnisses zuteil wurde, ist die Technologiestiftung Schleswig-Holstein auch vielfach von sich aus t\u00e4tig geworden, um zukunftsweisenden Fragestellungen nachzugehen, deren Relevanz f\u00fcr die regionalen Wirtschafts- und Bildungsstrukturen erst auf lange Sicht durchschlagen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die von der TSH formulierte Zielsetzung, zur Schaffung und Unterst\u00fctzung von Strukturen beizutragen, die es technologisch innovativen Unternehmen in SH erm\u00f6glichen, sich hier zu gr\u00fcnden, sich anzusiedeln, zu wachsen und zukunftsf\u00e4hige Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen, erfordert eine T\u00e4tigkeit, die an der Schnittstelle zwischen Produkt- und Prozessorientierung liegt. Die von der Technologiestiftung Schleswig-Holstein realisierten oder unterst\u00fctzten Projekte zielen also sowohl auf die Hervorbringung innovativer konkret-technologischer oder methodischer L\u00f6sungen wie auf die Herstellung innovativer kultureller Rahmenbedingungen. So sind die indirekten Zielsetzungen f\u00fcr eine erfolgreiche regionale Technologiepolitik und die Entwicklung einer zukunftsf\u00e4higen Struktur in Schleswig-Holstein genauso entscheidend wie die vielen sichtbaren Einzelprojekte in den Technologiefeldern. Die Verwobenheit direkter Projekte, z.B. zur Digitalisierung des kulturellen Erbes oder zur Simulation technologischer Entwicklungen, mit Aktivit\u00e4ten zur Methodenentwicklung oder zum Aufbau von Strukturen bilden dabei eine Matrix, die sowohl direkte Ergebnisse in Form von Produkten hervorbringt als auch immaterielle Resultate zur Schaffung einer Transformationskultur.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-03.jpg\" data-lbwps-width=\"1089\" data-lbwps-height=\"651\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-03-300x179.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1207\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-03.jpg\"    alt=\"\"  width=\"1089\" height=\"651\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-03.jpg 1089w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-03-300x179.jpg 300w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-03-1024x612.jpg 1024w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-03-768x459.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1089px) 100vw, 1089px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Basiskonstruktion der Technologiestiftung Schleswig-Holstein ist &#8211; nicht zuletzt wegen der hier skizzierten Strukturelemente &#8211; in 11 anderen Regionen, z.B. Berlin und Hamburg, auf nachhaltiges Interesse gesto\u00dfen. Ihre Wirksamkeit entfaltet sie jedoch erst vor dem Hintergrund spezifischer Annahmen \u00fcber die Wechselwirkung von Technik, Wirtschaft und Gesellschaft und in Kombination mit einer Reihe verschiedener, untereinander kombinierbarer Methoden zur Bestimmung und Bearbeitung der gew\u00e4hlten Arbeitsschwerpunkte. Diese k\u00f6nnen mit dem Begriff der Technologietransformation geb\u00fcndelt werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4. Grundlagen und Strukturen der Technologietransformation<\/h2>\n\n\n\n<p>Mit den vielf\u00e4ltigen Wirkungszusammenh\u00e4ngen zwischen Technik\/technologischen Ver\u00e4nderungen, Wirtschaft\/\u00f6konomischem Handeln und Gesellschaft befassen sich verschiedene Disziplinen. Die Volks- und Betriebswirtschaftslehre, die Kultur- und Sozialwissenschaften und auch technikbasierte Disziplinen entwickeln je eigene Vorstellungen davon, wie diese Zusammenh\u00e4nge aussehen oder aussehen sollten. In der T\u00e4tigkeit der Technologiestiftung Schleswig-Holstein wird die Technologie [T] als \u00bbdriving force\u00ab (treibende Kraft) angesehen, die Ver\u00e4nderungen in der \u00d6konomie [W], in der Kultur &#8211; in der Gesellschaft [G] insgesamt ausl\u00f6st. Diese grunds\u00e4tzliche Annahme \u00fcbersieht nicht, dass es zwischen diesen drei Faktoren zu vielf\u00e4ltigen R\u00fcckkoppelungen und Interdependenzen kommt, die es im Einzelfall nahezu unm\u00f6glich machen, die wesentlichen Faktoren zu identifizieren, die einer neuen Technologie zum Durchbruch und zur breiten Diffusion verhelfen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_04.jpg\" data-lbwps-width=\"1075\" data-lbwps-height=\"682\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_04-300x190.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1208\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_04.jpg\"    alt=\"\"  width=\"1075\" height=\"682\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_04.jpg 1075w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_04-300x190.jpg 300w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_04-1024x650.jpg 1024w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_04-768x487.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1075px) 100vw, 1075px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>In der gesellschaftlichen Wirklichkeit und damit f\u00fcr die Anforderung an gestaltende Politik ist jedoch zu ber\u00fccksichtigen, dass die \u00e4u\u00dferst hohe Dynamik der Technologieentwicklung ma\u00dfgeblich zur Entstehung der Multi-Optionsgesellschaft beitr\u00e4gt. Diese ist einerseits da\u00b7 durch charakterisiert, dass die technologischen Potenziale in Wirtschaft und Gesellschaft in unterschiedlicher Art und Weise und in unterschiedlicher Geschwindigkeit aufgegriffen werden, so dass sich unterschiedlich gelagerte neue \u00f6konomische und gesellschaftliche Subsysteme bilden. Zum anderen kennzeichnet sie, dass Strukturen sich rasch ver\u00e4ndern und oft nur vor\u00fcbergehend existieren.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_05.jpg\" data-lbwps-width=\"1158\" data-lbwps-height=\"1423\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_05-244x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1209\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_05.jpg\"    alt=\"2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_05\"  width=\"1158\" height=\"1423\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_05.jpg 1158w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_05-244x300.jpg 244w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_05-833x1024.jpg 833w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_05-768x944.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1158px) 100vw, 1158px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Insbesondere unter dem Einfluss der Informations- und Kommunikationstechnologien entstehen sowohl in der \u00d6konomie wie in der Gesellschaft verschiedene Sub-Gesellschaften bzw. &#8211; Wirtschaften, die u.a. durch eine unterschiedliche Anpassungsgeschwindigkeit an die Zw\u00e4nge charakterisiert sind. Auf diese Entwicklung haben die staatlichen Strukturen bisher keine Antwort gefunden. Der technologisch getriebene Umbruch in der Gesellschaft ist mit bisherigen staatlichen Ans\u00e4tzen nicht mehr wirkungsvoll zu gestalten. Legislative Ma\u00dfnahmen beispielsweise sind wenig wirksam, wenn sie nicht perspektivisch Entwicklungen der Zukunft vorauszusehen und zu ber\u00fccksichtigen verm\u00f6gen. Auch eine Technologiepolitik, in der Wunschdenken den Blick auf das Notwendige und das Machbare verstellt, wird keine positiven Beitr\u00e4ge zur Zukunftsgestaltung bringen. Zukunftssichernde Technologiepolitik bedarf allerdings eines ganzheitlichen Ansatzes und darf sich nicht in den einzelnen Sub-Systemen der Multi-Options-Gesellschaft verlieren. Vielmehr geht es um die Ableitung verallgemeinerbarer Gestaltungsaufgaben, die Transformation von Strukturen und den kulturellen Wandel.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein kulturelles Verst\u00e4ndnis, welches entsprechenden Adaptionsherausforderungen im Grundsatz offen gegen\u00fcbersteht, bzw. ein \u00f6konomisches Verst\u00e4ndnis, das zur Beteiligung am Aufbau innovativer Strukturen ermutigt, kann einer Region &#8211; ihren Unternehmen und ihrer Bev\u00f6lkerung &#8211; helfen, die notwendigen Kompetenzen zu entwickeln, um mit solch konflikthaften Prozessen konstruktiv umzugehen. Konflikte sind notwendige Folge technologischer Innovationen, da sie auf fr\u00fcheren technologischen Entwicklungen aufbauende Strukturen, Zielvorstellungen oder Ziel-Mittel-Relationen mit neuen Ans\u00e4tzen konfrontieren und deren oft kurzfristige und umfassende Adaption einfordern, wobei diese Anpassung einer zus\u00e4tzlichen Dynamik unterworfen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Technologiestiftung Schleswig-Holstein ist die Institution im Land, die solche Konflikte erzeugen bzw. als Innovationsdruck organisieren muss, damit zun\u00e4chst der Gedanke an eine neue Technologie und die damit verbundenen Struktur\u00e4nderungen \u00fcberhaupt zugelassen wird und neue Strukturen und Kompetenzen im Folgenden dann auch realisiert werden. Diese produktive Rolle kann die Technologiestiftung nur aufgrund ihres hohen Ma\u00dfes an Unabh\u00e4ngigkeit und der breiten Unterst\u00fctzung gesellschaftlicher Akteure ausf\u00fcllen. Hier ist insbesondere die Unterst\u00fctzung durch den Schleswig-Holsteinischen Landtag zu nennen, mit dem es vielf\u00e4ltige Interaktionen gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Steht im Mittelpunkt der T\u00e4tigkeit der Technologiestiftung Schleswig-Holstein die strategisch ausgerichtete Technologietransformation, d.h. die systematische Entwicklung von innovativen Technologiefeldern einschlie\u00dflich der damit verbundenen Struktur- und Methodeninnovationen sowie der Aufbau einer zukunftsorientierten Technologietransferstruktur in der Region, so bedarf es zugleich leistungsf\u00e4higer Technologietransferierer, die unmittelbar mit den Unternehmen kooperieren. Diese Institutionen, Institute oder Verb\u00e4nde sind Kooperationspartner der Technologiestiftung und sind in der Regel auf der Ebene einzelner Technologien und der durch sie ausgel\u00f6sten Adaptationsanforderungen t\u00e4tig.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesen Kooperationspartnern, deren wesentliche Aufgabe in einer technischen Dienstleistungsfunktion besteht, unterh\u00e4lt die Technologiestiftung Schleswig-Holstein Kontakte unterschiedlicher Intensit\u00e4t, Dichte und Kontinuit\u00e4t. Von Anfang an gibt es eine vielf\u00e4ltige Kooperation mit der Technologie-Transfer-Zentrale Schleswig-Holstein GmbH, an der die Stiftung 50% der Gesellschafteranteile besitzt. Die \u00fcbrigen Anteile werden von den drei Industrie- und Handelskammern im Land Schleswig-Holstein gehalten. An anderen Institutionen h\u00e4lt die Technologiestiftung Schleswig-Holstein weitere, zeitlich befristete Anteile.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_06.jpg\" data-lbwps-width=\"1079\" data-lbwps-height=\"682\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_06-300x190.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1210\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_06.jpg\"    alt=\"2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_06\"  width=\"1079\" height=\"682\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_06.jpg 1079w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_06-300x190.jpg 300w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_06-1024x647.jpg 1024w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_06-768x485.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1079px) 100vw, 1079px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>In Schleswig-Holstein orientiert sich das Modell der Technologief\u00f6rderung daran, f\u00fcr die phasenspezifischen Hemmnisse des Technologie-Transferprozesses spezifische Einrichtungen und Methoden bereitzustellen, um den Transferanteil zu erh\u00f6hen und den Transfer-Prozess zu verk\u00fcrzen. Die entsprechende urspr\u00fcngliche Kernstruktur wurde von der Technologiestiftung Schleswig-Holstein und der Technologie-Transfer-Zentrale ttz GmbH gestellt. Mit der Errichtung der GmbHs an Fachhochschulen des Landes Schleswig-Holstein ist seit Mitte der 90er Jahre ein weiteres Werkzeug entstanden, das neben besch\u00e4ftigungspolitischen Zielen aktiv den Prozess des Technologietransfers zwischen Hochschule und Wirtschaft mitgestalten kann. Jungingenieure arbeiten dabei in den R\u00e4umen der Fachhochschule und unter Anleitung von Hochschullehrern an gemeinsamen F&amp;E-Projekten mit KMU. Dies soll nicht nur die berufliche Qualifikation der Absolventen verbessern und ihnen pers\u00f6nliche Kontakte in Unternehmen erm\u00f6glichen, sondern greift auch die Verlagerung von F&amp;E-Aktivit\u00e4ten aus Unternehmen auf externe Institutionen auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den \u00fcbrigen Kooperationspartnern z\u00e4hlen zahlreiche Institute und Fakult\u00e4ten an Hochschulen des Landes Schleswig-Holstein, in der Region ans\u00e4ssige Forschungseinrichtungen, die Technologieberatungsstelle der Gewerkschaften, Landesministerien und technologie-orientierte Unternehmen, von denen ein Teil im n\u00e4heren oder weiteren Umfeld der Technologiestiftung als technische Dienstleister (TDL) bezeichnet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zun\u00e4chst realisierte innovative Ansatz einer engen Verkoppelung des Transformationsprozesses mit Technologietransfer-Ma\u00dfnahmen in Form einer engen Kooperation von Technologiestiftung Schleswig-Holstein und Technologie-Transferzentrale ist angesichts eines Bedeutungszuwachses der Hochschulen in Technologietransfer relativiert worden. Dies ist ein Ergebnis der durch die Technologiestiftung unterst\u00fctzten, jedoch keineswegs abgeschlossenen Anpassungsleistungen der Hochschulen in Schleswig-Holstein im Sinne unternehmensorientierter Anbieter von technischen Dienstleistungen. Die Hochschulen bieten qualifiziertes Personal, das in den Unternehmen zum Teil abgebaut wurde, f\u00fcr eine F&amp;E-Nachfrage, die tendenziell eher zu- als abnimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Prozess des Zusammenwirkens verschiedener Technikbereiche werden immer neue Ber\u00fchrungspunkte erzeugt und damit die M\u00f6glichkeit der Entstehung neuer Technologien und Produkte vervielfacht. Transferaktivit\u00e4ten von Hochschulen oder Transfereinrichtungen unterst\u00fctzen diese Entwicklung operativ, die Technologiestiftung Schleswig-Holstein mit ihrem holistischen Transformationsansatz strategisch. Gemeinsamer Handlungsrahmen dieser Akteure ist die Region.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5. Die Region als Koordinatensystem der Technologietransformation<\/h2>\n\n\n\n<p>Drei wesentliche Entwicklungen bestimmen heute das Umfeld von Unternehmen. Erstens: die Entwicklung von der lnternationalisierung zur Globalisierung, die u.a. durch das Auftreten von weltweit t\u00e4tigen Unternehmen in einigen Wirtschaftszweigen zu charakterisieren ist. Zweitens: die Einrichtung des einheitlichen europ\u00e4ischen Marktes und der Wirtschafts- und W\u00e4hrungsunion sowie drittens: die \u00dcberwindung der Blockkonfrontation und damit ein zunehmender Wettbewerb mit den Transformationsgesellschaften in Osteuropa. Unternehmen k\u00f6nnen auf verschiedene Weise mit dieser Herausforderung umgehen, aber es besteht weitgehende \u00dcbereinstimmung darin, dass neue Technologien und damit einhergehend neue Formen der Arbeitsorganisation und des Managements eine zentrale Rolle dabei spielen, ob und wie Unternehmen sich erfolgreich in dynamisch entwickelnden M\u00e4rkten in europ\u00e4ischen bzw. weltweiten Ma\u00dfst\u00e4ben behaupten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Globalisierung und die Entwicklung und Diffusion der luK-Technologien haben zur \u00bbMa\u00dfstabsvergr\u00f6\u00dferung\u00ab des wirtschaftlichen Handelns gef\u00fchrt. Unternehmen sehen sich heute mit verk\u00fcrzten Produktlebenszyklen, zunehmendem Kostendruck, wachsenden Anforderungen an die Produktqualit\u00e4t und den Service sowie neuen Gesch\u00e4ftsmodellen konfrontiert. Die luK-Technologien haben dies forciert und sind zugleich das Werkzeug, um mit diesen Herausforderungen des globalen Marktes umzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die regionale Politik und f\u00fcr regional bezogenes Gestaltungshandeln insgesamt ergibt sich die fatale Situation, f\u00fcr eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung verantwortlich zu sein, obwohl die eigentlichen Steuerungsgr\u00f6\u00dfen nicht auf einem regionalen Niveau bestimmt werden k\u00f6nnen. Der Machtverlust des Staates nimmt zu, wird aber nur teilweise durch das Marktgeschehen kompensiert. Die Machtverschiebung hat eine Dynamik angenommen, die von Seiten der staatlichen Akteure noch nicht ausreichend wahrgenommen wird. In historischer Perspektive wird deutlich, wie sehr Staat (und Kirche) ihre urspr\u00fcngliche Steuerungsfunktion verloren haben. Der Markt hat sich nicht an ihre Stelle setzen k\u00f6nnen; stattdessen nehmen Oligopole, die hier nicht streng volkswirtschaftlich, sondern vor allem als organisierte, auf gegenseitige Vereinbarung abzielende Interessengruppen verstanden werden, eine immer st\u00e4rkere Stellung in den Strukturen und Machtgef\u00fcgen ein. In gewisser Weise agiert auch die Technologiestiftung Schleswig-Holstein als Oligopol, indem sie in einem Kontext, in dem die beschriebene Machtverschiebung vor allem als Ohnmacht bisheriger Akteure wahrgenommen wird, zweck- und interessenorientierte Vereinbarungen mit den Akteuren auf regionaler Ebene organisiert.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_07.jpg\" data-lbwps-width=\"1091\" data-lbwps-height=\"832\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_07-300x229.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1211\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_07.jpg\"    alt=\"2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_07\"  width=\"1091\" height=\"832\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_07.jpg 1091w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_07-300x229.jpg 300w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_07-1024x781.jpg 1024w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_07-768x586.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1091px) 100vw, 1091px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Entwicklung und Diffusion der Informations- und Telekommunikationstechnologien hat die Globalisierung von Waren- und im Besonderen von Finanzm\u00e4rkten beschleunigt. Die verallgemeinerte M\u00f6glichkeit des Zugangs zu Informationen, innerhalb wie zwischen einzelnen M\u00e4rkten, bedeutet, so eine popul\u00e4re Lesart aktueller Entwicklungstrends, dass im Grundsatz jeder Ort im Wettbewerb die gleichen Chancen hat. In diesem Fall spielt die geographische Verortung keine Rolle. Es mag unter solchen Umst\u00e4nden so aussehen, dass im Zeitalter von Internet, E-mail und Digitalisierung r\u00e4umliche Faktoren bedeutungslos werden. Manche Beobachter sehen die Entregionalisierung (disembedding) mit einer Zunahme weitr\u00e4umiger Beziehungsnetze korrespondieren, die \u00fcber Telekommunikation und schnelle Verkehrsmittel m\u00f6glich werden. Folgt man dieser Sichtweise, so stellen stark pers\u00f6nlich gepr\u00e4gte Beziehungsnetze im regionalen Handlungsrahmen ein \u00bbauslaufendes Modell\u00ab dar, w\u00e4hrend lockere Vernetzungen mit hoher sozialer Beweglichkeit und verminderter gegenseitiger Abh\u00e4ngigkeit sich verbreiten, in denen der einzelne Netzwerkpartner ohne weiteres durch eine andere Person ersetzbar ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wissenstypen und r\u00e4umliche N\u00e4he<\/h3>\n\n\n\n<p>Gegen eine \u00dcberbewertung entsprechender Interpretationen bleibt jedoch festzuhalten, dass die Reduzierung von Kommunikations- und Transportkosten zugleich dazu tendiert, Information und Produktion an den Orten zu konzentrieren, die mit diesen Faktoren am besten ausgestattet sind. Tatsache bleibt n\u00e4mlich, und dies relativiert die Reichweite der oben skizzierten Interpretationen deutlich, dass Wissen an bestimmten Orten entsteht und dort auch oft genutzt und verbessert wird. Insbesondere das Humankapital, beispielsweise als qualifizierte und flexible Spezialisten f\u00fcr die Software-Industrie, ist bei der Ansiedlungsstrategie von Unternehmen, sei es f\u00fcr Produktion oder f\u00fcr Forschung, auch weiterhin von Bedeutung. Insofern bleibt die r\u00e4umliche Dimension auch zuk\u00fcnftig relevant: Neue Kommunikationstechnologien ver\u00e4ndern die r\u00e4umlichen Muster von Entwicklung. Das kann als ein Bedeutungsverlust von Entfernungen gesehen werden, jedoch nicht als v\u00f6llige Bedeutungslosigkeit der r\u00e4umlichen Dimension. Es bedarf also auch weiterhin der F\u00e4higkeit zur Vernetzung innerhalb der Region, um den Wandlungsprozess gestalten zu k\u00f6nnen. Aus diesem Grund hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein die von ihr ausgew\u00e4hlten oder selbst initiierten Projekte immer auch unter dem Gesichtspunkt bewertet, ob sie die intraregionale Kooperationsf\u00e4higkeit verbessern oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Stellenwert der r\u00e4umlichen N\u00e4he ist von Wissenstyp zu Wissenstyp verschieden. W\u00e4hrend Information als schlichte Benennung von Tatsachen zu verstehen ist, handelt es sich bei Wissen um Informationen, die als Variablen untereinander in Beziehung gesetzt oder nach gewissen Regeln verallgemeinert wurden. So k\u00f6nnen spezifische Teilinformationen nur im Rahmen eines bestimmten Wissenskontextes, z.B. einer Theorie, angemessen interpretiert werden. Neues Wissen bringt neue Informationen hervor. Diese k\u00f6nnen jedoch in erster Linie von denen genutzt werden, die den Wissenskontext teilen. In diesem Sinne ist Wissen kumulativ und regional potenzierbar. Auf die entsprechenden Prozesse wirkt die T\u00e4tigkeit der Technologiestiftung Schleswig-Holstein dynamisierend.<\/p>\n\n\n\n<p>Die k\u00fcnftige Technikentwicklung ist durch einen Umbruch im Innovationsgeschehen in Richtung auf einen neuen Modus wissensbasierter Innovationsprozesse gekennzeichnet, bei dem nicht mehr die disziplin\u00e4r gebundene und vorwiegend interne Wissensnutzung im Vordergrund steht, sondern die transdisziplin\u00e4re und transinstitutionelle Wissensgewinnung und -nutzung. Lange Zeit dominierte ein Wissenstyp, der stark disziplin\u00e4r orientiert, wissenschafts-basiert und hierarchisch war und mit einem linearen Modell des Wissensflusses verkn\u00fcpft war. Insbesondere der letztgenannte Aspekt ist f\u00fcr den Wandel von Organisationsstrukturen und der Arbeitsorganisation von betr\u00e4chtlicher Bedeutung. Bei diesem Wissenstyp waren Organisationsstruktur und Arbeitsorganisation daran ausgerichtet, dass die Entwicklung und Anwendung von Wissen im Wesentlichen in linearer, zweckdienlicher Weise stattfand. So waren die wesentlichen Orte der Forschung zu regionaler Entwicklung zentrale Planungsb\u00fcros und Universit\u00e4tsabteilungen, nationale Ministerien oder deren Abteilungen f\u00fcr Regionalentwicklung. Die Forschung folgte etablierten Methoden und Verfahren; die Umsetzung der dort entwickelten Konzepte erfolgte top-down. Damit traf sich dieses alte Verst\u00e4ndnis gut mit traditionellen Verfahren und einem Selbstbild von politischen Akteuren als den Ordnern und F\u00f6rderern von wirtschaftlichen Aktivit\u00e4ten durch den Einsatz externer Stimuli und korrigierender Mechanismen. Dies geschah oft weitgehend unabh\u00e4ngig vom tats\u00e4chlichen Marktgeschehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der neue Wissenstyp geht davon aus, dass Wissen heterogener, transdisziplin\u00e4rer und fl\u00fcchtiger ist. Er ist st\u00e4rker verkn\u00fcpft mit \u00bbtacit knowledge\u00ab und gewinnt seine Dynamik durch assoziative Verwertung und Weiterentwicklung. So betont auch das aktuelle Verst\u00e4ndnis von Innovationsprozessen den \u00bbimpliziten\u00ab und nicht-kodifizierten Charakter von neuer Technologie, die besondere Bedeutung des learning-by-doing sowie das kumulative Wesen des Lernens. Weil Innovation meist durch das Lernen in Netzwerken charakterisiert ist, sind Kontakte und Interaktionen wesentliche Werkzeuge zur Erzeugung und beim Transfer von neuem Wissen. Insofern dieser Wissenstyp also kontextspezifischer ist, kann er auch st\u00e4rker sozialverantwortlich und reflektierend sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der heterogene, interdisziplin\u00e4r-kontextspezifische Wissenstyp ist kumulativ und kollektiv und bewegt sich zwischen den Extremen v\u00f6llig impliziten Wissens und vollst\u00e4ndig kodifizierten Wissens. Der Wissensfundus beinhaltet Wissen in allen erdenklichen Formen: von einfachen und routinierten Abl\u00e4ufen des Alltags bis zu Organisations- und Managementmethoden, von maschinellen Kenntnissen bis zu wissenschaftlichen Konzepten, Methoden und Theorien, welche Innovationen erm\u00f6glichen. In den meisten F\u00e4llen liegt dieses Wissen irgendwo zwischen v\u00f6llig implizitem und vollst\u00e4ndig kodifiziertem Wissen. Meist ist Wissen aber zumindest bei denjenigen in impliziter Form vorhanden, die dieses Wissen entwickelt haben. Andererseits ist dessen Kodifizierung notwendig, weil die Entwicklung von Wissen ein kollektiver Prozess ist, also Kommunikation erforderlich macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt spielt der neue Wissenstyp eine bedeutende Rolle f\u00fcr die regionale Entwicklung. Aus diesem Grund hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein eine Vielzahl von Projekten und Ans\u00e4tzen gef\u00f6rdert &#8211; zu nennen sind hier z.B. die Landesinitiative Schulen ans Netz, Medienkompetenz und Structures of Learning -, die die materiellen und methodischen Rahmenbedingungen f\u00fcr diesen neuen Wissenstyp schaffen sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00e4umliche N\u00e4he kann sich positiv auf den Wissens- und Technologietransfer zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen auswirken, da es sich hierbei nicht um die blo\u00dfe Weitergabe von einfach strukturierten Informationen handelt, sondern \u00fcberwiegend um komplexes und nur schwer kodifizierbares Wissen, welches auf ganz spezifische Unternehmensbed\u00fcrfnisse und -verh\u00e4ltnisse angewendet werden muss. R\u00e4umliche N\u00e4he zwischen Innovationsakteuren ist besonders dann wichtig beim Wissenstransfer, wenn viel implizites Wissen und die Reduzierung von Unsicherheiten darin enthalten sind. Solche Situationen treten insbesondere bei jungen Technologien und neuen Produkten auf, f\u00fcr die es noch keine Normen und standardisierte Kommunikationscodes gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein betr\u00e4chtlicher Teil des f\u00fcr Innovationen relevanten Wissens ist lediglich als implizites Wissen in den K\u00f6pfen erfahrener Forscher und Ingenieure vorhanden. Dieses in Personen verk\u00f6rperte Wissen ist im Allgemeinen schwer zu transferieren, zumal es h\u00f6chstens vom Umfeld geteilt wird, sofern es durch gemeinsame (Forschungs-)T\u00e4tigkeit \u00fcber einen gemeinsamen Code verf\u00fcgt. Wenn es zutrifft, dass aus der Wissensproduktion Spillovers hervorgehen, ein betr\u00e4chtlicher Teil des erzeugten Wissens implizit ist und neue Produkte und Prozesse von der kritischen Kommentierung durch alle beteiligten Partner profitieren, dann gibt es eine relevante r\u00e4umliche Dimension hinsichtlich der Erzielung von positiven Wettbewerbseffekten in der \u00bblernenden Region\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>In der aktuellen Phase des Wechsels von einem zum anderen Wissenstyp existieren beide parallel in unterschiedlichen Einrichtungen der Region. W\u00e4hrend beispielsweise die Technische Fakult\u00e4t der Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel in den Bereichen forscht, die noch gar nicht in abgrenzbaren Forschungsprogrammen zu beschreiben sind, bewegen sich andere Universit\u00e4tsinstitute in Zielvorgaben, die den Forschungsgegenstand und -fortschritt pr\u00e4zise zu definieren verm\u00f6gen. Diese Entkoppelung f\u00fchrt als Zusammensto\u00dfen zweier Welten notwendig zu Konflikten.<\/p>\n\n\n\n<p>Meist wird r\u00e4umliche N\u00e4he als positiv f\u00fcr den Transfer und die Absch\u00f6pfung von technologischem und wissenschaftlichem Wissen bewertet. Wissen verbreitet sich dabei vor allem informell, d.h. durch pers\u00f6nliche Begegnungen, Treffen oder Seminare. Je impliziter und komplexer die Wissensbasis ist, vor allem wenn es sich um Teile gr\u00f6\u00dferer Systeme handelt, je unternehmensspezifischer und wettbewerbsrelevanter, um so f\u00f6rderlicher ist die r\u00e4umliche N\u00e4he f\u00fcr die \u00dcbermittlung des Wissens, da es nicht unmittelbar transferierbar ist, sondern dichte, vertrauensw\u00fcrdige und kontinuierliche Kommunikationswege erfordert. Umgekehrt gilt: je kodifizierter, einfacher und weniger kontextgebunden das relevante Wissen ist, umso weniger bedeutsam ist die r\u00e4umliche N\u00e4he der beteiligten Akteure.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Differenzierung spezifiziert die Erkenntnis, dass f\u00fcr die \u00dcbermittlung von Informationen Distanzen irrelevant sind, die \u00dcbermittlungskosten jedoch zunehmen, wenn es sich um den Transfer von Wissen handelt. Schlie\u00dflich l\u00e4sst sich auch festhalten, dass die r\u00e4umliche N\u00e4he f\u00fcr den Wissenstransfer in den verschiedenen Wirtschaftszweigen unterschiedliche Relevanz besitzt, weil deren Wissensbasis &#8211; gemessen an der lmplizit\u00e4t, der Kodifizierung, der Komplexit\u00e4t, etc. &#8211; jeweils vom industriellen Kontext abh\u00e4ngt und damit differiert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ver\u00e4nderung des Innovationscharakters<\/h3>\n\n\n\n<p>Bei jeder Innovationsaktivit\u00e4t steht die Generierung und Anwendung neuen Wissens im Mittelpunkt. Mit dem Transfer von Wissen erweist sich die Innovation als arbeitsteiliger Prozess. Das interaktive Wesen des Innovationsprozesses hat die Unterscheidung zwischen lnnovation und Diffusion neuer Technologien weitgehend obsolet gemacht. Die Hervorbringung von Wissen und seine Anpassung sind daher zunehmend Teil ein und desselben Vorgangs. Zugleich ist Technologieentwicklung heute durch Multi- und lnterdisziplinarit\u00e4t gekennzeichnet, was sich auch in einer engen Verbindung von Grundlagen- und anwendungsbezogener Industrieforschung zeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Lineare Modelle des Innovationsprozesses sind einem interaktiven Verst\u00e4ndnis der Innovation gewichen. Dabei geht es beispielsweise um die R\u00fcckkoppelungseffekte zwischen technologie-bezogenen und markt-bezogenen Phasen der Innovationsentwicklung, um die zahlreichen Beziehungen der verschiedenen innovationsrelevanten Aktivit\u00e4ten untereinander (sowohl in den Firmen als auch in den mit ihnen kommunizierenden Netzwerken) sowie um die zentrale Rolle des Industriedesigns (im weitesten Sinne) im Rahmen des Innovationsprozesses. Denn allgemein gesprochen enth\u00e4lt letzteres zwei Dimensionen: das Erfindungsdesign, in dem die Erfindung ihren (ersten) Ausdruck findet, und das analytische Design, das in der Untersuchung neuer Kombinationen bereits bestehender Produkte und Komponenten beziehungsweise in der Neuordnung von Prozessen besteht.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_08.jpg\" data-lbwps-width=\"319\" data-lbwps-height=\"1488\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_08-64x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1212\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_08.jpg\"    alt=\"2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_08\"  width=\"319\" height=\"1488\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_08.jpg 319w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_08-64x300.jpg 64w\" sizes=\"auto, (max-width: 319px) 100vw, 319px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Erkenntnis vom interaktiven Charakter des Innovationsprozesses hat zur \u00dcberwindung der fr\u00fcheren Unterscheidung von Innovation und Diffusion gef\u00fchrt. Die Erzeugung, die Aufnahme und der Transfer von Wissen durch Unternehmen erfordert die Ber\u00fccksichtigung der Verschr\u00e4nktheit dieser Facetten. Denn Innovation und Diffusion gehen gew\u00f6hnlich aus einem interaktiven und kollektiven Prozess hervor, der im Kontext personeller und institutioneller Verbindungen im Laufe der Zeit entsteht und an Verbindlichkeit und Gestaltungskraft gewinnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Verlauf technologischer Innovationen ist nicht zwangsl\u00e4ufig linear, also etwa von der Grundlagen- zur angewandten Forschung und dann \u00fcber die Entwicklungs- und Einf\u00fchrungsphase zum neuen Produkt. Vielmehr existiert ein Geflecht von R\u00fcckkoppelungsmechanismen zwischen Forschung, Technologie, Produktion und Markt, die dem Innovationsprozess einen evolution\u00e4ren Charakter verleihen. Daher haben Kommunikation und Kooperation f\u00fcr erfolgreiche Innovationsprozesse an Bedeutung gewonnen. Diese finden sowohl zwischen Unternehmen untereinander als auch zwischen Unternehmen und anderen Akteurstypen wie z.B. \u00f6ffentlichen Forschungseinrichtungen oder Transferagenturen statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Innovationsergebnis eines Unternehmens h\u00e4ngt damit nur zum Teil von der Quantit\u00e4t und der Qualit\u00e4t der von ihm hierf\u00fcr eingesetzten Ressourcen ab. Eine wesentliche Rolle f\u00fcr den Innovationserfolg spielen auch die F\u00e4higkeiten und Kapazit\u00e4ten der am arbeitsteiligen Innovationsprozess beteiligten Partner. Schlie\u00dflich ist auch die nicht selten staatlich unterst\u00fctzte Form der Organisation der innovativen Arbeitsteilung bedeutsam. Daher betont die neuere Innovationsforschung nicht mehr ausschlie\u00dflich die Bedeutung einzelner lnnovatoren, sondern hebt auf ganze Innovationssysteme, Netzwerke bzw. Milieus ab, zu denen dann auch \u00f6ffentliche Forschungseinrichtungen und dienstleistende Unternehmen geh\u00f6ren. Die Wettbewerbsf\u00e4higkeit einer Region h\u00e4ngt damit stark von Wissenstransfers ab; die geographische Konzentration von Wissenstransfers spielt eine zunehmend wichtige Rolle bei der Gestaltung regionaler Wettbewerbsstrukturen. Dabei sind regionale Innovationssysteme ein bedeutsames Leitbild.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Region und Innovation<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Verst\u00e4ndnis von Region hat sich im Laufe der Zeit betr\u00e4chtlich gewandelt. Sie wird nur noch selten als geographischer Standort wirtschaftender Einheiten verstanden, stattdessen als spezieller Wirkzusammenhang r\u00e4umlicher Kooperations- und lnteraktionsbeziehungen, die in einen durch Traditionen, Institutionen, soziale Bez\u00fcge und durch das regionale Humanpotenzial gepr\u00e4gten Kontext eingebettet sind. Damit wird die Bedeutung insbesondere von intersektoralen und interdisziplin\u00e4ren Kooperationen f\u00fcr Innovationen sehr hoch angesetzt. Wenn wirkungsvoller Technologietransfer in betr\u00e4chtlichem Ausma\u00df durch die enge Zusammenarbeit von Personen entsteht, die an der Entwicklung und\/oder Anwendung einer Technologie unmittelbar beteiligt sind, so bleibt Technologietransfer trotz der Umw\u00e4lzung der Kommunikationstechnologien und der fortschreitenden Globalisierung vor allem ein \u00bbcontact sport\u00ab. Auch wenn die Internationalit\u00e4t zunimmt, bleiben zentrale Parameter der Entwicklung und Nutzung von Technologien (F&amp;E-lnfrastruktur, Humankapital, allgemeines Innovationsumfeld) stark national bzw. regional gepr\u00e4gt. Erfolgreiches Management neuer Technologien muss daher zu den regionalen Kernkompetenzen geh\u00f6ren. Andererseits muss zukunftsorientierte Regionalpolitik die Technologie in ihrer vollen Breite unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Technologiemanagement ist Ausdruck einer Renaissance regionaler Strukturpolitik, die sich deutlich von den Top-down-Verteilungsmodellen der Nachkriegsjahrzehnte unterscheidet, aber zugleich aktiver als der laissez-faire-Ansatz der 80er ist. Wichtigste Charakteristika sind die bedeutende \u00bbRolle\u00ab, die lokale Organisationen bei der Gestaltung regionaler Politik spielen, der Fokus auf die St\u00e4rkung der Wettbewerbsvorteile und die besondere Beachtung, die der Verbesserung der regionalen Produktionssysteme gewidmet wird. In vielen F\u00e4llen beinhaltet dies auch &#8211; wie in Schleswig-Holstein am Beispiel der Initiative Informationsgesellschaft nachvollziehbar &#8211; die Zusammenarbeit von Akteuren verschiedener Herkunft: aus dem Bereich der regionalen Politik, der Bundesebene und der Europ\u00e4ischen Kommissionen, Qualifizierungseinrichtungen, regionale Entwicklungsagenturen, Institutionen und Verb\u00e4nde u.v.m. Dementsprechend haben sich Entwicklung und Umsetzung regionaler Politik zu einem Teil eines komplexeren Systems staatlichen Handelns umgebildet, das gro\u00dfen Wert auf Konsultation, Netzwerke, Partnerschaften und Konsensbildung legt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schl\u00fcssel zur globalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit liegt in einer erfolgreichen regionalen Technologiepolitik, denn die technologische Innovationsf\u00e4higkeit f\u00f6rdert die wirtschaftliche Prosperit\u00e4t, und die regionale Ebene bietet gute Voraussetzungen, um \u00fcber einen gezielten Technologietransfer den wirtschaftlichen Strukturwandel zu beschleunigen und zu unterst\u00fctzen. Dabei muss das spezifische regionale Innovationssystem nicht nur<\/p>\n\n\n\n<p>a) den Transfer von Wissen in der Region unterst\u00fctzen, sondern auch<\/p>\n\n\n\n<p>b) den Abfluss von neuem Wissen aus der Region erschweren sowie<\/p>\n\n\n\n<p>c) den Zufluss neuen Wissens von au\u00dferhalb der Region st\u00e4rken, sei es durch die Ansiedlung innovativer Unternehmen oder den Zuzug von Wissenschaftlern.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Transfer von nicht oder nur mit gro\u00dfem Aufwand kodifizierbarem Wissen (sog. \u00bbimplizites\u00ab Wissen) ist nach wie vor an Personen gebunden und erfordert direkte pers\u00f6nliche Begegnung. R\u00e4umliche N\u00e4he, gew\u00f6hnlich in der Region gegeben, erweist sich daher als Vorteil, der keineswegs mit einer \u00bbprovinziellen\u00ab Beschr\u00e4nkung einhergehen muss. Zur innovationsbasierten Regionalentwicklung geh\u00f6ren intraregionale Netzwerke, die f\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen (KMU) auch die Nutzung von Know-how aus internationalen Netzwerken unterst\u00fctzen. Die Technologiestiftung Schleswig-Holstein hat &#8211; in Kooperation etwa mit den Unternehmensverb\u00e4nden und Industrie- und Handelskammern der Region &#8211; den entsprechenden Transfer organisiert, indem sie beispielsweise in Seminaren und Workshops internationale Forschungsergebnisse vorgestellt hat.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kleine und mittlere Unternehmen<\/h3>\n\n\n\n<p>Betrachtet man die Weltwirtschaft als ein Ensemble regionaler Produktionssysteme, von denen jedes seinen spezifischen regionalen Markt besitzt, aber auch \u00fcber Zugang zum Netz interregionaler Verflechtungen verf\u00fcgt, so gelten als zentrale Akteure f\u00fcr eine Regionalentwicklung insbesondere die lokalen Unternehmen mit innovativen und oft technologieintensiven Produkten und Dienstleistungen. Diese stark in der Region verankerten Unternehmen agieren, insbesondere wenn es sich um kleine Unternehmen handelt, gleichwohl unter zunehmendem Einfluss ihres Unternehmensumfeldes in der Region. Unternehmen und Region befinden sich somit insgesamt in einer wechselseitigen Abh\u00e4ngigkeitsbeziehung: denn innovative Regionalentwicklung ist ohne innovative dynamische Unternehmen nicht m\u00f6glich. Zugleich ben\u00f6tigen erfolgreiche innovative Unternehmen aber auch ein g\u00fcnstiges regionales Umfeld.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig ist die Situation kleiner und mittlerer Unternehmen durch den Mangel an modernster Ausr\u00fcstung, entsprechenden Maschinen sowie Managementmethoden gekennzeichnet, so dass Produktivit\u00e4t und Qualit\u00e4t leiden. Wo entsprechende eigene F&amp;E-Aktivit\u00e4ten fehlen, m\u00fcssen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ihre Absorptionsf\u00e4higkeit durch die Nutzung anderer, externer Quellen entwickeln und steigern, so z.B. durch das Lernen von Kunden und Lieferanten, durch den Austausch mit anderen Unternehmen oder durch die Nutzung von Wissens-Transfers aus anderen Firmen oder Branchen. Gerade KMU aber haben bei der Organisation dieser transdisziplin\u00e4ren Schnittstellen oftmals gro\u00dfe Probleme wegen fehlender personeller Kapazit\u00e4ten und unzureichender fachlicher Kompetenzen. Netzwerkeinbindungen unterschiedlicher Art k\u00f6nnen einem Unternehmen die Hilfestellung zur Verf\u00fcgung stellen, die es zur vorteilhaften Nutzung externen Wissens ben\u00f6tigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Neue technologie-basierte Unternehmen sind ein bedeutendes Instrument f\u00fcr den Transfer und die Kommerzialisierung von Technologien, die in Universit\u00e4ten, Forschungseinrichtungen oder bereits etablierten Unternehmen entwickelt wurden. Bei den Verflechtungen zwischen Innovationsakteuren in der Region stehen daher zumeist die KMU im Mittelpunkt, denn sie k\u00f6nnen von solchen Bem\u00fchungen intraregionaler Innovationsnetzwerke potenziell st\u00e4rker als Gro\u00dfunternehmen profitieren, welche zumeist \u00fcber eigene Wege der Kooperationsanbahnung verf\u00fcgen. Je kleiner das Unternehmen, umso wahrscheinlicher sind positive Auswirkungen externer, durch das regionale Wirtschaftsumfeld generierter Faktoren auf die Entwicklung und Adaption neuer Technologien.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Regionale Netzwerke<\/h3>\n\n\n\n<p>Angesichts der durch Globalisierung und informationstechnische Revolutionierung erzwungenen komplexen Umstrukturierungsprozesse sind vor allem jene Regionen erfolgreich, die hierf\u00fcr geeignete Netzwerke schaffen oder bereitstellen und wo die notwendige personelle Kooperation zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft funktioniert. Betrachtet man Netzwerke als die \u00bbVerflechtungsordnung\u00ab der (regionalen) Akteure, so k\u00f6nnen sie regionale Wirtschaftsentwicklungen unterst\u00fctzen, wenn sie wenigstens drei Bedingungen erf\u00fcllen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Sie verbinden bisher isoliert t\u00e4tige Akteure und schaffen damit Voraussetzungen f\u00fcr Innovationstransfers, weil erstens die innovierenden Akteure grenz\u00fcberschreitend agieren und so durch Vernetzung mit neuen Bezugssystemen eine \u00d6ffnung f\u00fcr neue Impulse und Anregungen schaffen, und weil zweitens politische Ver\u00e4nderungen mit der Koppelung unterschiedlicher Akteure verschiedener Organisationen verbunden sind.<\/li><li>Sie reduzieren Unsicherheit und Risiken des Wandels durch Kommunikation und Solidarit\u00e4t und tragen so zu einer Erweiterung der Wahrnehmung und einer Offenheit im Handeln bei.<\/li><li>Sie organisieren Ver\u00e4nderungsprozesse dadurch, dass sich innerhalb der Netzwerke Promotoren der Ver\u00e4nderung herausbilden und auch dadurch paradigmatische Ver\u00e4nderungen in der Wahrnehmung und Einsch\u00e4tzung der gegenw\u00e4rtigen Situation sowie der m\u00f6glichen L\u00f6sungen damit verbundener Probleme initiiert werden. In diesen Netzwerken ist &#8211; anders als im politischen Raum, in dem Handeln stark durch die Dauer der Wahlperioden gepr\u00e4gt wird &#8211; eine Politik der Stetigkeit m\u00f6glich.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Entwicklung von Netzwerken ist relevant, dass es in ihnen sowohl <em>strong ties<\/em> als auch <em>weak ties<\/em> gibt. Ihre Produktivit\u00e4t ergibt sich aus der Kombination eines gewissen Ma\u00dfes sozialer Koh\u00e4sion (strong ties) mit der Pflege der Kommunikation mit einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl von Individuen au\u00dferhalb der strong ties, und zwar auch \u00fcber soziale Distanzen hinweg, ohne diese in feste institutionelle Beziehungen einzubinden (weak ties). Auf regionaler Ebene \u00fcbernehmen Netzwerke neben ihren grundlegenden Funktionen wie Vertrauensbildung, Unsicherheitsreduzierung, Konsensbildung sowie Verhandlungsforum zudem<\/p>\n\n\n\n<p>a) eine Ersatzfunktion f\u00fcr fehlende oder unzureichende institutionelle Entscheidungsstrukturen auf der regionalen Ebene,<br \/>b) eine Mobilisierungsfunktion, um Akteure aus ihrer spezifischen Sicht zugunsten gemeinsamer regionaler Belange zu l\u00f6sen,<br \/>c) eine Forums- und Innovationsfunktion, um gemeinsam interessierende Probleme zu identifizieren und m\u00f6gliche neue Handlungsm\u00f6glichkeiten zu bestimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Netzwerk regionaler Innovationsakteure geh\u00f6ren gew\u00f6hnlich private Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes, unternehmens- bzw. innovations-orientierte (technische) Dienstleister des Privatsektors (hierzu geh\u00f6ren auch Finanzdienstleister), \u00fcberwiegend aus \u00f6ffentlichen Mitteln finanzierte Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen (Unis, FH) sowie das innovations- und diffusionsunterst\u00fctzende Dienstleistungsangebot der \u00f6ffentlichen Hand, zum Beispiel in Gestalt von Transfer- oder Informationsvermittlungsagenturen. In Schleswig-Holstein nimmt diese Rolle vor allem die Technologie-Transfer-Zentrale wahr.<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle geht es vor allem um die organisatorische Gestalt des Technologietransfers, der entweder von Institutionen betrieben wird, die selbst an der Technologieentwicklung beteiligt waren, oder von Einrichtungen, die am Transfer der von anderen entwickelten Technologien beteiligt sind. Zum letzteren Typ, den hier besonders interessierenden Technologietransfer-Intermedi\u00e4ren geh\u00f6ren beispielsweise Technologiebroker, Transferagenturen, Patentanw\u00e4lte und Fachgesellschaften. Diese erf\u00fcllen eine gro\u00dfe Spannbreite von Funktionen zur Unterst\u00fctzung des Technologietransfers, etwa durch die Bereitstellung von relevanten Informationen, Spezialwissen und\/oder Geld.<\/p>\n\n\n\n<p>Netzwerke haben unter bestimmten Bedingungen auch negative Wirkungen f\u00fcr die Regionalentwicklung. So kann es Konstellationen geben, die einen Zustand perpetuieren und damit notwendige Ver\u00e4nderungen verhindern oder verz\u00f6gern, weil paradigmatische Zw\u00e4nge st\u00e4rker sind als die Ver\u00e4nderungsnotwendigkeiten. Die unterschiedlichen \u00f6konomischen, sozialen und politischen Akteure und Institutionen entwickeln keinen hinreichenden Integrationszusammenhang und l\u00f6sen keine Innovationsblockaden aus. \u00bbNegativ-Allianzen\u00ab werden gef\u00f6rdert, welche innovatorische Entwicklungen verhindern, indem sie wie ein Strukturkonservierungskartell wirken oder sich in ungel\u00f6sten Verteilungskonflikten blockieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00dcberregionale Netzwerke<\/h3>\n\n\n\n<p>Netzwerke sind nicht grunds\u00e4tzlich und dauerhaft innovativ aus sich selbst heraus. Eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr ihre permanente Erneuerung ist die Einbindung einer Region und ihrer intraregionalen Netzwerke in internationale und globale Netzwerke. Hierbei k\u00f6nnen \u00f6ffentliche Forschungseinrichtungen eine Art \u00bbAntennenfunktion\u00ab wahrnehmen, indem sie regionsextern vorhandenes akademisches, technologisches oder methodisches Wissen absorbieren und f\u00fcr die regionale Wirtschaft nutzbar machen. Dies ist m\u00f6glich, weil \u00f6ffentliche Forschungseinrichtungen und Einheiten wie die Technologiestiftung Schleswig-Holstein verschiedene Arten von Wissensquellen besitzen, die zu einer besonderen Stellung innerhalb der innovativen Netzwerke f\u00fchren kann. Einerseits verf\u00fcgen sie \u00fcber anderes Know-how als viele Unternehmen, so dass dieses Wissen f\u00fcr Unternehmen eine erg\u00e4nzende Ressource darstellt. Zum anderen erlauben internationale Ausrichtung und Kontaktpflege den Forschungseinrichtungen, als \u00bbBr\u00fcckenk\u00f6pfe\u00ab zwischen regionalen Netzwerken zu fungieren. Insofern k\u00f6nnen und m\u00fcssen regionale und \u00fcberregionale Netzwerke Komplement\u00e4rfunktionen erf\u00fcllen, wobei \u00fcberregionale Kooperationen eine Art \u00bbAntennenfunktion\u00ab f\u00fcr regional entwickelte F\u00e4higkeiten und Bedarfe \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den Aktivit\u00e4ten innerhalb solcher Netzwerke geh\u00f6ren die Generierung, die Kombination, der Austausch, die Transformation und der Einsatz von Ressourcen unter Nutzung einer gro\u00dfen Spannbreite formalisierter und informeller Beziehungen. Das Ausma\u00df, in dem beispielsweise Firmen lernen und ihr Wissenspotenzial ausbauen, stellt sich so als ein Ergebnis ihrer Teilnahme an den Aktivit\u00e4ten von Netzwerken dar. Der prinzipielle Gedanke im Verst\u00e4ndnis des Innovationsnetzwerks liegt darin, dass die umfassende Innovationskraft einer regionalen \u00d6konomie nicht alleine darauf basiert, wie einzelne Einheiten wie Unternehmen oder Forschungseinrichtungen im Wettbewerb bestehen, sondern insbesondere darauf, wie sie untereinander und mit dem \u00f6ffentlichen Sektor in der Wissensproduktion und -distribution umgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Aufbau und der Entwicklung solch innovativer Partnerschaften auf regionaler Ebene ist damit Vertrauen ein zentraler Erfolgsfaktor. Ihm kommt als personaler Komponente betr\u00e4chtliche Bedeutung f\u00fcr gering formalisierte Kommunikation und den Transfer von implizitem Wissen zu. Die Technologiestiftung Schleswig-Holstein hat den dazu n\u00f6tigen nicht-naiven Vertrauenstyp, der durch Erfahrung und Stetigkeit, Kritikf\u00e4higkeit und Offenheit zu charakterisieren ist, sowohl in den von ihr initiierten Netzwerken gepflegt als auch zu einer wichtigen Grundlage der Projektantragskommunikation gemacht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Milieu und Technologietransformation<\/h3>\n\n\n\n<p>Die \u00bbsoziale Einbettung\u00ab in Gestalt von Netzwerken ist also eine wichtige Rahmenbedingung f\u00fcr die Produktivit\u00e4t wirtschaftlicher Interaktionsbeziehungen, denn in Netzwerken wird Handlungsbereitschaft auch durch normative \u00dcbereinstimmung mobilisiert, etwa durch die Beschw\u00f6rung \u00bbregionaler Identit\u00e4t\u00ab oder die Festlegung auf gemeinsame Leitlinien regionaler Strukturpolitik. Dies ist deshalb bedeutsam, weil herk\u00f6mmliche Verhaltensmodi schwer zu \u00fcberwinden sind. Selbst wenn Problemstellungen, die aus Gewohnheiten und Denkweisen resultieren, einfach zu benennen sind und auf individueller Ebene noch einer Ver\u00e4nderung zugef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, so geht ein breiter struktureller Wandel meist sehr langsam vonstatten. Dennoch hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein es von Beginn an als eine zentrale Aufgabe begriffen, solche \u00bbweichen\u00ab Faktoren in das regionale Innovationsverhalten einzubeziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ver\u00e4nderungen verlangen paradigmatische Ver\u00e4nderungen \u00bbin den K\u00f6pfen- und \u00bbim Bauch\u00ab der Akteure. Die Akteure m\u00fcssen vom Ver\u00e4nderungsbedarf und der Richtigkeit ihrer Aktivit\u00e4ten \u00fcberzeugt sein, wenn sich etwas \u00e4ndern soll. Dabei bestimmen die fixen und rigiden Strukturen klassischer B\u00fcrokratien in betr\u00e4chtlichem Ausma\u00df das Wesen der m\u00f6glichen Interaktionen, ebenso wie die Normen, Bedarfe und Anspr\u00fcche, die entstehen k\u00f6nnen. So setzen klassische B\u00fcrokratien einen engen Rahmen, aus dem sich die Teilnehmenden nur schwer selbst befreien k\u00f6nnen; zudem entsteht Unm\u00fcndigkeit, die zu Blockaden in der Nutzung der Technologien f\u00fchrt. Somit geh\u00f6rt auch die Ein\u00fcbung in eine Kultur des Umgangs mit Unsicherheit zu den unverzichtbaren Bestandteilen einer regionalen Technologie- und Innovationskompetenz.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die erfolgreiche \u00f6konomische Entwicklung von Unternehmen und Regionen spielt gerade die \u00bbindustrial atmosphere\u00ab eine zentrale Rolle. Sie entsteht aus der physischen und kulturellen N\u00e4he der Akteure, einfachen und zugleich zweckdienlichen Verfahren des Informationsaustausches, h\u00e4ufigen face-to-face-Kontakten und Mobilit\u00e4t in regionalem Rahmen. Die Entwicklung im Wesentlichen informeller sozialer Beziehungen zwischen den Technologieakteuren in einem geographisch begrenzten Raum, mit dem die regionale Innovationsf\u00e4higkeit erh\u00f6ht wird, gemeinsame Lernprozesse beschleunigt werden und Elemente der dynamischen Unsicherheit, die regelm\u00e4\u00dfig mit technologischen Innovationen verbunden sind, reduziert werden, f\u00fchrt zu einer Situation, in der neue Ideen \u00bbin der Luft\u00ab liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Institutionen, die sich der Aufgabe stellen, Innovatoren zum Wissensaustausch zusammenzubringen, die ohne diesen Agenten ihr Wissen zur\u00fcckhalten w\u00fcrden, um es nicht an vermeintliche Konkurrenten zu verlieren, geht es darum, innerhalb der Region f\u00fcr ein Klima zu sorgen, in dem der harte Koordinationsmechanismus Preis durch Vertrauen erg\u00e4nzt wird, das den intraregionalen Wissensaustausch und damit die Entstehung externer Ertr\u00e4ge unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Herstellung eines solchen Milieus, in dem fortlaufend das \u00bbcollective learninq\u00ab der Innovationsakteure stattfindet, und die F\u00f6rderung einer Technologiekultur sind strategische Aufgaben, die sich deutlich von den Bedingungen, Zielsetzungen und M\u00f6glichkeiten des traditionellen Technologietransfers abheben. Der Begriff der Technologietransformation verdeutlicht, dass es bei dieser Innovationsaufgabe um die komplexe Ver\u00e4nderungsleistung einer ganzen Region geht, die sich den gegenw\u00e4rtigen Herausforderungen stellt. Der F\u00f6rderung eines solchen Verst\u00e4ndnisses und der entsprechenden Prozesse hat sich die Technologiestiftung Schleswig-Holstein gewidmet &#8211; auch wenn dabei Konflikte nicht ausgeblieben sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">6. Die TSH als strategief\u00e4higer regionaler Akteur<\/h2>\n\n\n\n<p>Ob Atomkraft, Transrapid oder Biotechnologie &#8211; in den meisten politischen und gesellschaftlichen Kontroversen geht es nicht nur um die Technik, sondern auch um die Frage nach den Entwicklungsperspektiven der Gesellschaft. Dabei ist die Frage der Steuerbarkeit von Technologie im Sinne der Vermeidbarkeit unerw\u00fcnschter und der Erreichung erw\u00fcnschter Effekte von zentraler Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p>Im mehrstufigen Prozess der sozialen Konstruktion von Technik findet eine Wechselwirkung von Handlungs- und Strukturebene statt: die Akteure sind in gesellschaftliche Strukturen eingebunden, die die Randbedingungen ihres Handelns bestimmen und daher sowohl Optionen f\u00fcr Alternativwahlen er\u00f6ffnen als auch den Horizont der m\u00f6glichen Varianten einschr\u00e4nken. Zugleich sind die Handlungen der Akteure jedoch auch strukturbildend, d.h. die Akteure ver\u00e4ndern die gesellschaftliche Wirklichkeit, wenn sie ihre strategischen Interessen realisieren und damit die Gesellschaft reproduzieren. Ausl\u00f6ser der sozialen Dynamik der technischen Innovation sind die Akteure, die einen sozialen Prozess in Gang setzen und durch ihre Interaktionen Strukturen erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute gibt es nicht mehr einen dominanten Akteur (\u00bbder Staat\u00ab), der die technischen, politischen und gesellschaftlich-sozialen Problemlagen aufl\u00f6sen kann, die bei der Erzeugung und Diffusion von innovativen Technologien entstehen. Betr\u00e4chtliche Bedeutung haben vielmehr Netzwerke gewonnen, die sich quer zu etablierten Strukturen bilden, da diese es aufgrund ihrer inh\u00e4renten Beh\u00e4bigkeit kaum erlauben, abweichende und\/oder innovative Interessen zu artikulieren und durchzusetzen. So stellen Netzwerke direkte Verbindungen zwischen Sektoren her, die nicht durch formale Kan\u00e4le miteinander verkn\u00fcpft sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Entstehen und Funktionieren eines Netzwerks h\u00e4ngt eng von Existenz und Funktionsf\u00e4higkeit eines \u00dcbersetzungsmechanismus ab, der eine Kommunikation zwischen verschiedenen Bereichen erm\u00f6glicht. Die Akteure, die soziale Netzwerke konstruieren, sind strategief\u00e4hig, d.h. sie artikulieren Interessen und verfolgen Ziele. Strategisch wird ihr Handeln dadurch, dass es nicht (ausschlie\u00dflich) auf unmittelbare Bed\u00fcrfnisbefriedigung ausgerichtet ist, sondern Umwege einkalkuliert, in die Investitionen get\u00e4tigt werden, welche sich erst auf lange Sicht auszahlen (sollen). Zu den strategief\u00e4higen Akteuren, die die Handlungs- und Strukturebene miteinander verkn\u00fcpfen, geh\u00f6rt in Schleswig-Holstein auch die Technologiestiftung. Sie besitzt aufgrund ihrer Kapitalausstattung, ihrer Unabh\u00e4ngigkeit und ihrer Flexibilit\u00e4t nicht nur Verhandlungs- und Verpflichtungsf\u00e4higkeit, sondern setzt auch in reflektierter Weise Ziele und ist bereit und in der Lage, Risiken einzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Strategisch handelnde Akteure passen sich nicht reaktiv an ihre Umwelt an. Sie gestalten sie vielmehr in einer Weise, die die Wahrscheinlichkeit der Durchsetzung ihrer Interessen erh\u00f6ht. Strategief\u00e4hige Akteure sind daher grunds\u00e4tzlich konfliktf\u00e4hig und verhandlungsbereit, kontextsensitiv und kompromissf\u00e4hig. Insofern sind Interaktionsbeziehungen attraktiv, die zwischen vollkommen unstrukturierten und machtf\u00f6rmig verh\u00e4rteten Strukturen liegen, weil sie den strategisch handelnden Akteuren gestatten, die Bedingungen ihrer Interessenverwirklichung zu verbessern, ohne zugleich ihre Eigenst\u00e4ndigkeit und damit langfristig ihre Strategief\u00e4higkeit aufzugeben. In Schleswig-Holstein hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein die Rolle eines strategief\u00e4higen Akteurs \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn technologischer Determinismus wenig zum theoretischen Verst\u00e4ndnis sozialen Wandels beitr\u00e4gt, so kann kaum \u00fcbersehen werden, dass Technisierungssch\u00fcbe mit schicksalsgleicher M\u00e4chtigkeit auf die Gesellschaft einwirken. Dies gilt ungeachtet aller Versuche, gegen\u00fcber der technologischen Dynamik politisch gestaltungsf\u00e4hig zu werden. Zwar ist wohl nie so umfassend \u00fcber Chancen und Risiken neuer Technologien diskutiert worden wie heute, und die Zust\u00e4ndigkeit der Politik f\u00fcr die Kontrolle von Technik wird weiterhin eingefordert, aber der Verzicht auf eine neue Technologie ist offenbar keine ernst genommene politische M\u00f6glichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine zukunftsorientierte Innovationspolitik muss antizipativen Charakter haben, d.h. sie muss in einem sozialen Prozess Innovationskorridore definieren und die Zukunftsm\u00e4rkte mit den Produkten und Dienstleistungen gleichsam miterfinden. Bedeutsames Instrument einer zukunftsf\u00e4higen Innovationspolitik sind die Technologie-Transformations- bzw. -transferstrukturen einer Region. Auch diese m\u00fcssen sich den ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen anpassen. F\u00fcr die Technologiestiftung Schleswig-Holstein f\u00fchrt dies &#8211; auf der Grundlage des oben formulierten Grundverst\u00e4ndnisses der gesellschaftlichen Integration von Technologien &#8211; zun\u00e4chst zu einem allgemeinen Methodenprofil, in welchem die Entwicklung von Netzwerken, der gesellschaftliche Dialog und die dynamische Strukturbildung in einer technologie-offenen Kultur bedeutsame Eckpfeiler bilden. Als strategief\u00e4higer regionaler Akteur, der sich als Teil einer innovativen Infrastruktur f\u00fcr eine innovative Industrie versteht, bringt die Technologiestiftung Schleswig-Holstein folgende methodische Ans\u00e4tze zur Geltung, die es erlauben, mit der zunehmenden Parallelit\u00e4t bzw. Verschr\u00e4nktheit der verschiedenen Phasen der Entwicklung innovativer Technologien umzugehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Systematisch prognostizieren<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Antizipation der Auswirkungen aufkommender technologischer Innovationen auf \u00d6konomie und Gesellschaft des Landes Schleswig-Holstein ist eine wichtige Voraussetzung, um zukunftsf\u00e4hige Strukturen aufbauen und Ma\u00dfnahmen ergreifen zu k\u00f6nnen. Die Technologiestiftung Schleswig-Holstein hat die systematische Suche nach den in verschiedenen Technologiefeldern f\u00fcr das Land Schleswig-Holstein enthaltenen Potenzialen organisiert. Exemplarisch seien hier die Studien zur Biotechnologie, \u00fcber die Sensorik, die Software oder die maritime Verbundwirtschaft genannt, die als Entscheidungsgrundlage f\u00fcr weiterf\u00fchrende Aktivit\u00e4ten der Technologiestiftung Schleswig-Holstein und anderer Technologie-Akteure im Land dienten. Mit den RISI-Aktivit\u00e4ten und dem Anschluss an das Technologie Transfer Forum sind umfassendere inhaltliche, strukturelle und methodische Fragestellungen, wie beispielsweise die Frage nach den zuk\u00fcnftigen Strukturen des Lernens und Lehrens, aufgegriffen worden und durch die Einspeisung in die (Fach)\u00d6ffentlichkeit und die Entscheider-Ebenen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft die Voraussetzungen f\u00fcr eine zielf\u00fchrende Gestaltung verbessert worden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Strukturen initiieren<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Bereich der Strukturbildung hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein sich erg\u00e4nzende methodische Zug\u00e4nge entwickelt: Mit der Methode der dialogischen Strukturbildung verfolgt die Technologiestiftung Schleswig-Holstein das Ziel, (neue) Kooperationen anzuregen, die bei der Entwicklung und Nutzung innovativer Technologien oder beim damit verbundenen Aufbau von Strukturen zielf\u00fchrend sind. Zur Technik der dialogischen Strukturbildung geh\u00f6ren Veranstaltung und Publikationen unterschiedlichsten Charakters und zeitlicher Dauer, die Technologie-Akteure um ein Thema zusammenf\u00fchren und &#8211; im Idealfall &#8211; eine selbsttragende Fortsetzung finden. Die Bedeutung dieser dialogischen Strukturbildung nimmt mit dem Fortschreiten der Entwicklung in Richtung auf die Multi-Optionsgesellschaft zu, weil die Anpassungskapazit\u00e4ten der jeweiligen Akteure bereits f\u00fcr die Entwicklung ihres jeweiligen Umfeldes ben\u00f6tigt werden, das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Tiefe und Reichweite des gesamten Umbruchs, d.h. die strategische Perspektive, hingegen zur\u00fccktritt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die materielle Strukturbildung, d.h. vor allem die direkte monet\u00e4re F\u00f6rderung technischer Ger\u00e4te und des zu ihrer Anwendung notwendigen Fachpersonals an den Hochschulen, nimmt einen hohen Prozentsatz der j\u00e4hrlich zur Verf\u00fcgung stehenden Projektmittel auf. Mit ihr werden &#8211; insbesondere an den Hochschulen &#8211; real wirksame Schwerpunktsetzungen forciert, die Kooperationsprojekte mit der Wirtschaft des Landes erleichtern sollen. Schlie\u00dflich dient die Strukturbildung kleiner Einheiten, d.h. die Unterst\u00fctzung bei der Entstehung und der Entwicklung technologie-orientierter Dienstleistungseinheiten, dem Aufbau von Prozess- und Produkt-Know-how, das mit der Flexibilit\u00e4t kleiner Einheiten einen Beitrag zur regionalen Technologiekompetenz, leistet. Eine vielseitige Vergabe von Auftr\u00e4gen an Externe erm\u00f6glicht nicht nur, die Technologiestiftung Schleswig-Holstein als kleine und bewegliche Einheit zu f\u00fchren, sondern f\u00f6rdert auch den Aufbau eines Netzwerks von Dienstleistern in ihrem Umfeld.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das \u00bbsocial embedding\u00ab sichern<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein betr\u00e4chtlicher Teil technischer Innovationen findet nach wie vor in den Unternehmen statt; dennoch darf die Relevanz des externen Inputs &#8211; mag dieser von anderen Unternehmen oder aus Hochschulen kommen &#8211; nicht untersch\u00e4tzt werden. Weil dieses externe Knowhow eine relevante Bedeutung hat, wird im Rahmen des Technologietransfers nicht nur auf eine intensive und weitreichende Kooperation zwischen Unternehmen und Hochschulen geachtet, sondern auch auf diejenige zwischen Unternehmen. Die entsprechende Beziehung zu den Unternehmensexternen stellt sich dabei nicht als Ergebnis rein marktf\u00f6rmiger Austauschbeziehungen her. Solche lassen eine wirklich l\u00f6sungsbezogene, d.h. die eigenen Zielorientierungen und &#8211; m\u00f6glicherweise &#8211; Realisierungsdefizite transparent machende gemeinsame Entwicklungsarbeit nur begrenzt zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Bedingung f\u00fcr weiterf\u00fchrende Kooperationen sind vielmehr gesellschaftliche Institutionen und h\u00e4ufig soziale Beziehungsnetzwerke, d.h. die Existenz nicht formalisierter, vertrauensbasierter Beziehungen zwischen den Akteuren. Diesem Bedarf der sozialen Einbettung (\u00bbsocial ernbeddinq\u00ab) hat die Technologiestiftung Schleswig\u00b7 Holstein mit ihrer T\u00e4tigkeit im Sinne des Aufbaus eines regionalen Innovationsmilieus zu entsprechen versucht, bei dem sie auf vielf\u00e4ltige Art Foren des Diskurses und der Kooperation angeboten sowie Projektideen eingebracht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den Merkmalen daraus entstehender innovationsbezogener Kooperation geh\u00f6ren in diesem Kontext insbesondere<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>lnformalit\u00e4t, d.h. bestehende formal abgesicherte Strukturen der Handlungskoordination greifen nicht,<\/li><li>Personengebundenheit, d.h. Zusammenarbeit erzeugt Verpflichtung und Reziprozit\u00e4t, und<\/li><li>Vertrauensbasiertheit, d.h. \u00bbwachsames Vertrauen- und -ausgehandelte Loyalit\u00e4t sind handlungsleitende Parameter.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Angesichts der Entwicklung der luK-Technologien und dem mit der Globalisierung verbundenen Bedeutungsverlust von regionalen und nationalen Umfeldern ist das Ziel, Handlungserwartungen zu stabilisieren und Erwartungsunsicherheit abzubauen, zunehmend schwieriger zu erreichen. Denn durch die mit diesen Ver\u00e4nderungen verbundene Internationalisierung von Innovationsfunktionen tritt der Effekt des \u00bbsocial disembedding\u00ab von Innovationen auf. Wo fr\u00fcher eine Einbettung in regionale Netzwerke und Kooperationsverb\u00fcnde ausreichte, gen\u00fcgt dies immer weniger den heutigen Anforderungen. Die Technologiestiftung Schleswig-Holstein ist daher im Laufe ihrer T\u00e4tigkeit dazu \u00fcbergegangen, ein Engagement in europ\u00e4ischen Netzwerken und in transatlantischen Foren aufzubauen. Dieses kann nicht in erster Linie unmittelbar zielorientierend &#8211; etwa im Sinne einer Absch\u00f6pfung von Finanzmitteln &#8211; verstanden werden. Insbesondere dort, wo Partner in Feldern zu finden sind, deren Erforschung gerade erst beginnt, sind existierende Netzwerkwege nur beschr\u00e4nkt nutzbar. Daher kann es durchaus sinnvoll sein, pers\u00f6nliche Beziehungen auch ohne unmittelbare Kooperationsabsicht aufzubauen und aufrechtzuerhalten, sofern sich mit ihnen die zuk\u00fcnftige M\u00f6glichkeit verbindet, neue Optionen f\u00fcr Kooperationen jenseits bereits stehender Kooperationspfade zu er\u00f6ffnen. Dies gilt f\u00fcr Unternehmen, aber auch f\u00fcr \u00f6ffentlich-rechtliche Institutionen wie die Technologiestiftung Schleswig-Holstein in ihrer Eigenschaft als strategische Akteure im Lande.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sinngemeinschaften aufbauen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Geschichte von Innovationen und Erfindungen kann auch als eine Abfolge sich \u00e4ndernder kultureller Kontrollen eben dieser technischen Entwicklungen gelesen werden. Denn Werte und normative Orientierungen haben Erfindungen h\u00e4ufig beschr\u00e4nkt oder folgenlos gemacht. Aufhalten konnten sie sie dennoch nicht. Die Beziehung zwischen der Technik und dem sozialen Wandel ist nicht nur durch Werteerosion gepr\u00e4gt, sondern ebenso durch Wertekonstituierung. Denn technologische Innovationen stellen nicht nur bestehende Strukturen und damit auch die ihnen zugrundeliegenden normativen Annahmen und Wertungen in Frage: Mal offen und allgemein erkennbar, mal schleichend und in ihren sichtbaren Auswirkungen verz\u00f6gert, entstehen neue Wertungen und treten neben oder an die Stelle bisheriger Orientierungen. Sofern also Technologien die Optionen erweitern, in der Kultur etablierte Werte zu entwickeln, definieren sie die Reichweite dieser Werte um. Wem z.B, das Internet als Mittel zur Demokratisierung politischer Diskurse und Entscheidungsprozesse gilt, f\u00fcr den wird mit der Diffusion dieser Technologie auch der Anspruch an demokratische Verfahren betont. Daneben gibt es auch eine legitimatorische Dimension, wenn die technischen M\u00f6glichkeiten in den Schutzbereich der Werte integriert werden. Die Einbeziehung in den Schutzbereich individueller Anspr\u00fcche schirmt technische M\u00f6glichkeiten gegen politische Eingriffe ab. Insgesamt hei\u00dft dies, dass gesellschaftliche Werte nicht nur ein Gegengewicht zu technischer Dynamik sein k\u00f6nnen, sondern auch deren Vehikel. Technik selbst wird zum Tr\u00e4ger kultureller Bedeutungen und Wertvorstellungen. Innovation wird kulturell legitimiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Besondere Bedeutung verdient die Frage, warum sich neue Techniken auch dann durchsetzen, wenn ihre Einpassung konflikthaft erfolgt. Dies h\u00e4ngt von der Verfassung des \u00bbrezipierenden\u00ab sozialen Systems ab, in das die neue Technik eingef\u00fchrt werden soll. Der entscheidende Mechanismus besteht darin, dass neue Technik in dem Moment ihrer sozialen Wahrnehmung beginnt, bis dahin geltende Erwartungs- und Verhaltensstrukturen kontingent zu setzen und neue Erwartungshorizonte zu \u00f6ffnen. Damit setzt offenbar schon die blo\u00dfe Existenz der technischen Verf\u00fcgbarkeit Standards, an denen sich das Verhalten und die Erwartungen der verschiedenen Akteure orientieren und auf die sie sich neu arrangieren. Dies gilt selbst dann, wenn sie es nicht wollen. Neue Technologien haben gleichsam projektive Wirkung auf das soziale System, in das sie eingeordnet sind. Sie relativieren bestehende Regeln durch die Er\u00f6ffnung neuer Optionen und erzwingen Entscheidungen f\u00fcr oder gegen neue Regeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Besetzung bzw. Verbindung technologischer Innovationen mit allgemein akzeptierten Werten und Normen, z.B. Datenschutz durch Technik statt Datenschutz trotz Technik, kann ein wirkungsvoller Mechanismus der Integration neuer Technologien in gesellschaftliche Strukturen sein. Die Zusammenf\u00fchrung entsprechender \u00bbSinngemeinschaften\u00ab geh\u00f6rt als wirksames Instrument der Technologietransformation, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der F\u00f6rderung einer technik-offenen Kultur, zu den Aktivit\u00e4ten der Technologiestiftung Schleswig-Holstein.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Anschlussm\u00f6glichkeiten schaffen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die unsicheren Erfolgsaussichten technischer Innovationen lassen sich unter anderem an dem Dilemma beschreiben, bei dem die Anbieter einer neuen Technologie auf potenzielle Anwender warten und die fehlenden Marktsignale den (breiten) Einstieg in die Technologie verz\u00f6gern; die Anwender ihrerseits aber vergeblich auf Informationen \u00fcber Pilotanwendungen warten, ohne die sie die Folgen eigener Investitionen nicht \u00fcberschauen k\u00f6nnen. Solche Innovationsblockaden k\u00f6nnen abgebaut werden, wenn technikherstellende und technikverwendende Akteure kooperativ Anwendungsvisionen und Gestaltungsoptionen aufeinander beziehen, d.h. Anschlussm\u00f6glichkeiten finden. Dies ist Teil der F\u00f6rderstrategie der Technologiestiftung Schleswig-Holstein.<\/p>\n\n\n\n<p>So k\u00f6nnen sich durch die organisatorische Verschr\u00e4nkung des Forschungsprozesses mit Anwendungskontexten oder durch die Koordination verschiedener Lernmodalit\u00e4ten (learning by design, learning by using) Entwicklungspfade ergeben, die nicht nur innovativ sind, sondern zugleich sozial akzeptabel sein k\u00f6nnen. Solche langfristig und kooperativ ausgelegten Beziehungen zwischen Technikherstellern, Nutzern, Zulieferern und institutionellen Kontextbildnern, wie etwa die Technologiestiftung Schleswig-Holstein, sind im Rahmen der Initiative Informationsgesellschaft Schleswig-Holstein versucht worden. Die Schaffung von Anschlussm\u00f6glichkeiten an eine Technologie erfolgt vor allem \u00fcber die Einflussnahme auf \u00f6konomische und\/oder politische Entscheidungen. Gleichsam muss aber auch die Ver\u00e4nderung technischer Parameter m\u00f6glich sein, um Hindernisse zu \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne eine auch noch so rudiment\u00e4re organisatorische Koppelung zwischen Menschen und Technologie, also ohne einen organisatorischen Nukleus, hat Technik keine soziale Relevanz, keine soziale Wirkung. Technische Innovation findet ohne Organisation nicht statt, der einsame \u00bbErfinder\u00ab w\u00fcrde nur f\u00fcr das Rarit\u00e4tenkabinett technischer Museen erfinden, h\u00e4tte er nicht den K\u00e4ufer seiner Patente, der sie entwickelt und auf den Markt bringt. Auch auf regionaler Ebene bedarf es daher sog. \u00bbsystern builder\u00ab, die die bei der Entwicklung und Verbreitung innovativer Technologien auftretenden, Unsicherheit erzeugenden Faktoren durch Strukturbildung kontrollierbar machen. Damit wird die Umwelt auf die Erfordernisse der Technik und des um sie herum organisierten sozialen Systems hin strukturiert. Wenn ein technologischer Innovationsprozess von einer mit Einfluss ausgestatteten Gruppe eingeleitet wird und damit &#8211; durchaus konflikthaft &#8211; die Verteilung von Macht, Prestige oder Reichtum ver\u00e4ndert wird, so bedarf es dazu nicht alleine neuer Technologie, sondern auch des \u00bbheterogeneous engineering\u00ab, mit dem zugleich soziale Kontexte und symbolische Ordnungen geschaffen werden. Diese Konstellation war historisch z.B. bei der Elektrifizierung der westlichen Industriegesellschaften gegeben, denn Thomas Edison war nicht nur Erfinder des physikalisch-technischen Prinzips der Gl\u00fchlampe, sondern verf\u00fcgte mit seinem Team zugleich \u00fcber die F\u00e4higkeit, ein umfassendes technisches System zu planen, zu finanzieren und politisch durchzusetzen, so dass die notwendige Infrastruktur der elektrischen Beleuchtung zur Verf\u00fcgung gestellt wurde. In diesem Sinne k\u00f6nnen Kontextbildner als diejenigen fungieren, die die Vision formulieren und die Kr\u00e4fte zu ihrer Realisierung b\u00fcndeln.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Konflikt- und Dissensmanagement organisieren<\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn es richtig ist, dass innovative Technologien bestehende Strukturen aufbrechen und dominierende Wertorientierungen aufl\u00f6sen, so muss ein Modus des Umgangs mit diesen Br\u00fcchen gefunden werden. Dieser Umgang ist einzupassen in eine erweiterte Perspektive, denn die verbreitete Forderung, dass wir uns im ingenieurwissenschaftlichen Bereich Unsicherheit nicht leisten k\u00f6nnen, ist inzwischen von der Forderung abgel\u00f6st worden, dass wir uns eben diese Unsicherheit leisten m\u00fcssen. Dies gilt insbesondere angesichts der Schnelligkeit der Ver\u00e4nderungen und der Disponibilit\u00e4t von bisher existierenden Bindungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt haben die luK-Technologien mit ihren M\u00f6glichkeiten der Universalisierung und mit ihrer Dynamisierung \u00f6konomischer, politischer und sozialer Strukturen die Diskussion um gesellschaftliche Auswirkungen innovativer Technologien bestimmt. Dabei besteht kein Anlass zu kulturpessimistischer Technologiekritik; vielmehr kommt es darauf an, die M\u00f6glichkeit der Entstehung von Entfremdungseffekten rechtzeitig zu diagnostizieren und durch geeignete Ma\u00dfnahmen zu kompensieren. Auch in dieser Rolle als Seismograph hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein eine strategische Funktion. Sie kann diese umso eher konstruktiv erf\u00fcllen, je offensiver sie die durch innovative Technologien induzierten Umbr\u00fcche kommuniziert und durch Projekte sichtbar macht. Dieser Ansatz lag beispielweise der Initiative \u00bbSchulen ans Netz\u00ab zugrunde: Sie diente nicht nur der rascheren Ausstattung der Schulen mit luK-Technologien und der entsprechenden Qualifizierung der Lehrkr\u00e4fte, sondern mindestens ebenso der Diskussion \u00fcber die zuk\u00fcnftigen Ver\u00e4nderungszw\u00e4nge und Strukturen des Bildungssystems.<\/p>\n\n\n\n<p>In der auf Konsens orientierten Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland muss der Bewusstmachung und der Austragung von Konflikten ein gr\u00f6\u00dferer Stellenwert einger\u00e4umt werden. Weitreichende und tiefgehende gesellschaftliche Umbr\u00fcche bringen notwendigerweise divergierende Interessenlagen, Meinungen und strategische Vorstellungen hervor. Diese in einen formalen Konsens zu zwingen und damit m\u00f6glicherweise zwingend notwendige Strukturver\u00e4nderungen auszusetzen oder aufzuschieben, kann sich mittelfristig als kontraproduktiv erweisen. Mit der produktiven Nutzung von Konflikten und dem Zulassen bzw. Aushalten von Dissensen besteht schlie\u00dflich die M\u00f6glichkeit zur Bildung h\u00f6herstufiger Konsense. Eine entsprechende Provokationsfunktion k\u00f6nnen jedoch nur Institutionen \u00fcbernehmen, die \u00fcber betr\u00e4chtliche finanzielle und organisatorische Unabh\u00e4ngigkeit verf\u00fcgen sowie aufgrund ihrer fachlichen Kompetenz breite Anerkennung finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Initiierung von konstruktiven Konflikten, die die Sch\u00e4rfe der technologisch bedingten Umbruchsituation und die Dramatik des Handlungsbedarfs deutlich machen und schon deshalb nicht ohne Konfrontationen ablaufen k\u00f6nnen, weil neue Technologien die auf \u00e4lteren Technologien beruhenden Machtpositionen schw\u00e4chen, haben eine zentrale Bedeutung. Die Rolle der Technologiestiftung Schleswig-Holstein in solchen Konflikten ist deshalb zentral und konstruktiv, weil sie aufgrund ihres weitgehend unabh\u00e4ngigen Status polarisieren, zugleich aber mit den ihr langfristig zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln die Akteure an die Herausforderungen heranf\u00fchren und gemeinsam mit ihnen die neue Phase zukunftsorientiert gestalten kann. Wandel geht nicht ohne Interessenkonflikte zwischen Staat, Gesellschaft und technologischen Innovationen vonstatten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Experimente wagen<\/h3>\n\n\n\n<p>Innovationsprozesse sind zukunftsoffene und unsicherheitsbeladene Gestaltungsprozesse. Insbesondere in der Entstehungsphase bedarf es eines experimentellen Verst\u00e4ndnisses, welches h\u00e4ufig Au\u00dfenseitern zugeschrieben wird, weil diese noch weniger durch \u00fcberlieferte Denkmuster und dominante Sichtweisen gebunden sind als die langj\u00e4hrigen oder mehr zentral positionierten Mitglieder von etablierten und h\u00e4ufig Verwaltungshandeln unterworfenen Institutionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die experimentelle Suche nach innovativen Technologien und den M\u00f6glichkeiten ihrer Nutzbarmachung im Kontext der Region Schleswig-Holstein ist eine der von der Technologiestiftung Schleswig-Holstein angewandten methodischen Ans\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Suche erfolgt ergebnisoffen, erfordert die Zuf\u00fchrung und Verarbeitung vielf\u00e4ltiger Daten und Informationen und bezieht sich auch auf technologische Ans\u00e4tze, die au\u00dferhalb des technologischen Mainstreams liegen. Hierf\u00fcr unterh\u00e4lt die Technologiestiftung vielf\u00e4ltige Kontakte zu Technologieakteuren in der Region, in Europa und in den USA. Die Pflege solcher Netzwerke ist zeitlich aufwendig. Ohne die damit gegebenen Kontakte ist der Zugang zu relevanten Informationen und die Einwerbung von EU- oder Bundesmitteln jedoch weniger aussichtsreich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die Informations- bzw. Wissensgesellschaft die Unsicherheit erh\u00f6ht, dann tritt der Experimentiercharakter vieler Aktivit\u00e4ten st\u00e4rker zutage. Die Bereitschaft und die F\u00e4higkeit zu technologischem und methodischem Experimentieren wird eine zentrale Voraussetzung f\u00fcr die erfolgreiche \u00dcbersetzung des Nichtwissens in Forschungsstrategien zur Wissenserzeugung. Auch solche Aufl\u00f6sung des Nichtwissens in bearbeitbare Probleme und machbare L\u00f6sungen geh\u00f6rt zum Aufgabenspektrum der Technologiestiftung Schleswig-Holstein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die experimentelle Methode gilt auch f\u00fcr die Einbeziehung von Querdenkern in die von der Technologiestiftung Schleswig-Holstein aufgebauten Strukturen und Projekte. So finden neue, auch unorthodoxe Gedanken Zugang zu bereits bestehenden Ans\u00e4tzen und Konzepten. Ungew\u00f6hnliche Kombinationen wissenschaftlichen, akademischen oder praktischen Wissens entstehen. Nicht selten k\u00f6nnen sie einen Beitrag zur L\u00f6sung einer technologischen Herausforderung leisten oder eine Marktnische erschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Vertrauen schaffen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Komplexit\u00e4t der F\u00f6rderaktivit\u00e4ten ist aufgrund der breiten Ausrichtung, des ausdifferenzierten Kreises der Zuwendungsempf\u00e4nger und der Zielrichtung der Zuwendungen nicht mit \u00fcblichen F\u00f6rderprogrammen vergleichbar. Die Erfahrungen zeigen, dass die eingehenden Antr\u00e4ge sehr unterschiedlich ausgerichtet und oft unstrukturiert sind. Daraus kann sich im Einzelfall unter Umst\u00e4nden ein h\u00f6herer Grad an Erfolgsrisiko hinsichtlich der Zielerreichung ergeben als er bei anderen F\u00f6rderaktivit\u00e4ten \u00fcblich ist. Wo innovative Technologien entwickelt und unterst\u00fctzt werden, gibt es in der Regel keine Vergleichsf\u00e4lle, aus denen sich ein enges Ger\u00fcst von F\u00f6rderformalien ableiten lie\u00dfe. F\u00fcr die Betreuung der Projektantragsteller bedeutet dies einen hohen Aufwand, da die Technologiestiftung auch bei Projektideen, die in der beantragten Form nicht f\u00f6rderungsw\u00fcrdig sind, gemeinsam mit den Antragstellenden nach einer Neubestimmung sucht, die eine Unterst\u00fctzung im Rahmen des Arbeits- und Grundsatzprogramms der Technologiestiftung m\u00f6glich macht. Selbstverst\u00e4ndlich orientiert sich das Entscheidungsverfahren bei Projektf\u00f6rderantr\u00e4gen auch an Einzelkriterien wie Bedarf, Erfolgschancen, Umweltvertr\u00e4glichkeit, Zukunftsorientierung, Zweckm\u00e4\u00dfigkeit, Wirtschaftlichkeit und Dringlichkeit. Es wurde aber bewusst in diesem operativen Bereich auf ein formalisiertes Verfahren verzichtet. Die Gew\u00e4hrung von hohen Freiheitsgraden auch bei den Antragstellenden wird als ein wichtiges kreatives Element bewusst eingesetzt und tr\u00e4gt auch zur hohen Motivation bei den Kooperationspartnern der Technologiestiftung bei. So aufwendig dieses Verfahren ist, so stellen sich in dem vertrauensbildenden Diskussions-Prozess und bei der gemeinsamen konstruktiven Suche deutlich kreative Ergebnisse ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verfolgung solch strategischer Gestaltungs- und Strukturierungsaufgaben im Bereich der Technologietransformation bzw. des Innovationsmanagements bedarf so einer betr\u00e4chtlichen finanziellen und organisatorischen Unabh\u00e4ngigkeit. Im Falle der Technologiestiftung Schleswig-Holstein ist diese in ausreichendem Ausma\u00df gegeben, so dass Arbeitsprogramm und Schwerpunktsetzungen weitgehend unabh\u00e4ngig von der Entwicklung der Landeshaushaltsmittel und von politischen Zw\u00e4ngen der Legislaturperiode bestimmt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einer hohen Flexibilit\u00e4t in Schwerpunktsetzung und Methodenwahl, insbesondere in der Kombination verschiedener Methoden bei der Erschlie\u00dfung und\/oder Entwicklung eines Technologiefeldes, \u00fcbernimmt die Technologiestiftung Schleswig-Holstein &#8211; h\u00e4ufig erleichtert durch das bei ihr konzentrierte Metawissen \u00fcber das regional vorhandene technisch-organisatorische Potenzial &#8211; im Grundsatz nur eine Anschubfunktion: Sie initiiert, liefert Ideen, wirft neue Fragestellungen auf oder f\u00fchrt potentielle Partner in Dialogen zusammen. Diese anschiebende Funktion erfordert eine enge Kooperation mit denjenigen Landesbeh\u00f6rden, Institutionen und Verb\u00e4nden, die &#8211; nach der Strukturierung durch die Technologiestiftung &#8211; die dann st\u00e4rker routinierten T\u00e4tigkeiten im jeweiligen Technologiefeld fortsetzen. Dies ist der Hintergrund, vor dem die Technologiestiftung Schleswig-Holstein eine Vielzahl an Projekten bei der Technologie-Transfer-Zentrale gef\u00f6rdert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Ziele der F\u00f6rderung lassen sich folgende Aspekte identifizieren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>In Schl\u00fcsselbereichen soll die langfristig orientierte wirtschaftsnahe Forschung in Kooperation von Industrie, anwendungsnahen Forschungseinrichtungen, Fachhochschulen und Universit\u00e4ten so ausgebaut werden, dass die Innovationskraft der Unternehmen in Schleswig-Holstein nachhaltig gest\u00e4rkt wird.<\/li><li>Bei der Auswahl von Forschungsschwerpunkten sollen vorhandene Technologie-Potenziale, langfristige Marktperspektiven und das endogene Potenzial der Wirtschaft des Landes mitber\u00fccksichtigt werden.<\/li><li>Die Bereitschaft von Wissenschaftlern und Unternehmern zur Zusammenarbeit soll gest\u00e4rkt werden.<\/li><li>Die Geschwindigkeit der Umsetzung von F&amp;E-Ergebnissen in neue Produkte soll optimiert werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Eingebettet in eine Gesamtschau, d.h. unter Ber\u00fccksichtigung anderer technologischer Innovationen im selben Technologiefeld und m\u00f6glicher Konvergenzen zu Entwicklungen in anderen Technologiefeldern, erlaubt die F\u00f6rderphilosophie der Technologiestiftung Schleswig-Holstein die F\u00f6rderung auch dann, wenn der Erfolg nicht sicher absch\u00e4tzbar ist. Im Anschluss an einen Grundgedanken der Stiftungst\u00e4tigkeit &#8211; der Kombination von systematischer Analyse und frei assoziierender Suche nach technologischen Innovationen &#8211; ist dies auch bewusst so gewollt, um den innovativen Gedanken der beabsichtigten Konzeption in die F\u00f6rderphilosophie einzubringen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">7. Aktivit\u00e4ten der Technologiestiftung Schleswig-Holstein<\/h2>\n\n\n\n<p>Methodik: Die Entwicklung neuer Technologien beginnt meist aus einer diffusen, sehr wenig strukturierten Ausgangslage heraus. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und bestehende Technologien weisen Perspektiven auf, ohne dass deren Nutzungszweck bereits klar erkennbar ist. Meist besteht noch keine Validierung f\u00fcr bestehende Hypothesen (Phase A). Aus methodisch-prozessualer Sicht beobachtet die Technologiestiftung Schleswig-Holstein solche Entwicklungen und versucht fr\u00fchzeitig Anst\u00f6\u00dfe f\u00fcr eine zukunftsorientierte Entwicklung in Schleswig-Holstein zu geben. In dieser Phase sind die Erfolgsaussichten der Technologie jedoch noch unsicher, eine tats\u00e4chliche Realisierung von anwendungsorientierten Vorhaben liegt nicht in einem kurzfristigen Zeitrahmen.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig f\u00fchrt erst die Kombination von unterschiedlichen Technologien zu einem neuen technologischen Quantensprung. Erst eine solche Konvergenzsituation entscheidet \u00fcber die sprunghafte Ausdehnung der Anwendungsfelder einzelner Technologiebereiche.<\/p>\n\n\n\n<p>Um eine entsprechend starke Querschnittsorientierung und ein breites Wissensspektrum abzusichern, bedarf es vielf\u00e4ltiger Formen der Informationsgewinnung. Diese reicht von der Einbindung der Technologiestiftung Schleswig-Holstein in informelle Netzwerke \u00fcber die gezielte Informationsabfrage bei Experten bis zu Workshops, Studien und Potenzialanalysen zur Absch\u00e4tzung der m\u00f6glichen Bedeutung neuer Technologiefelder. Nachdem ein neues Technologiefeld definiert ist und erste gesicherte Erkenntnisse sowie Entwicklungsperspektiven vorliegen, beginnt eine intensive wissenschaftliche Bearbeitung des Themas an verschiedensten Einrichtungen. Nicht selten finden solche Innovationen au\u00dferhalb der Hochschulen statt; sie werden dort jedoch sp\u00e4ter aufgenommen und bearbeitet. Dabei schafft die miteinander konkurrierende Wissenschaft eine hohe Innovationsrate. Nachdem eine Vorauswahl \u00fcber zukunftstr\u00e4chtige Technologiefelder erfolgt ist, leistet die Technologiestiftung Schleswig-Holstein durch gezielte Ma\u00dfnahmen einen unterst\u00fctzenden oder auch anschiebenden Beitrag zu der weiteren und beschleunigten Entwicklung des Technologiefeldes, um eine breite technologische Strukturbildung zu erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ma\u00dfnahmen sind auch in dieser Phase mit einem relativ hohen Unsicherheitsgrad behaftet. Die Projekte dienen daher immer auch der Methodenentwicklung hinsichtlich struktureller H\u00fcrden f\u00fcr den allgemeinen Einf\u00fchrungsprozess neuer Technologien. Im Einzelnen z\u00e4hlen zu den von der Technologiestiftung Schleswig-Holstein durchgef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen in dieser Phase B<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>die F\u00f6rderung der Schwerpunktbildung an Fachhochschulen, um sie als Kompetenzzentren f\u00fcr den themenbezogenen Technologietransfer in die Wirtschaft zu etablieren,<\/li><li>die F\u00f6rderung der technischen Infrastruktur zur Bearbeitung von ersten anwendungsorientierten wissenschaftlichen Fragestellungen,<\/li><li>die Qualifizierung von Prozessmoderatoren, die f\u00fcr die Wirtschaft als Ansprechpartner zur Verf\u00fcgung stehen und Methoden f\u00fcr die angewandte Technologienutzung entwickeln (dieser Ansatz wird im Transferprozess oft vernachl\u00e4ssigt; ohne ihn ist ein breiter Technologietransfer jedoch nicht erfolgreich),<\/li><li>Veranstaltungen, um die anwendungsnahe Bedeutung von Technologien Multiplikatoren und der breiten \u00d6ffentlichkeit zu vermitteln,<\/li><li>Potenzialanalysen, um das wirtschaftliche Potenzial neuer Technologien f\u00fcr Schleswig-Holstein zu erschlie\u00dfen sowie<\/li><li>die Vorbereitung von Kontakten f\u00fcr eine wirtschaftliche Nutzung von Erkenntnissen bzw. als erg\u00e4nzende Ma\u00dfnahme f\u00fcr die Einwerbung von Drittmitteln.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>In der Phase C, die als \u00dcbergang von der wissenschaftlich-technologischen zur wirtschaftlich-technologischen Innovation zu bezeichnen ist, ist der wissenschaftliche Erkenntnisprozess weitgehend zum Stillstand gekommen. Ein Anwendungsbezug ist jedoch auf Grund der technischen Probleme und ungel\u00f6ster wichtiger Detailfragen sowie der f\u00fcr die Anwendung notwendigen Verschneidung verschiedener Technologiefelder noch nicht erfolgt. Eine Beteiligung mittlerer und kleinerer Firmen an dem Innovationsprozess scheitert an mangelnden finanziellen und personellen Mitteln. Das Know-how ist im Wesentlichen an Forschungseinrichtungen konzentriert. Das prozessorientierte Wissen zur Entwicklung von marktorientierten Anwendungen fehlt jedoch weitgehend. Daher tr\u00e4gt die Technologiestiftung Schleswig-Holstein durch ihre Aktivit\u00e4ten Nutzenaspekte in die \u00d6ffentlichkeit. Auf der Seite der Wissenschaft wird durch die F\u00f6rderung von konkreten Kooperationsvorhaben das Bewusstsein f\u00fcr die M\u00f6glichkeiten des Technologietransfers erweitert. Der Nutzungsprozess von Know-how aus der Wissenschaft in die Wirtschaft wird verst\u00e4rkt. Die Rolle von Hochschulen und Fachhochschulen als Tr\u00e4ger der anwendungsorientierten Technologienutzung wird gest\u00e4rkt. Die F\u00f6rderprojekte dienen dar\u00fcber hinaus der Methodenentwicklung hinsichtlich struktureller H\u00fcrden f\u00fcr den allgemeinen Umsetzungsprozess neuer Technologien in die Wirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Phase D, der unmittelbaren Unterst\u00fctzung der Unternehmen, spielt die Technologiestiftung Schleswig-Holstein keine direkt gestaltende Rolle mehr. Dies ist Aufgabe der technischen Dienstleister, deren Informationen und Impulse aber von der Technologiestiftung Schleswig-Holstein auch kommuniziert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Umsetzung: In der T\u00e4tigkeit der Technologiestiftung Schleswig-Holstein wird zwischen \u00bbharten\u00ab und \u00bbweichen\u00ab Projekten unterschieden. Die harten Projekte umfassen vor allem den Bereich der technologischen F&amp;E-F\u00f6rderprojekte. Diese Projekte stellen f\u00fcr die Technologiestiftung Schleswig-Holstein den Zugang zur Entwicklungsplanung der Hochschulen dar und bieten somit direkt die M\u00f6glichkeit, technologische Innovationen in die Hochschulen zu tragen. Instrument daf\u00fcr ist insbesondere die F\u00f6rderung von Personal-, Sach- und Ausstattungskosten im Rahmen von Kooperationsprojekten zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00f6rderma\u00dfnahmen f\u00fcgen sich in einen umfassenderen Prozess der Strategiefindung ein, dessen Meilensteine die folgenden sind:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Expertise und Entwicklung eines Szenarios der zukunftstr\u00e4chtigen Technologiebereiche und ihrer Relevanz f\u00fcr Schleswig-Holstein.<\/li><li>Auftakt-Workshop mit den Akteuren: Problemaufriss, Einf\u00fchrung in den Gesamtprozess und Konsensbildung, Erwartungsartikulation.<\/li><li>Potenzialanalyse.<\/li><li>St\u00e4rken-Schw\u00e4chen-Profil und Portfolio f\u00fcr S-H in den ausgew\u00e4hlten Technologiefeldern: Bewertung des vorgefundenen Potenzials, Identifikation von Schwachstellen, Lokalisierung der Potenziale in einem Technologie-Portfolio.<\/li><li>Festlegung von Handlungsfeldern und Diskussion der Entscheidung mit den Beteiligten.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung f\u00fcr die Verst\u00e4rkung oder den Neuaufbau bestimmter Technologiepotenziale einer Region hat immer eine l\u00e4ngere Wirkungsfrist: der Aufbau der Kapazit\u00e4ten und die Lernprozesse der Nutzer verlangen Zeithorizonte von mehreren Jahren. Die Bindung von Kapital und Know-how ist dann meist so hoch, dass eine Tragf\u00e4higkeit der Entscheidung nur dann gesichert werden kann, wenn die Auswahl der technologischen Felder \u00bbstrategisch\u00ab ist, d.h.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>auf langen Zeithorizonten beruht,<\/li><li>die eigenen St\u00e4rken ber\u00fccksichtigt,<\/li><li>die eigenen Schw\u00e4chen im Vergleich zu konkurrierenden Regionen bewertet,<\/li><li>den erforderlichen Mitteleinsatz realistisch kennt,<\/li><li>die Zeit zwischen Technologieentwicklung und ihrer Nutzung verk\u00fcrzen kann,<\/li><li>St\u00f6rungen durch politische Klimawechsel umgeht.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die Technologiestiftung Schleswig-Holstein verfolgt mit ihrem Transformationsansatz eher einen bottom-up Ansatz, indem sie auf der Basis wissenschaftlicher Erhebungen durch Einzelprojektf\u00f6rderung im Wissenschaftsbereich Nuklei schafft und dann direkt den betroffenen Bereich ansprechen kann, bzw. durch Einrichtung einer Stiftungsprofessur. Selbstverst\u00e4ndlich ist sie aber f\u00fcr eine dauerhaft positiv wirkende Ver\u00e4nderung der Schwerpunkte und Strukturen darauf angewiesen, dass die Ver\u00e4nderungsprozesse von anderen (Technologie)-Akteuren aktiv getragen und fortgef\u00fchrt werden. Dies gelingt nicht immer. Die anschiebenden F\u00f6rderma\u00dfnahmen der Technologiestiftung Schleswig-Holstein in den Bereichen Software, d\u00fcnne Schichten und lonik beispielsweise sind in ihrer m\u00f6glichen Breite von anderen Akteuren noch nicht aufgegriffen worden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die mit einer systematischen Erschlie\u00dfung dieser Felder verbundenen Chancen wurden unzureichend genutzt, u.a. weil Investitionen, die f\u00fcr eine kurzfristige Erschlie\u00dfung des Technologiefeldes notwendig gewesen w\u00e4ren, nicht bereitgestellt wurden. Wie die Grafik verdeutlicht, bedarf es kurzfristig massiver Investitionen statt eines auf einen l\u00e4ngeren Zeitraum verstreuten Mitteleinsatzes, um einer Technologie zum Durchbruch zu verhelfen. Geschieht dies nicht, bleibt der zuk\u00fcnftige Nutzen dieser Technologie f\u00fcr Wirtschaft und Arbeitspl\u00e4tze unsicher.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_09.jpg\" data-lbwps-width=\"1087\" data-lbwps-height=\"981\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_09-300x271.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1213\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_09.jpg\"    alt=\"2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_09\"  width=\"1087\" height=\"981\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_09.jpg 1087w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_09-300x271.jpg 300w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_09-1024x924.jpg 1024w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_09-768x693.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1087px) 100vw, 1087px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sensorik und Messtechnik<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Sensorik ist ein Technologiefeld, das bereits breit ausdifferenziert ist: In vielen Technologien, wie z.B. in der Medizin-, Fertigungs- und Haustechnik, spielt Sensorik eine wichtige Rolle. In der Umwelttechnik sowie in der Mess- und Regeltechnik sind viele Verfahren ohne leistungsf\u00e4hige, zuverl\u00e4ssige Sensorsysteme kaum noch denkbar. Dabei haben sich Sensoren unter dem Einfluss der Mikroelektronik zunehmend von einer reinen Signalumsetzung zu informationsverarbeitenden Modulen entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sensorik geh\u00f6rt zu den Schwerpunkten der F\u00f6rdert\u00e4tigkeit der Technologiestiftung Schleswig-Holstein. Fr\u00fchzeitig wurden mit der Studie -Angewandte Sensorik in Schleswiq-Holstein die entsprechenden Potenziale im Land sichtbar gemacht &#8211; sie liegen in einzelnen Bereichen deutlich \u00fcber dem Bundesschnitt &#8211; und durch eine Markttransparenz und Sensibilisierung f\u00fcr diese Zukunftstechnologie f\u00f6rdernde Datenbankrecherche erg\u00e4nzt. Mit einer Themenausgabe \u00bbSensorik\u00ab hat der Technologie-Dialog die Kenntnis der Sensorik-Szene im Land verbessert. Angesichts eines in Schleswig-Holstein vorhandenen erheblichen und ausbauf\u00e4higen Potenzials, insbesondere in der Umweltsensorik sowie bei chemischen und optischen Sensoren, hat die Technologiestiftung von Beginn an auch Projektantr\u00e4ge in diesem Technologiefeld gef\u00f6rdert. Die zeitweise diskutierte Idee der Errichtung eines Forschungsinstituts f\u00fcr Sensorik wurde von den Gremien der Technologiestiftung zugunsten eines Ausbaus dieses Schwerpunktes durch Projektf\u00f6rderung verworfen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-33.jpg\" data-lbwps-width=\"1097\" data-lbwps-height=\"702\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-33-300x192.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1239\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-33.jpg\"    alt=\"2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-33\"  width=\"1097\" height=\"702\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-33.jpg 1097w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-33-300x192.jpg 300w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-33-1024x655.jpg 1024w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation-33-768x491.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1097px) 100vw, 1097px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Unterst\u00fctzung innovativer Sensorik-Entwicklungen und die F\u00f6rderung entsprechender Technologie-Potenziale an den Hochschulen des Landes wird von der Technologiestiftung kontinuierlich betrieben. Die jeweiligen Einzelma\u00dfnahmen sind f\u00fcr die an Kooperationsprojekten beteiligten Unternehmen n\u00fctzlich und wichtig, wenn auch wenig spektakul\u00e4r. Angesichts der gro\u00dfen Zahl der Anwendungsbereiche von Sensoren, bei denen es immer wieder innovative Einzelentwicklungen, aber selten paradigmatische Umbr\u00fcche gibt, ist eine Fokussierung der F\u00f6rderung auf einzelne Sensortypen nicht sinnvoll. Auch hier m\u00fcssen aber Technologien oft im fr\u00fchen Stadium an den Hochschulen entwickelt werden. Anwendungsbereiche entstehen dabei umso eher, je deutlicher sich diese Innovationst\u00e4tigkeit an industriellen Standards orientieren kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Biotechnologie<\/h3>\n\n\n\n<p>Bio- und Gentechnologie gelten mit der Vielzahl ihrer Anwendungsfelder und aufgrund ihres Querschnittscharakters als wichtige Wachstumsbranchen, sind jedoch gesellschaftlich noch immer umstritten. In der Technologiestiftung gab es schon fr\u00fch Projektf\u00f6rderungen, die diesem Bereich zugeordnet werden k\u00f6nnen, etwa im Bereich der biologischen Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfung (Nematoden). Mit einem Workshop hat die Technologiestiftung 1993 zur Versachlichung der Diskussion beigetragen und selbst zun\u00e4chst eine Konzentration der F\u00f6rderung der Biotechnologie im gr\u00fcnen Bereich vorgenommen, nachdem ein Statusbericht das Augenmerk insbesondere auf Anwendungen in den Bereichen Pflanzenz\u00fcchtung, Lebensmitteltechnologie, Umweltbiotechnologie und Biosensorik gelenkt hatte. Bei der Projektf\u00f6rderung wurden die Zukunftschancen der Technologie, der Nutzen f\u00fcr die Region und der Beitrag zur Schaffung kritischer Masse in der Wirtschaft hoch bewertet. In den vergangenen Jahren konnte eine Entideologisierung des Themas erreicht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die steigende Zahl eingehender Antr\u00e4ge aus dem Bereich Biotechnologie, einer Branche, die mit einer F&amp;E-Quote von 15-17% besonders forschungsintensiv ist, veranlasste die Technologiestiftung Schleswig-Holstein zu einer Vertiefungsanalyse \u00fcber biotechnologische Unternehmen in Schleswig-Holstein. Nach dieser FhG-Untersuchung handelt es sich mehrheitlich um KMU in den Bereichen Umwelt, Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (gr\u00fcner Bereich), die \u00fcber dem Bundesdurchschnitt vertreten sind. W\u00e4hrend aber im Bundesgebiet f\u00fcr den Zeitraum zwischen 1980 und 1990 eine deutliche Steigerung der Innovationsdynamik zu erkennen ist, ist diese in Schleswig-Holstein auf gleichem Niveau geblieben. Mit der von der ttz GmbH betreuten Arbeitsgemeinschaft Biotechnologie-Nord und der durch das MWTV forcierten Teilnahme am Wettbewerb BioRegio sollten in der Folgezeit Potenziale im Land aktiviert, die Kooperation mit Hamburg forciert und nach au\u00dfen dokumentiert werden, dass Schleswig-Holstein diesen Technologien gegen\u00fcber aufgeschlossen ist. Um dem gewachsenen Interesse regionaler Akteure an der Biotechnologie zu entsprechen, fasste der Stiftungsrat der Technologiestiftung Schleswig-Holstein im Oktober 1995 den Beschluss, die Ertr\u00e4ge der urspr\u00fcnglich f\u00fcr eine IAO-Au\u00dfenstelle gedachten Zustiftung priorit\u00e4r f\u00fcr die Unterst\u00fctzung von biotechnologischen Projekten zu verwenden.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Folgezeit erh\u00f6hte sich &#8211; unter anderem durch ein von der Technologiestiftung Schleswig-Holstein initiiertes und der ttz GmbH umgesetztes Projekt &#8211; die Nachfrage nach F\u00f6rderung: Etwa 20 Projekte mit einem Gesamtvolumen von ca. 2,5 Mio. Mark wurden gef\u00f6rdert. Das Projektscreening kann sich auf den im Rahmen der BioRegio-lnitiative erarbeiteten Fundus und eine thematisch spezialisierte Innovationsberaterin der Technologie-Transfer-Zentrale st\u00fctzen. W\u00e4hrend es 1995\/96 in der Debatte noch um die grunds\u00e4tzliche M\u00f6glichkeit von Biotechnologieprojekten in Schleswig-Holstein ging, ist heute biotechnologische Forschung in der Region an den Hochschulen und in Unternehmen fest etabliert und auch nach au\u00dfen vertreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil in Schleswig-Holstein inzwischen ein umfangreiches Entwicklungspotenzial entstanden ist, die Initiativwirkung der F\u00f6rderungen also inzwischen gegriffen hat, sind die Qualit\u00e4tskriterien bei der F\u00f6rderung 1998 angehoben worden. Zugleich darf nicht \u00fcbersehen werden, dass nur 50% echte Kooperationsprojekte zwischen Wirtschaft und Wissenschaft sind. Zwar hat es Unternehmensgr\u00fcndungen gegeben, aber eine nachhaltig wirkende Struktur im Feld der Biotechnologie, die au\u00dferordentliche Innovationsvorspr\u00fcnge h\u00e4tte erarbeiten k\u00f6nnen, ist erst in Ans\u00e4tzen zu erkennen. Ausgr\u00fcndungen, die unter dem Gesichtspunkt der Schaffung eines entsprechenden Forschungs- und Dienstleistungsmilieus bzw. der Cluster-Bildung w\u00fcnschenswert sind, hat es gegeben, sind aber mit hohen Kosten belastet und w\u00fcrden daher st\u00e4rkere Finanzierungshilfen ben\u00f6tigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Bereich der Bio- und Gentechnologie hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein sowohl den gesellschaftlichen Dialog forciert als auch endogene Potenziale aktiviert, Support-Strukturen angeboten und mit einer Schwerpunktf\u00f6rderung zum Aufbau von Strukturen beigetragen. Dabei hat sich wiederholt der Nutzen der neutralen Stellung der Einrichtung als wesentlich gezeigt, die eine bedeutende Grundlage f\u00fcr die zukunftsf\u00e4hige Gestaltung des Themas in der Region war &#8211; abseits kurzfristiger politischer Tagesdebatten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_10.jpg\" data-lbwps-width=\"1087\" data-lbwps-height=\"744\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_10-300x205.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1214\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_10.jpg\"    alt=\"2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_10\"  width=\"1087\" height=\"744\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_10.jpg 1087w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_10-300x205.jpg 300w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_10-1024x701.jpg 1024w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_10-768x526.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1087px) 100vw, 1087px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Neue Materialien<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Entwicklung neuer Werkstoffe und Materialien kommt auch zuk\u00fcnftig gro\u00dfe Bedeutung zu: Die Technologiestiftung hat sich in diesem Handlungsfeld neben der F\u00f6rderung innovativer Projekte, z.B. zur Verbesserung der Systemzuverl\u00e4ssigkeit von elektrisch leitenden Verbindungen bei mikroelektronischen Anwendungen, insbesondere um den Aufbau einer technologisch hochstehenden, anwendungsnahen Werkstoffforschung bem\u00fcht. Zukunftsf\u00e4hige F\u00f6rderungen gab es dabei u.a. bei den leitf\u00e4higen Polymeren und im Bereich der Ionik. Insbesondere die lonik war Gegenstand intensiver Bem\u00fchung mit Transformationscharakter: Festk\u00f6rperionenleitung ist heute eines der interessantesten Entwicklungsgebiete mit hoher Aussicht auf eine wirtschaftliche Umsetzung. Gleichwohl bestehen im Umsetzungsprozess hohe H\u00fcrden, die wesentlich aus dem Querschnittscharakter der Technologie zu erkl\u00e4ren sind. Erforderlich ist sehr stark interdisziplin\u00e4res Denken und Projektarbeit, womit diese Technologie typische Anforderungen f\u00fcr eine moderne vernetzte technikorientierte Gesellschaft formuliert. Zu den relevanten Anwendungsfeldern der lonik in Schleswig-Holstein z\u00e4hlen die Sensorik, die Elektrochromie, die Entwicklung von Energiequellen f\u00fcr Chips sowie die Entwicklung von Pulsbatterien und die Photogalvanik. An der Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel ist hochqualifizierte wissenschaftliche Kompetenz vorhanden. Hier hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein einen mehrgleisigen methodischen Ansatz verfolgt, um die in dieser Technologie liegenden Chancen f\u00fcr die Region auch \u00f6konomisch nutzbar zu machen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>die St\u00e4rkung der anwendungsorientierten wissenschaftlichen Basis,<\/li><li>die Unterst\u00fctzung von Kooperationen zwischen Wirtschaft und Hochschulen,<\/li><li>die F\u00f6rderung des innovativen Umfelds durch Dialoge und Veranstaltungen, durch Workshops und Seminare,<\/li><li>die Einrichtung eines Stiftungslehrstuhls.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Bei den von der Technologiestiftung gef\u00f6rderten Projekten geht es unter anderem um die Entwicklung chemischer Sensoren mit festen Ionenleitern, die Entwicklung von elektrochromen Schichten und D\u00fcnnschicht-Batterien. Im Rahmen einer Potenzialanalyse f\u00fcr lonik in der Wirtschaft Schleswig-Holsteins, die auch der Bekanntmachung dieser Technologie und ihrer M\u00f6glichkeiten dienen sollte, haben ca. 60 von 450 angeschriebenen Unternehmen Interesse an derartigen lonik-Entwicklungen ge\u00e4u\u00dfert. Es wurde daher davon ausgegangen, dass bei einer schnellen Aufnahme der lonik durch die regionale Wirtschaft ein erheblicher Impuls f\u00fcr das Land ausgehen kann. Die technologische Basis f\u00fcr wirtschaftliche Innovationen ist da, allerdings fehlen Strukturen, die eine Umsetzung unterst\u00fctzen. Erste Ans\u00e4tze gibt es in Itzehoe, wo die Fraunhofer-Gesellschaft sich dieser Technologie angenommen und hochqualifizierte Arbeitspl\u00e4tze geschaffen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Technologiestiftung Schleswig-Holstein hat ein Konzept zur Einf\u00fchrung der lonik in die regionale Wirtschaft entworfen, das auch Finanzierungsvorschl\u00e4ge f\u00fcr die Gr\u00fcndung von lonik-Unternehmen enth\u00e4lt. Qualifiziertes Personal wird auch im Rahmen der gef\u00f6rderten Projekte ausgebildet, wandert jedoch mangels M\u00f6glichkeit aus der Region ab (Brain drain). Die Entstehung von Innovationsmilieus auf der Basis von im Bereich lonik t\u00e4tigen Hochschulinstituten und Unternehmen ist bisher nicht zustande gekommen. Zwar werden Forschungsvorhaben abgewickelt, die Auftraggeber sind jedoch noch selten regionale Akteure. Es ist noch nicht gelungen, in der Wirtschaft Schleswig-Holsteins ein wirksames Nachfragepotenzial f\u00fcr die lonik zu wecken und dieses mit der Hochschulkompetenz zu kontinuierlich kooperierende nachhaltig wirksamen Nuclei zusammenzuf\u00fchren, bei denen in bestandsf\u00e4higen Strukturen auch qualifiziertes Personal gebunden wird.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_11.jpg\" data-lbwps-width=\"1100\" data-lbwps-height=\"636\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_11-300x173.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1215\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_11.jpg\"    alt=\"2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_11\"  width=\"1100\" height=\"636\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_11.jpg 1100w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_11-300x173.jpg 300w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_11-1024x592.jpg 1024w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_11-768x444.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1100px) 100vw, 1100px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Angesichts der noch immer wachsenden Bedeutung neuer Materialien, die insbesondere aus ihrer vielf\u00e4ltigen Nutzbarmachung auch f\u00fcr Technologiebereiche wie Sensorik und Informationssysteme resultiert, hat die Technologiestiftung 1998 eine Analyse der Potenziale der Oberfl\u00e4chen- und Schichttechnologien in Schleswig-Holstein veranlasst, um hieraus Handlungsoptionen und Empfehlungen ableiten zu k\u00f6nnen. Bereits heute gibt es an den Hochschulen des Landes innovatives Know-how und modernste Technologie. In absehbarer Zeit sollen die bereits begonnenen Schwerpunktsetzungen hinsichtlich ihrer Abstimmung auf die F&amp;E-Erfordernisse der regionalen Wirtschaft verfeinert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Handelt es sich bei der Sensorik, Biotechnologie und lonik um \u00bbharte Technologien\u00ab, so z\u00e4hlt zum Aufgabenspektrum der Technologiestiftung Schleswig-Holstein auch die Bearbeitung \u00bbweicher Technologiethernen\u00ab. Diese sind komplexer, sowohl inhaltlich als auch in ihren Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. Dabei geht um die Beachtung der Auswirkungen technologischer Innovationen in der langfristigen Einflussnahme auf soziologische und kulturelle Entwicklungen. Am umfassendsten ist dies von der Technologiestiftung Schleswig-Holstein bisher bei der Gestaltung der Informationsgesellschaft ber\u00fccksichtigt worden (vgl. den Abschnitt zu RISI).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Informations- und Kommunikationstechnologien<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Entwicklung und Diffusion der luK-Technologien haben die \u00f6konomischen, gesellschaftlichen und sozialen Strukturen bereits umfassend gepr\u00e4gt. Dieser Prozess h\u00e4lt an und ist in seinen Auswirkungen auf die menschliche Umwelt noch immer nicht sicher prognostizierbar. Die Technologiestiftung Schleswig-Holstein hat im Rahmen ihrer Projektf\u00f6rderung von Beginn an technische Innovationen in diesem Bereich gef\u00f6rdert, so z.B. bei der digitalen Bildverarbeitung, der Datenkompression, der automatischen Sprach- und Datenerkennung oder in Gestalt einer Vielzahl von technischen Ausr\u00fcstungen. Zugleich hat sie fr\u00fchzeitig &#8211; 1994 &#8211; Studien zu den gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Technologien f\u00fcr das Landesparlament erstellt und damit Wege f\u00fcr die Bereitstellung von Finanzmitteln zur Gestaltung dieser Entwicklung ge\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Technologiestiftung war bei der Gestaltung dieses durch den Konvergenzcharakter der Technologien gepr\u00e4gten Feldes handlungsleitend, in einem komplexen und dynamischen Bereich technische Innovationen und regionales Know-how in Form<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>innovativer Softwarel\u00f6sungen zu realisieren, die sich mit der Produktion, Sammlung, Speicherung und Handhabung sowie mit dem Transport und der Ausgabe von digitalen Daten\/Informationen befassen;<\/li><li>von nutzerfreundlichen Hardware-L\u00f6sungen f\u00fcr technische Dienstleistungen aufzubauen;<\/li><li>dialogorientierter Strukturen zu schaffen (TiSCH), die als Kommunikations- und lnteraktionsplattformen technologie-orientierter Akteure genutzt werden (k\u00f6nnen) und<\/li><li>von Bef\u00e4higungsaneignung als M\u00f6glichkeit der aktiven Teilhabe an technologischen Diskursen und Gestaltungsprozessen zu begleiten.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die Investitionen in entsprechende Projektaktivit\u00e4ten, etwa beim Schleswig-Holstein Forum, waren betr\u00e4chtlich.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_12.jpg\" data-lbwps-width=\"1097\" data-lbwps-height=\"941\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_12-300x257.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1216\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_12.jpg\"    alt=\"2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_12\"  width=\"1097\" height=\"941\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_12.jpg 1097w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_12-300x257.jpg 300w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_12-1024x878.jpg 1024w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_12-768x659.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1097px) 100vw, 1097px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Projektf\u00f6rderung im Feld der luK-Technologien ist einer der wesentlichen Schwerpunkte der Technologiestiftung Schleswig-Holstein seit der Gr\u00fcndung im Jahre 1991 gewesen. Dabei ist es zu einer abgestimmten Arbeitsteilung in den regionalen Hochschulstrukturen gekommen, in der z.B. die FH Kiel besondere Kompetenzen in der digitalen Videotechnik entwickelt, w\u00e4hrend sich die FH Flensburg im Bereich der Mobilkommunikation und Nachrichtentechnik profiliert hat. Beide Schwerpunktsetzungen korrespondieren eng mit der regionalen Nachfrage der Wirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Qualifizierung<\/h3>\n\n\n\n<p>Technische Innovationen erfordern in immer k\u00fcrzeren Abst\u00e4nden neue Qualifikationen. Der Qualifizierungsprozess darf sich dabei nicht an dem orientieren, was heute ist, sondern muss die innovativen Technologien von morgen zur Grundlage seiner Strukturen und Inhalte machen. Die Qualifizierung betrifft zudem verschiedene gesellschaftliche Aggregierungsebenen (vgl. Abbildung), woraus sich ein mehrstufiger Qualifizierungsbedarf und die Suche nach Werkzeugen ergibt, mit denen diesen neuen Anforderungen gerecht zu werden ist.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_13.jpg\" data-lbwps-width=\"1102\" data-lbwps-height=\"498\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_13-300x136.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1217\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_13.jpg\"    alt=\"2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_13\"  width=\"1102\" height=\"498\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_13.jpg 1102w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_13-300x136.jpg 300w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_13-1024x463.jpg 1024w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_13-768x347.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1102px) 100vw, 1102px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Technologiestiftung hat zun\u00e4chst vergleichsweise traditionelle Qualifizierungsprojekte gef\u00f6rdert, zum Beispiel die Entwicklung von Curricula. Hiervon ist sie jedoch bald abgekommen und hat sich umfassenderen Ans\u00e4tzen zur Entwicklung von Bef\u00e4higung (verstanden als allgemeinster Ausdruck von Kompetenz) zugewandt. Dabei kann etwa die F\u00e4higkeit zur Artikulation und Teilhabe an Gestaltungsprozessen als eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr eine Beteiligung an Aktivit\u00e4ten zur Technologiefolgenabsch\u00e4tzung (TA) angesehen werden. Mit diesem umfassenderen Verst\u00e4ndnis von Bef\u00e4higung, in welches Aspekte des Handlings einer neuen Technologie ebenso eingehen wie Ans\u00e4tze zur Herausbildung neuer Strukturen, hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein im Schul-, Hochschul- und Unternehmensbereich Projekte durchgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_14.jpg\" data-lbwps-width=\"1087\" data-lbwps-height=\"636\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_14-300x176.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1218\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_14.jpg\"    alt=\"2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_14\"  width=\"1087\" height=\"636\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_14.jpg 1087w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_14-300x176.jpg 300w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_14-1024x599.jpg 1024w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_14-768x449.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1087px) 100vw, 1087px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Technologiefolgenabsch\u00e4tzung<\/h3>\n\n\n\n<p>Entsprechend der allgemeinen Aufgabenstellung, technologische Entwicklungen sozial- und umweltvertr\u00e4glich zu gestalten, ist die Technologiestiftung Schleswig-Holstein im Bereich der Technologiefolgenabsch\u00e4tzung (TA) t\u00e4tig geworden. Einer Bestandsaufnahme regionaler TA-Aktivit\u00e4ten und -Kompetenzen folgte ein viel beachteter Kongress zu Stand und Perspektiven der Technologiefolgenabsch\u00e4tzung. Der Schleswig-Holsteinische Landtag hat die mit der Technologiestiftung Schleswig-Holstein gebotenen M\u00f6glichkeiten genutzt und fr\u00fch eine TA-orientierte Untersuchung der luK-Technologien angeregt. Im Laufe der T\u00e4tigkeit in diesem Handlungsfeld hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein ein TA-Verst\u00e4ndnis entwickelt, dass die strategischen Str\u00e4nge der Technologieprognostik (Foresight), der Analyse der Technikfolgen im engeren Sinne und der (Bef\u00e4higung zur) Gestaltung des technologischen Wandels aufgrund der gro\u00dfen Dynamik technologischer Innovationen nicht als sequentielle Prozesse sieht, sondern als eng miteinander verkn\u00fcpft und nahezu simultan ablaufend betrachtet. Die Technologiestiftung Schleswig-Holstein hat dies unter dem Begriff Panmedia zusammengefasst und damit intensiv und fr\u00fchzeitig die gesellschaftliche Auseinandersetzung in Schleswig-Holstein angesto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Beispiel der Initiative Informationsgesellschaft Schleswig-Holstein &#8211; einem von der EU und der Technologiestiftung parit\u00e4tisch finanzierten Projekt &#8211; l\u00e4sst sich dieser spezifische Ansatz veranschaulichen. Die Initiative bewegte sich in einem Technologiefeld mit gr\u00f6\u00dfter Dynamik, wachsenden Konvergenzen und enormen M\u00e4chtigkeitsfaktoren und hat zun\u00e4chst dieses Feld &#8211; nicht einzelne technologische Entwicklungen! &#8211; f\u00fcr die Region erschlossen. Durch eine breit angelegte Auseinandersetzung \u00fcber Entwicklungstendenzen, Chancen und Risiken der luK-Technologien &#8211; und durch manches Mal unvermeidbare Konflikte &#8211; ist das ganze Land in einen komplexen Lern-Prozess verwickelt worden. Dieser hat politische Handlungszw\u00e4nge erzeugt, wobei die Bef\u00e4higung der Region zur qualifizierten Auseinandersetzung und Gestaltung dadurch so wirkungsvoll gef\u00f6rdert werden konnte, weil die Initiative die Vorausschau auf die technischen Innovationen mit einer Diskussion um deren Auswirkungen sowie mit konkreten Gestaltungsoptionen verband und aufgrund ihrer gro\u00dfen Autonomie auch hinsichtlich der F\u00f6rderung von Projekten verbinden konnte. Diese wiederum waren mit der Erschlie\u00dfung, Aktivierung und St\u00e4rkung regional kompetenter Akteure verkn\u00fcpft.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_15.jpg\" data-lbwps-width=\"1090\" data-lbwps-height=\"747\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_15-300x206.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1219\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_15.jpg\"    alt=\"2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_15\"  width=\"1090\" height=\"747\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_15.jpg 1090w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_15-300x206.jpg 300w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_15-1024x702.jpg 1024w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_15-768x526.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1090px) 100vw, 1090px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>In kleinerem Ma\u00dfstab hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein ein entsprechendes Vorgehen, welches technologiegestaltende Aktivit\u00e4ten wie etwa die Analyse, die Strukturbildung, den gesellschaftlichen Dialog, Qualifizierungsma\u00dfnahmen, Technologieprognostik und Projektf\u00f6rderungen verkn\u00fcpft, auch bei den Technischen Dienstleistern oder dem Projekt \u00bbSchulen ans Netz\u00ab in Schleswig-Holstein genutzt. Im Sinne der eingangs formulierten These hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein mit ihrem Verst\u00e4ndnis der Technologiefolgenabsch\u00e4tzung Transformationsprozesse in gesellschaftlichen und \u00f6konomischen Bereichen unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">8. Die Rolle der TSH bei der Gestaltung der Informationsgesellschaft<\/h2>\n\n\n\n<p>Es besteht kein Zweifel, dass die durch die Informations- und Kommunikationstechnologien verursachten Zw\u00e4nge zu einer tiefgehenden Transformation wirtschaftlicher, sozialer, politischer und gesellschaftlicher Strukturen und Abl\u00e4ufe f\u00fchren. Die Technologiestiftung Schleswig-Holstein hat f\u00fcr diese Entwicklung bereits zu Beginn der 90er Jahre den Begriff Panmedia gepr\u00e4gt. Dieser soll die Komplexit\u00e4t, Gesellschaftlichkeit und Totalit\u00e4t des Ver\u00e4nderungsprozesses markieren und damit \u00fcber die vor allem technisch ausgelegte Bezeichnung Multimedia hinausgehen. Erst in j\u00fcngster Zeit wird dieses Verst\u00e4ndnis jedoch aufgegriffen. Hierzu hat ma\u00dfgeblich die Initiative Informationsgesellschaft Schleswig-Holstein beigetragen, die sich aus ersten Aktivit\u00e4ten der Technologiestiftung Schleswig\u00b7 Holstein zur Technologiefolgenabsch\u00e4tzung entwickelte und im Rahmen des europ\u00e4ischen Programms RISI (Regional Information Society Initiatives) mit Unterst\u00fctzung der Europ\u00e4ischen Union von der Technologiestiftung Schleswig-Holstein in Schleswig-Holstein durchgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ziel der in zweiundzwanzig europ\u00e4ischen Regionen zeitgleich durchgef\u00fchrten RISI-Projekte war es, eine den regionalen Ausgangslagen, Bedingungen und M\u00f6glichkeiten entsprechende Strategie f\u00fcr die Entwicklung der Informationsgesellschaft zu finden. Wenn eine Region bei der Gestaltung der Informations- und Kommunikationsgesellschaft erfolgreich sein will, dann muss ein tiefes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die neuen Anforderungen, Strukturen und Prozesse der ver\u00e4nderten Funktion des Kommunikations- und Technologietransfers entstehen. Alte Beziehungen, z.B, zwischen Wirtschaft und Verwaltung, m\u00fcssen sukzessive ersetzt werden durch neue nachhaltige Partnerschaften. Um die Entwicklung der Informationsgesellschaft beeinflussen zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigen Regionen daher<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>eine neue Hierarchie und Kommunikationsstruktur zwischen allen relevanten gesellschaftlichen Gruppen und Entscheidungstr\u00e4gern;<\/li><li>eine neue Definition der jeweiligen Rollen;<\/li><li>eine L\u00f6sung der Frage, wer f\u00fcr bestimmte Aufgaben bezahlt sowie<\/li><li>ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis der Funktionen und Aufgaben der jeweiligen Partner bei der Gestaltung der Informationsgesellschaft.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die mit der Entwicklung solcher Struktur- und Rollenverst\u00e4ndnisse verbundene Strategieentwicklung &#8211; so ein Credo der Initiative Informationsgesellschaft Schleswig-Holstein &#8211; kann nur als Prozess erfolgreich sein, indem Entscheidungen f\u00fcr Strategien nicht als \u00bbeinsame Entscheidungen\u00ab gro\u00dfer und\/oder m\u00e4chtiger Akteure fallen, sondern als Konsensfindungs-Prozess unter denjenigen, die die Strategie finden und umsetzen wollen. In einem solchen Prozess gibt es st\u00e4ndige R\u00fcckkopplungsschleifen von Analyse (Ist) und Zielsetzungen (Soll), von Handlung und Neuformulierung, von Strategieelementen und Handlungsleitlinien zur Erreichung von vier Zielen bei der Gestaltung der regionalen Informationsgesellschaft:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Soziale Nachhaltigkeit<\/li><li>\u00d6konomische Stabilit\u00e4t<\/li><li>Kulturelle Vielfalt<\/li><li>Umweltvertr\u00e4glichkeit<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne ist Strategieentwicklung also kein zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeschlossenes Ereignis, sondern ein fortgesetzter Lernprozess zur Entwicklung, Erprobung und Erneuerung nachhaltiger Strukturen und Werkzeuge regionaler Entwicklung sowie einer neuen Kultur, die es erm\u00f6glicht, mit den vielf\u00e4ltigen Unsicherheiten umzugehen, die der dynamische Wandel mit sich bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Konstellation spiegelt sich in den unterschiedlichen Aneignungsstrategien neuer Technologien wider. Denn hinsichtlich der Dynamik von Verlaufsmustern allt\u00e4glicher Technisierungsprozesse, wie sie z.B. bei der Diffusion der luK-Technologien zu beobachten sind, lassen sich bestimmte Erfahrungen festhalten. So verl\u00e4uft die Technisierung unterschiedlich schnell in verschiedenen Lebensbereichen und f\u00fcr verschiedene Gruppen; das Ergebnis ist eine technikinduzierte soziale \u00bbSpreizunq\u00ab. Denn die Aneignungsformen jeweils neuer Technologie sind \u00e4u\u00dferst verschieden in ihrer affektiven und kognitiven Orientierung. Neben der Kultivierung m\u00f6glichst technikarmer Lebensformen und der konservativen bis skeptischen Ann\u00e4herung sowie der durch N\u00fctzlichkeitserw\u00e4gungen bestimmten Techniknutzung sind auch die modische oder anderweitig am \u00e4u\u00dferen Schein neuer Technik orientierte Annahme technischer Innovationen zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Technologiestiftung Schleswig-Holstein hat RISI bzw. die Initiative Informationsgesellschaft Schleswig-Holstein daher im Grundsatz als eine aktive regionale Lernstrategie verstanden, die mittels eines thematisch und methodisch weit gef\u00e4cherten bottorn-up-Ansatzes m\u00f6glichst vielen gesellschaftlichen Gruppen &#8211; je nach dem Grad der Vertrautheit mit dieser Technologie &#8211; die M\u00f6glichkeit bieten sollte,<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>eine erste Ann\u00e4herung an diese neuen Technologien zu finden;<\/li><li>praktische Erfahrungen zu sammeln und Bef\u00e4higung in der selbstbewussten Nutzung anzueignen;<\/li><li>die Chancen und Risiken der Diffusion dieser Technologien zu erkennen;<\/li><li>den Ver\u00e4nderungsbedarf in den Strukturen zu bestimmen und<\/li><li>eigene Vorstellungen zur zuk\u00fcnftigen Nutzung der luK-Technologien und der damit korrelierenden gesellschaftlichen Strukturen (etwa im Bildungssystem) in den Prozess der Strategiefindung einzubringen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Im Rahmen dieses breiten gesellschaftlichen Dialogs war die lnitiative Informationsgesellschaft Schleswig-Holstein die Plattform f\u00fcr eine Vielzahl von Veranstaltungen und Projekten, aber auch von moderierter Strategiegruppen-T\u00e4tigkeit in zun\u00e4chst sechs, schlie\u00dflich in neun Handlungsfeldern:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Arbeit mit Zukunft, \u2022 Verwaltung online, \u2022 Medienkompetenz, \u2022 Kultur-, Arbeits- und Freizeitgestaltung, \u2022 Gesundheit, \u2022 \u00d6kologie, \u2022 B\u00fcrgerrechte und Datenselbstschutzkompetenz, \u2022 Informationszugang f\u00fcr alle, \u2022 Dialog.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die Kommunikationsaktivit\u00e4ten von unten nach oben, wie zum Beispiel \u00f6ffentliche Diskussionen, Workshops und Veranstaltungen, f\u00fchrten zu der angestrebten Aktivierung dieses Themas in der Region. Die Erfahrungen und Ergebnisse dieses awareness-building-Prozesses wurden gekoppelt mit den Diskussions- und Entscheidungsprozessen des regionalen Steuerungsgremiums, in dem sich unter Vorsitz der Ministerpr\u00e4sidentin die regionale Entscheiderebene mit der Gestaltung der Informationsgesellschaft befasste.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem von der Technologiestiftung Schleswig-Holstein organisierten und moderierten Prozess entstanden so in den ersten zw\u00f6lf Monaten \u00fcber zweihundert Projektideen hinsichtlich der Gestaltung der Informationsgesellschaft in Schleswig-Holstein. Diese wurden in einem mehrstufigen Verdichtungsprozess schlie\u00dflich in sechzehn Leitprojekten zusammengef\u00fchrt bzw. mit Priorit\u00e4t versehen. Mit der Verabschiedung des Strategie- und Aktionsplanes, der Einrichtung eines Projektb\u00fcros und der Bereitstellung von Landesmitteln hat die Initiative Informationsgesellschaft Schleswig-Holstein Anfang 1999 eine st\u00e4rker umsetzungsbezogene Phase erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Von besonderem Nutzen hinsichtlich der Erreichung der Projektziele war die mit dem RISI-Projekt verkn\u00fcpfte Entwicklung eines Netzwerks zwischen den 16 RISI-Regionen, das &#8211; unter aktiver Mitwirkung der Technologiestiftung Schleswig-Holstein &#8211; zur Gr\u00fcndung von eris@ (European Regional Information Society Association) f\u00fchrte. Ein Aufgabenfeld von eris@ ist der interregionale Austausch von Erfahrungen mit dem Ziel des Aufbaus regionaler Kompetenz im europ\u00e4ischen Kontext. Der intensive Erfahrungsaustausch befasst sich nicht nur mit zuk\u00fcnftigen Entwicklungen, sondern auch mit der Reflexion aktueller Vorg\u00e4nge und der Vorbereitung gemeinsamen Handelns und gemeinsamer Projektantr\u00e4ge auf internationaler Ebene.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_16.jpg\" data-lbwps-width=\"1084\" data-lbwps-height=\"1092\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_16-298x300.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1220\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_16.jpg\"    alt=\"2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_16\"  width=\"1084\" height=\"1092\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_16.jpg 1084w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_16-298x300.jpg 298w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_16-1016x1024.jpg 1016w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_16-150x150.jpg 150w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_16-768x774.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1084px) 100vw, 1084px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Fortsetzung des intraregionalen Gestaltungsprozesses der Informationsgesellschaft liefert die interregionale Kooperation als Vergleichs- und Reflexionsebene wertvolle Hinweise auf Herausforderungen und zuk\u00fcnftige L\u00f6sungswege. Daneben haben die in Schleswig-Holstein im Rahmen der Initiative Informationsgesellschaft gewonnenen Erkenntnisse \u00fcber strategische Prozesskomponenten nichts an Bedeutung verloren. Diese umfassen jenes Selbstverst\u00e4ndnis, jene Ma\u00dfnahmen und Mechanismen, die einer Erstarrung des Gestaltungsprozesses entgegenwirken, notwendige Anpassungen erm\u00f6glichen und konzentriert in dem von der Technologiestiftung Schleswig-Holstein betreuten Handlungsfeld Dialog zum Tragen kommen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>die Fortsetzung vielf\u00e4ltiger interdisziplin\u00e4rer Dialoge \u00fcber die Gestaltungserfordernisse der Informationsgesellschaft, so dass die Auseinandersetzung um Chancen und Risiken des dynamischen Wandels nicht alleine Spezialisten \u00fcberlassen bleibt;<\/li><li>die Einbettung der Gestaltungsaktivit\u00e4ten in eine Kultur des Wandels, die zu kritischer Offenheit gegen\u00fcber den M\u00f6glichkeiten der luK-Technologien anregt;<\/li><li>eine zielf\u00fchrende Abstimmung der Akteure des privatwirtschaftlichen, des \u00f6ffentlichen und des non-governmental-Sektors, die den unternehmerischen Charakter der Gestaltungsaufgabe betont, ohne die wichtige Rolle zu verkennen, die der Staat als Initial- und Kernkunde bei der Einf\u00fchrung neuer luK-Anwendungen sowie bei der Initiierung, Mobilisierung, Moderierung und Koordinierung von Endnutzergruppen und der breiten \u00d6ffentlichkeit spielen kann;<\/li><li>der Aufbau und die Unterst\u00fctzung nachhaltig t\u00e4tiger Kooperations- und Netzwerkstrukturen, deren transinstitutioneller Charakter sich aus der Vielschichtigkeit der Wirkungen der luK-Technologien ergibt und die zugleich als Tr\u00e4gerinnen eines gegenseitigen Know-how-Transfers nutzbar gemacht werden k\u00f6nnen;<\/li><li>die Umsetzung eines abgestuften Aktivierungskonzepts, das sich nicht nur an die wichtige, aber quantitativ kleine Zahl der innovativen Akteure wendet, sondern auch Breitenwirkung entfaltet;<\/li><li>das Kommunizieren der innovativen Ressourcen, des Willens und der Kompetenzen zur Gestaltung der Informationsgesellschaft inner- und au\u00dferhalb des Landes &#8211; nicht zuletzt, weil diese Faktoren zunehmend Standortentscheidungen von Unternehmen beeinflussen;<\/li><li>die aktive Bereitschaft, bei der Gestaltung der Informationsgesellschaft die Zusammenarbeit und den Know-how-Transfer mit anderen europ\u00e4ischen Regionen und sinnvolle Kooperationen mit den angrenzenden Bundesl\u00e4ndern bzw. wichtigen Medienstandorten zu suchen sowie<\/li><li>die Evaluierung und laufende Fortschreibung zentraler Dokumente und Ma\u00dfnahmen zur Gestaltung der Informationsgesellschaft.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_17.jpg\" data-lbwps-width=\"1087\" data-lbwps-height=\"1017\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_17-300x281.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1221\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_17.jpg\"    alt=\"2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_17\"  width=\"1087\" height=\"1017\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_17.jpg 1087w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_17-300x281.jpg 300w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_17-1024x958.jpg 1024w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_17-768x719.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1087px) 100vw, 1087px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Im Rahmen der Fortsetzung der Initiative Informationsgesellschaft Schleswig-Holstein als Teil des europ\u00e4ischen Programms RISI+ finden diese strategischen Prozesskomponenten Eingang in die Aktivit\u00e4ten der regionalen Akteure und sind wichtige St\u00fctzen des Transformationsprozesses der Region Schleswig-Holstein. Die Technologiestiftung Schleswig-Holstein betreut dabei das strategisch bedeutsame Handlungsfeld Dialog, das als Relaisstation f\u00fcr eine Vielzahl von Aktivit\u00e4ten, Projektideen und Strukturdebatten fungiert.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_18.jpg\" data-lbwps-width=\"1087\" data-lbwps-height=\"813\" data-lbwps-srcsmall=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_18-300x224.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\"   class=\"wp-image-1222\"  src=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_18.jpg\"    alt=\"2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_18\"  width=\"1087\" height=\"813\" srcset=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_18.jpg 1087w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_18-300x224.jpg 300w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_18-1024x766.jpg 1024w, https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation_18-768x574.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1087px) 100vw, 1087px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Zu den dringlichsten Fragen, die hinsichtlich der Auswirkungen und Gestaltungsnotwendigkeiten in der Informationsgesellschaft zu bearbeiten sind, geh\u00f6ren in Schleswig-Holstein<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>die zuk\u00fcnftige Verwendung der Strukturfondsmittel der Europ\u00e4ischen Union, die &#8211; flexibel und zielgerichtet eingesetzt &#8211; erhebliche M\u00f6glichkeiten auf dem Weg in eine nachhaltige Informationsgesellschaft bieten;<\/li><li>die Herstellung einer umfassenden Bef\u00e4higung der Menschen in der Region zum selbstbewussten Umgang mit luK-Technologien im Sinne einer Informationsgesellschaft f\u00fcr alle;<\/li><li>die Entwicklung und Umsetzung zukunftsf\u00e4higer Strukturen im Bildungsbereich (Structures of Learning), die neue Aufgaben- und Rollenzuschreibungen der Institutionen und ihrer Vernetzung miteinander mit sich bringt;<\/li><li>der Aufbau von Simulationskapazit\u00e4ten und -verfahren, um beispielsweise Entscheidungsstrukturen f\u00fcr Technologiefelder entwickeln zu k\u00f6nnen, die sich noch dynamischer entwickeln als die luK-Technologien in den vergangenen f\u00fcnfzehn Jahren.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Bearbeitung solcher Problemstellungen hat die Technologiestiftung Schleswig-Holstein umfangreiches Methoden- und Prozess-Know-how aufgebaut. Die Kooperation mit Regionen im europ\u00e4ischen Ausland ist ein notwendiger Beitrag sowohl f\u00fcr die Weiterentwicklung dieser spezifischen Kompetenz wie f\u00fcr die Gestaltung der Informationsgesellschaft in Schleswig-Holstein. Im Prozess des Zusammenwachsens der Ostseeregionen nehmen luK-Technologien einen wichtigen Platz ein: Mit dem Projekt der BIT-H\u00e4user, welches in enger Kooperation mit der schwedischen RISI-Region Blekinge angeschoben wurde, entsteht auch in Schleswig-Holstein (Leck) eine Plattform, um Testanwendungen f\u00fcr B\u00fcrger und KMU zu erproben. Die Technologiestiftung Schleswig-Holstein beteiligt sich dabei intensiv an der interregionalen Koordination, und st\u00e4rkt damit die Stellung Schleswig-Holsteins im Prozess der Ostseekooperation und setzt einen ihrer zus\u00e4tzlichen Schwerpunkte in die Evaluation des Projektes, so dass ein H\u00f6chstma\u00df an Produkt- und Prozess-Know-how aus dem Gesamtprojekt wieder nach Schleswig-Holstein transferiert werden kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">9. Perspektiven<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Perspektiven von Technologietransformations- wie Technologietransferprozessen sind dadurch gekennzeichnet, dass die Dynamik technologischer Innovation weiter zunehmen wird &#8211; insbesondere durch die vielfachen Konvergenzen von Technologien. Zugleich steigt der Druck auf die Unternehmen durch die fortgesetzten Globalisierungstendenzen an. Dies stellt nicht nur die Unternehmen in einen komplizierter werdenden Wettbewerb und bringt neue Herausforderungen hinsichtlich des Innovationsmanagements, sondern f\u00fchrt auch zu besonderen Anforderungen an die staatlichen oder privaten Strukturen, die die gesellschaftlichen, wirtschaftsstrukturellen oder (einzel)wirtschaftlichen Adaptationsprozesse initiieren, moderieren oder f\u00f6rdernd begleiten.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Technologiestiftung Schleswig-Holstein ergeben sich aus den bisherigen Erfahrungen drei wichtige Erkenntnisse.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die F\u00f6rderung der Entwicklung sog. &#8222;weicher Faktoren\u00ab durch prozessbezogene Investitionen wird von staatlicher Seite immer noch vielfach untersch\u00e4tzt. Zwar ist gemeinhin akzeptiert, dass Qualifizierung und Kompetenz wichtige Standortfaktoren sind, die den Unternehmen und der Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu Gute kommen. Untersch\u00e4tzt werden aber wohl noch immer solche \u00bbweichen Faktoren\u00ab, die weniger greifbar oder in verallgemeinerbaren Ma\u00dfnahmen operationalisierbar sind, wie z.B. das Schaffen von Bef\u00e4higung im Sinne der M\u00f6glichkeit des Sich-auf-Neues-einlassen-K\u00f6nnens als Vorstufe von systematisierten Qualifizierungs- und Lernprozessen. Solche Faktoren sind in ihrer Unsch\u00e4rfe schwer zu greifen und zu gestalten, in ihrer gesellschaftlichen Wirkm\u00e4chtigkeit &#8211; im vorw\u00e4rtstreibenden wie im bremsenden Sinne &#8211; aber von betr\u00e4chtlicher Relevanz. Was der Technologiestiftung Schleswig-Holstein mit dem Projekt Initiative Informationsgesellschaft ansatzweise gelungen ist, n\u00e4mlich die Verkn\u00fcpfung der verschiedenen Str\u00e4nge einer Technologiefolgenabsch\u00e4tzung, die zugleich Technologiegestaltung ist, w\u00e4re zu verallgemeinern und dabei methodisch zu pr\u00e4zisieren und weiterzuentwickeln. Das zentrale Ziel entsprechender Aktivit\u00e4ten w\u00e4re es, entsprechend den existierenden unterschiedlichen Bef\u00e4higungs- und Qualifikationsniveaus zu einem breit verankerten Verst\u00e4ndnis zu kommen, welche Technologien in welcher Anwendung f\u00fcr die Region nutzbar gemacht werden sollen und k\u00f6nnen. Dies w\u00e4re ein Beitrag zur produktiven Aufhebung des Spannungsverh\u00e4ltnisses zwischen der Dynamik global stattfindender technologischer Innovation und den fortbestehenden Gestaltungsnotwendigkeiten auf regionaler Ebene.<\/li><li>In den Mittelpunkt ihrer F\u00f6rderaktivit\u00e4ten hat die Technologiestiftung den Aufbau einer dienstleistungsorientierten, unternehmensnahen Forschung mit hohem Anwendungsbezug an den Hochschulen des Landes gestellt. Daran hat sich die Unterst\u00fctzung der Schwerpunktsetzung an den Fachhochschulen ebenso orientiert wie die zeitlich befristete Beteiligung an den Fachhochschul-GmbHs und die F\u00f6rderung von technischer Ausstattung und personeller Kompetenz. Eine solche Strukturgestaltung, die durch die Verbesserung der Rahmenbedingungen die Wettbewerbspositionen von Unternehmen in der Region und deren M\u00f6glichkeiten zur Entwicklung innovativer Produkte verbessert, ist inzwischen angesichts der technologischen Dynamik nicht mehr ausreichend. Um tats\u00e4chlich mit neuen technologischen Entwicklungen fr\u00fch am Markt zu sein oder gar M\u00e4rkte zu schaffen, bedarf es auch von Seiten der Technologiestiftung einer aktiveren Rolle innerhalb der von ihr mitgestalteten Strukturen, z.B. bei der raschen Verwertung zukunftsf\u00e4higer technologischer Entwicklungen. Diese dauert derzeit in vielen F\u00e4llen aufgrund fehlenden Kapitals und unzureichender Markt\u00fcbersicht zu lange, so dass m\u00f6gliche Wachstums- und Besch\u00e4ftigungseffekte geringer ausfallen als m\u00f6glich.<\/li><li>Die Durchsetzung von Basis- und Breiteninnovationen f\u00fchrt dazu, dass bisherige Verhaltensmodi, Kompetenzen und Strukturen nicht mehr angemessen sind, um die Zukunft zu gestalten. Sie m\u00fcssen daher angepasst oder ersetzt werden. Solche Verschiebungen im gesellschaftlichen Machtgef\u00fcge bed\u00fcrfen einer fortgesetzten Neubestimmung des Verh\u00e4ltnisses von Markt und Staat, Oligopolen und Individuen. Die daf\u00fcr notwendigen &#8211; oft kontroversen &#8211; Diskussionen anzuregen, ist eine der Funktionen der Technologiestiftung Schleswig-Holstein als Fr\u00fchindikator f\u00fcr das Handeln der Akteure im technologischen und politischen Feld. Die Technologiestiftung Schleswig-Holstein fokussiert damit auf langfristige, komplexe technologische und kulturelle Transformationsprozesse der gesellschaftlichen Strukturen. Sie unterscheidet sich von Institutionen, die sich auf die einzelbetriebliche Unterst\u00fctzung oder F\u00f6rderung konzentrieren, indem sie das Augenmerk auf die Ver\u00e4nderung der regionalen Technologiestrukturen und -kulturen insgesamt legt. Insbesondere die luK-Technologien bringen neue Herausforderungen mit sich, die nicht nur eine neue Kultur der Handhabung von Technologie und Innovation einerseits bedeuten sowie die Notwendigkeit zur Gestaltung ver\u00e4nderter Strukturen in der Region andererseits mit sich bringen, sondern insbesondere eine h\u00f6here Dynamik des Zusammenhangs dieser Kultur- und Strukturaspekte zum Ausdruck bringen. In diesem Sinne ist die T\u00e4tigkeit der Technologiestiftung Schleswig-Holstein denn auch mehr Transformation als Transfer. Der Transfer bezieht sich vor allem auf einzelne Technologien und deren Umsetzung in die Unternehmen. Transformation hingegen zielt auf Strukturen, soziale Kompetenzen und Bef\u00e4higungen zu einer Kultur des Wandels, in denen Transfers in der Region stattfinden. Der Umgang mit Neuem und Innovativem ist nicht schematisch plan- und bearbeitbar. Zur Transformation geh\u00f6rt damit auch der Freiraum f\u00fcr Experimente und der Mut zur Unkonventionalit\u00e4t.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Wenn sich an der Schwelle zum n\u00e4chsten Jahrhundert die Bedingungen f\u00fcr Unternehmen und Hochschulen \u00e4ndern, dann kann f\u00fcr Agenten des Technologietransfers und der Technologietransformation nicht alles beim Alten bleiben. Es geht um die Innovation der Innovations- und Entscheidungsstrukturen in Staat, Wissenschaft und Bildungssystem, denn die zunehmend erforderliche Geschwindigkeit der Anpassung wird auch in staatlichen Strukturen ihren Niederschlag finden m\u00fcssen. Im Ergebnis werden f\u00fcr die Gestaltung wissensbasierter Themen neue Zugriffs- und Zuordnungsformen entwickelt werden m\u00fcssen, die quer zu den derzeit bestehenden Ressorts und Zust\u00e4ndigkeiten liegen und sich durch Multidimensionalit\u00e4t und Transdisziplinarit\u00e4t auszeichnen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Weg in die Wissensgesellschaft bringt neue Anforderungen mit sich. Wie bereits bei der Gestaltung der Informationsgesellschaft, so wird die Technologiestiftung Schleswig-Holstein auch diese Herausforderung aktiv annehmen, besonders angesichts der Tatsache, dass der neue Transformationsprozess auf einer durch die luK-Technologien bereits dynamisierten Grundlage stattfinden wird. Besonderes Augenmerk muss in der sich bereits abzeichnenden Umbruchphase der wachsenden Technologiekonvergenz gewidmet werden, d.h. beispielsweise der Verkn\u00fcpfung von Technologiefeldern wie Informations- und Kommunikationstechnologie mit den neuen M\u00f6glichkeiten der Opto-Technologien. Als strategief\u00e4higer Akteur wird die Technologiestiftung Schleswig-Holstein dabei bew\u00e4hrte Methoden und Ans\u00e4tze, wie beispielsweise das Experimentieren und die Gestaltung des kulturellen Umfeldes aufgreifen, aber auch weiterentwickeln m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-pdfjsblock-pdfjs-embed pdfjs-wrapper\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation.pdf\">2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation<\/a><a href=\"https:\/\/delphin-consult.de\/friebeismus\/wp-content\/uploads\/sites\/4\/2017\/02\/2000-09_KPF-TSH_Buch_Technologietransformation.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Beitrag enth\u00e4lt den Originalbericht \u201eDie Technologiestiftung Schleswig-Holstein (TSH) als strategischer Akteur im Wandel\u201c, ver\u00f6ffentlicht im Jahr 2000. 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